Ach, was gehts mir gut … darf man das sagen … während Corona?

Ich habe heute Spätdienst, eigentlich „Mitteldienst“. Ich fange also um 12 Uhr an zu arbeiten. Im Homeoffice. Wegen Corona. Der Weg bis zum Arbeitsplatz tendiert also gegen Null.

Ich habe zunächst, wie so oft in den letzten Tagen und Wochen, ausgeschlafen. Das auch, weil ich gestern den späten Spätdienst hatte und nachts noch lange wach war. Und dann habe ich heute so gegen 10:30 Uhr auf meiner kleinen Terrasse gefrühstückt. In aller Ruhe. Ganz gemütlich. In Jogginghose. Mit Pantoffeln an den Füßen. Und dann habe ich mir noch eine weitere Tasse Kaffee gekocht und noch ein knappes Stündchen ein Buch gelesen, während ein leichter Wind die Äste und Blätter des Wallnussbaumes in meinem Garten durchgewuschelt hat.

Und dabei ging mir bei einem Schluck des richtig guten Kaffees ein wohliger Gedanke durch den Kopf. Mehrmals:

„Ach, was gehts mit gut!“

Und daran schloss sich bald ein weiterer und irgendwie komischer Gedanke an:

Darf man das überhaupt sagen, dass es einem gut geht, jetzt in Zeiten von Corona?

Und? Darf man? Jetzt in Zeiten der Corona-Einschränkungen und Kontaktverbote? Jetzt in Zeiten, in denen manche Unternehmen um ihre Existenz bangen oder diese gerade verlieren? Jetzt, wo wir mit den angeblich ach so schlimmen Mund-Nase-Masken einkaufen oder ins Restaurant gehen müssen? Jetzt, wo sich die eklatante Unfähigkeit von Donald Trump in Toten zählen lässt? Jetzt wo Menschen demonstrieren, weil angeblich unsere Grundrechte abgeschafft werden?

Darf man in solchen Zeiten sagen „Mir geht es gut. Richtig gut.“ Oder muss man „solidarisch jammern“? Muss man sozusagen aus irgend einem breiig-matschigen Mitgefühlspflichtbewusstseinsdingsbumsgedöns heraus in den Chor der Pessimisten einstimmen und derzeit alles schlecht und schei*e finden, über die Politik schimpfen oderdem derzeit arg gescholtenen Bill Gates irgendwelcher obskuren Missetaten und Machenschaften bezichtigen? Also nochmal: Darf man das überhaupt sagen, dass es einem gut geht, jetzt in Zeiten von Corona?

Gutes Wetter, guter Kaffee, gutes Buch – einfach herrlich.

Ja! Ich darf! Und Du auch!

Ja! Man darf! Ich darf! Du darfst! Jeder darf! Betrachten wir es zunächst faktisch und zwar erst einmal auf mich bezogen. Mir geht es tatsächlich gut. Ich bin gesund. Ich arbeite. Ich bin gut gelaunt und fühle mich wohl. Ich genieße durch das Homeoffice das Unhektische des „nicht-zur-Arbeit-fahren-müssens-um-zur-Arbeit-zu-kommen“. Den Menschen in meinem Umfeld geht es allen gut, alle sind gesund. Mir geht es also tatsächlich gut. Und ich muss nicht in anderer Leute Schuhen laufen, sondern nur in meinen. Und deshalb darf ich auch und gerade in Zeiten von Corona sagen:

„Ach, was gehts mit gut!“

Und wenn Du eine ähnliche Bilanz für Dich ziehen kannst, dann darfst Du auch sagen, wie es Dir geht und das es Dir gut geht. Die Deutschen neigen ja leider mitunter zum solidarischen Jammern oder zumindest dazu, das eigene Wohlbefinden zu verschweigen, wenn es anderen eventuell weniger gut oder vielleicht sogar schlecht geht. Keine Ahnung, warum wir dazu eigen, das eigene emotionale Licht sozusagen pietätsgetrieben unter den Scheffel zu stellen.

Vom faktischen zum fucktischen

So, nach dem faktischen kommen wir noch kurz zum „fucktischen“. Ok, 5 Euro in die Wortspielkasse. Wenn ich so lese, was manche im Zusammenhang mit Corona und den aktuellen Konsequenzen aus der Pandemie auf Facebook schreiben und kommentieren – ich darf das auch beruflich lesen und vor allem moderieren – dann kommt einem machmal schon irgendwie der englische Ausspruch „f*ck you“ in den Sinn. Ich sollte vielleicht einen Handel für Aluhüte aufmachen, könnte sich aktuell echt lohnen. Was so mancher Zeitgenosse da für hochgradigen Stuss von sich gibt, ist auf eine gruselige Art faszinierend und abschreckend zugleich. Ein paar WENIGE Kost(tz)probe gefällig? Bitteschön:

„Unter den Mund-Nase-Masken sammelt sich CO2 und man kann ersticken!“

Erstaunlich, dass Chirurgen, Krankenschwestern und Mitarbeiter anderer „maskenpflichtiger“ Berufe, die solche Masken oft für Stunden tragen, nicht massenweise tot umfallen.

„Diese Mundschutzmasken sind ein Maulkorb und sollen die freie Meinungsäußerung der Menschen unterdrücken.“

Keine Ahnung, was sich dieser Kommentator ins Gesicht geschraubt hat, aber ich kann mit meiner Maske – von einer Tante liebevoll selbst genäht – immer noch völlig frei und ungehindert reden und außerdem auch atmen.

„Sofort alle Beschränkungen komplett abschaffen und wieder alles normalisieren. Wir brauchen die Herdenimmunität.“

Würden wir dieses Thema fachlich vertiefen, bräuchten wir mehr Zeit und Text. Nur soviel. Bis tatsächlich eine Herdenimmunität hergestellt wäre, würden Jahre vergehen und zigtausende wegen Corona sterben, die länger leben könnten. Als Beweis mag die USA oder Brasilien dienen. Und die NYT hat dazu einen lesenswerten Artikel online.

„Bill und Melida Gates sind Zyonisten, die die Überbevölkerung der Welt mit Zwangsimpfungen und Sterilisationen reduzieren wollen.“

„Bill Gates hat die WHO gekauft und will den Menschen mit Zwangsimpfungen Chips einpflanzen und sie kontrollieren.“

Ich befürchte, auch ein Aluhut hätte bei diesen Kommentatoren wohl Schlimmeres nicht mehr verhindern können. Und wenn man solche Freaks dann tatsächlich mal konkret fragt „Warum will Bill Gates das?“, kommt: „Dann google mal, dann wirst Du das finden!“ Hab ich. Man findet nichts außer eben Verschwörungsschwurbelkram! Die Tatsache, dass es keine faktischen Beweise für diese Behauptungen gibt, wird mit „Das wird alles von der Politik und den Medien unterdrückt, damit es niemand mitbekommt!“ begründet. Gibt es indes faktische Gegenbeweise für deren krude Thesen, dann „sind das Lügen der Medien (oder von wem auch immer), um von der Wahrheit abzulenken, damit es niemand mitbekommt!“

In Zeiten wie diesen könnte der Vertrieb von Aluhüten eine lohnende Sache sein.

Das ist ja gerade bei diesen Verschwörungstheoretikern das Tolle, dass die sich immer um „intersubjektiv nachvollziehbare Belege“ dieser Behauptungen herum reden. Mal vorne rum, mal hinten rum. Viel behaupten, nichts belegen. Zu Bill Gates wird im Allgemeinen seit Corona extrem viel extrem aller höchstgradig Beklopptes kommentiert. Was der so alles will! Warum sollte er „die Weltwirtschaft vollkommen zertstören“ wollen? Was um alles in der Welt hätte Billyboy davon?

Von den ganz massiv verstrahlten Gestalten wie Attila Hildirgendwas, Xavier Naiirgendwer oder Ken Jebwasweißichwer und deren ganz besonders hochgradigem Schwachsinn, den die in die Welt des Internet erbrechen, wollen wir jetzt hier mal nicht anfangen. Wir wollen heute ja auch irgendwann mal zu Potte kommen.

Was all diesen Fatalismus- und Verschwörungstheorie-getriebenen Kommentatoren aber auch den völlig abstrusen Hirnfürzen dieser Hild-Naid-Jeb’s gemeinsam ist, ist ja folgende These für Deutschland und wohl auch den Rest der Welt: Alles geht aber sowas von den Bach runter. Wir werden alle ganz fürchterlich unterdrückt, verarscht, ausgebeutet, für Dumm verkauft, unserer Grundrechte beraubt, von Diktaturen regiert, von den Medien manipuliert, heimlich von Reptiloiden kontrolliert und so weiter und so fort. Und? Werden wir?

NEIN WERDEN WIR NICHT! WIRKLICH NICHT!

Ganz ersthaft: All das, was diese verwirrten oder von AfD & Ganzrechtsaußen oder anderen wie auch immer getriebenen Kräften verwirrten und verführten Menschen da behaupten, ist hahnebüchener Unsinn.

Uns allen geht es summa summarum nach wie vor und immer noch echt richtig gut. Auch und gerade jetzt in Zeiten von Corona behaupte ich genau das! Man muss nur in andere Länder schauen, nehmen wir nur die USA oder Brasilien als Beispiele, wo Corona schlimme Verheerungen anrichtet, weil die dortige politische Führung nichts auf die Reihe kriegt. Das, weil sie es nicht kann oder viel eher nicht will.

Deutschland ist, was den Umgang mit der Corona-Krise betrifft, in der Tat mustergültig und ein weltweites Vorbild. Wir und die Politik in diesem Land haben die Lage in den gegebenen Umständen wirklich gut im Griff. Ich sage nicht, dass man nicht etwas besser machen könnte. Aber man könnte problemlos vieles schlechter machen. Viel schlechter. Und das genau das nicht geschieht, ist uns allen, von der Politik in Berlin und den Ländern, bis hin zu jedem einzelnen Bürger – zumindest den vernunftbegabten – zu verdanken. Wir machen das gut und – nochmal – es geht uns gut.

Auf was man durch so einen einfachen Gedanken beim vormittäglichen Frühstück alles kommen kann ….

Die Merkel muss weg …

Angela Merkel (Foto: Armin Linnartz Quelle: Wikipedia)
Angela Merkel (Foto: Armin Linnartz Quelle: Wikipedia)

Gestern Abend in einer Diskussion zum derzeitigen Thema Nummer 1 – Flüchtlinge – sagte jemand mit der Inbrunst der Überzeugung:

„Aber die Merkel die muss weg. Also auf jeden Fall muss die weg!“

Ja! Ganz genau. Die muss weg, die Merkel und die Regierung am besten gleich mit. Weil bei uns im Land ist ja alles echt voll Schei*e und alles geht sowas von den Bach runter. Uns geht es ja allen so dermaßen schlecht! Und an allem ist die natürlich die Merkel und die Regierung schuld. (Müsste ich hier wirklich die „Ironie-Tags“ <ironie> … </ironie> setzen?)

Das Bruttoinnlandsprodukt steigt. Es steitg seit Jahren. Seit VIELEN Jahren. Aber trotzdem, die Merkel, die muss weg. Weil bei uns im Land geht es ja bergab.

Die Arbeitslosenzahlen sinken und sind so niedrig wie das letzte mal vor mehr als 20 Jahren. Im Jahr 2005 lag die Arbeitslosenquote bei 11,7 Prozent. Derzeit liegt sie bei 6,5 Prozent. Aber trotzdem, die Merkel muss weg, weil bei uns ist ja alles ganz schlecht und schlimm.

Statistik: Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahresdurchschnitt von 1995 bis 2015 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Deutschland ist Exportweltmeister gerade auch im Bereich der Hochtechnologie und hat sogar die USA bei den Einnahmen in dieser Sparte hinter sich gelassen – zugegeben, weil es in den USA da auch satt bergab ging. Aber trotzdem, die Merkel muss weg, weil bei uns ist ja alles echt so unglaublich scheiße.

Bei den Sozialschutzleistungen (Rente, Krankenversicherung etc.) ist Deutschland eines der besten und leistungsstärksten Länder in Europa. Die Bürger in diesem Land sind optimal abgesichert, egal ob es um Gesundheit oder Arbeitslosigkeit geht. Aber was soll’s, die Merkel muss halt einfach weg.

Sozialschutzleistungen

Dieses Parolengeschrei „Die Merkel muss weg“ ist ja wahrlich nichts neues. Als Kohl dran war, musste der „Dicke“ weg. Als Schröder dran war, musste natürlich auch der weg. Es gibt Leute, die immer „muss weg“ schreien und immer denken, alles bei uns ist schlecht, schlimm, scheiße und so weiter. AfD und Pegida und ähnliche rechte Randwichtel heizen diese Stimmung derzeit massiv an um in diesem Meinungsklima Sympathisanten und Wählerstimmen abzufischen. Strunzdummer Hass schlägt den Medien entgegen, die den Hetzern nicht nach dem Mund reden, sondern über die Tatsachen berichten, die die Hetze widerlegen.

Und derzeit wird das Thema Flüchtlinge dafür so dermaßen demagogisch instrumentalisiert, das man das KALTE KOTZEN kriegt. Schaut man sich die Reden von Björn Höcke an, dann ist das pure rechte Hetze. Selbst der AfD-Parteispitze wird es mit dem zu mumlig. Noch. Wir haben in diesem Land kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen – nein wir haben ein Nazi-Problem! Aus den verbalen Brandbomben von AfD, Pegida und Co werden reale Brandsätze, die auf Flüchtlingsheime fliegen. Es entsteht ein rechter Terrorismus, der in dem Attentat auf die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker einen wohl leider nur vorläufigen Höhepunkt erreicht hat.

Wer ohne nachzudenken „Die Merkel muss weg“ schreit, der geht den rechten Hetzern auf den Leim, denn die liefern die angeblichen Argumente, die dann dazu führen, dass Leute Merkel und Gabriel an den Galgen wünschen. Fragt man nach konkreten Argumenten, Gründen oder Beweisen, hört man entweder „Das weiß man doch“ oder „Das habe ich gelesen“. Und manchmal werden obskure Quellen genannt die bei einer Prüfung keinem Schuss Pulver stand halten. Aber mitschreien ist eben einfacher, als nachdenken oder sich mal umfassend zu informieren.

Im Mittelmeer ertranken 400 Flüchtlinge … nächste Meldung

 – oder: Sollte der gewaltsame Tod nicht immer gleich schlimm sein?!

Am 24. März stürzte ein Airbus der Lufthansa-Tochter German Wings in den französischen Alpen ab und alle an Bord starben. Sofort schwoll die mediale Berichterstattung gewaltigst an. Liveticker noch und nöcher. Sondersendungen. Regulären Programm wurde unterbrochen. Alle möglichen und unmöglichen Experten wurden vor Kameras gezerrt. Die Schule in Haltern, die 16 Opfer zu beklagen hat, wurde von unzähligen Reporterteams belagert. Medialer Ausnahmezustand! Tagelang! Gesteigert durch die grausame Erkenntnis, dass der Copilot diesen Absturz absichtlich herbei geführt hat. Die Berichterstattung ist zwar etwas abgeebt, aber noch immer deutlich präsent.

Heute morgen hörte ich im Radio auf der Fahrt zur Arbeit eine routiniert abgespulte Nachrichtenmeldung. Im Mittelmeer ist ein Schiff mit Flüchtlingen gekentert. Es wird mit 400 Toten gerechnet. Nächste Meldung.

400 Menschen sind tot! Liveticker? NEIN. Sondersendungen? NEIN. Reguläres Programm unterbrochen? NEIN. Experteninterviews? NEIN. Die Meldung wurde verlesen und weiter ging’s im Programm.

gesunkenes-schiff
Symbolbild: stock:xchng

Ich will die Tragödie mit dem Absturz der German Wings-Maschine keinesfalls klein reden oder abwerten. Aber da sind in der vergangenen Nacht 400 Menschen ums Leben gekommen und es ist nur eine beiläufige Meldung. Ist deren Tod weniger Wert oder weniger schlimm, als der Tod der 150 Menschen in dem Flugzeug? Zudem ist der Tod der Flüchtlinge im Mittelmeer kein einmaliges Ereignis. Seit Jahren sterben immer wieder Menschen auf den Booten, die sie nach Europa bringen sollen. Es sterben Männer, Frauen und Kinder. Wieviele sind es mittlerweile? Hunderte? Wohl eher tausende! Sollte uns dieses andauernde Sterben nicht mindestens genau so erschüttern, wie das Schicksal der Passagiere von Flugnummer 4U9525?!

Der Tod der Menschen im A320 der German Wings war entsetzlich. Aber ist der wiederholte und vor allem massenhafte Tod im Mittelmeer einfach nur noch „Alltag“? Stumpfen wir immer mehr ab, wenn es um das Schicksal von Menschen geht, die nicht direkt zu unserem Lebensumfeld gehören? Wenn es nicht Menschen aus Deutschland sondern „nur“ aus Afrika sind? Wenn es keine Menschen unseres Sozialgefüges sind, sondern Menschen „nur“ aus der dritten Welt? Sind wir als Gesellschaft wirklich so kalt, herzlos, so kaputt? Ich befürchte ja.

50 Shades of Grey – einfach nur Sex reicht nicht mehr?

Nach dem riesigen Erfolg der Bücher „50 Shades of Grey“ reiht sich derzeit der gleichnamige Kinofilm in die Erfolgsgeschichte ein. Und wer derzeit im Baumarkt Kabelbinder und Klebeband kauft, macht sich sofort verdächtig. Ich habe die Bücher nicht gelesen aber einiges darüber gehört. Viele sagen, dass diese Bücher aus literarischer Sicht alles andere als gut geschrieben seien. Ihr Erfolg sei wohl nur dem frivol bist expliziten Inhalt zu verdanken.

Auch den Film habe ich nicht gesehen, aber ebenfalls viel darüber gehört. Manche – vor allem Frauen – sind begeistert. Andere sagen, der Film sei genauso schlecht wie die Bücher. Einer sagte mir es sei nur „Kuschelsex mit Arschversohlen“. Manche beklagen „Man sieht gar nicht wirklich was“, wobei ich mich hier frage was erwartet wurde – ein Porno? Begeistert ist ein vorwiegend weibliches Publikum, das sehr wahrscheinlich auch die Bücher gelesen hat. Natürlich finde ich es gut, dass Filme und Bücher diese entsprechenden Neigungen aus dem Schattendasein des Anrüchigen, des Perversen befreien. Wem diese sexuelle Spielart Spaß macht, der soll sie auch ausleben, dürfen ohne schräg angeguckt zu werden.

Aber ich frage mich, ob Bücher und Film „50 Shades of Grey“ nicht vielleicht ein deutliches Symptom für die Tatsache sind, dass viele Menschen immer extreme Reize brauchen, um sich überhaupt lebendig zu fühlen. Einfach nur Sex reicht nicht mehr, dass muss schon etwas exotisches oder verruchtes sein. Und dieses Schema findet man auch in vielen anderen Lebensbereichen wieder.

Einfach nur in den Urlaub fahren, die freie Zeit genießen und sich entspannen das reicht vielen längst nicht mehr aus. Da muss man mit dem Mountainbike schon extrem Downhill mit hohen Verletzungsrisiko machen. Ohne Risiko ist es nicht gut. Da muss am Strand mindestens Paragliding, Parasailing oder Jetskiing absolviert werden. Hat man im Urlaub nicht irgendetwas super cooles, super krasses, extrem seltenes oder total anstrengendes gemacht, ja dann war man gar nicht richtig im Urlaub. Event-Anbieter wie Jochen Schweizer bedienen diesen Trend natürlich mit den entsprechend extravaganten Angeboten.

Beim Sport reicht Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren auch nicht mehr aus. Da muss es schon mindestens Parcours, Basejumping oder irgendetwas anderes möglichst krasses sein.

Manche Jugendliche treiben das dann bis in extremster Auswüchse. Da wird mit S-Bahn-Surfen oder dem Klettern auf möglichst hohe Gebäude ohne jegliche Sicherung Kopf und Kragen beziehungsweise Leib und Leben riskiert. Erst wenn der Tod ein ständiger Begleiter ist, dann spüren diese Menschen hier wohl das echte Leben?

Ist es wirklich so? Braucht man wirklich extreme Reize, um sich lebendig zu fühlen? Um zu empfinden, dass man was erlebt oder bewegt hat? Verlieren wir langsam das Gespür für die Schönheit und die Freuden des Alltags? Verlieren wir den Blick für die wunderbaren Kleinigkeiten, die das Leben für uns im Angebot hat? Müssen viele Menschen wieder lernen, solche Kleinigkeiten zu erkennen, zu schätzen und vor allem zu genießen? Ich finde ein Spaziergang bei Sternen klaren Nachthimmel kann was wunderbares sein.

Oder hat man, um wieder das Bild vom Anfang aufzunehmen, tatsächlich nur noch guten Sex, wenn mindestens Kabelbinder und eine Reitpeitsche zum Einsatz kommen?

Spanien verliert gegen Chile – Entschuldigung, aber was soll diese scheiß Häme?!

Gestern ist der (noch) amtierende Fußballweltmeister und Europameister Spanien an Chile und der Vorrunde gescheitert. Chile hat die „Selección“ von Trainer Vicente del Bosque mit 2:0 in einem beeindruckenden Spiel vom Platz geschickt. ¡Un día negro para España! Ein schwarzer Tag für Spanien. Ich fragte mich nicht nur nach, sondern schon während des Spiels vor allem eines:

Entschuldigung, aber was soll diese scheiß Häme?!

Vor allem auf Facebook ging es schon während des Spiels mit bissigen und unschönen Kommentaren los. Dabei wurde oft nicht die spanische Nationalmannschaft adressiert. Es wurde „Spanien“ gesagt/genannt. Und da stachelten und stänkerten auch Leute, denen ich eigentlich etwas mehr soziales Feingefühl zugetraut hätte. Das ganze ging von Kommentaren wie „hämisch ablachend“ oder „was macht spanien jetzt ?? vamos a la playa..ohohohohoh“ über Witze wie „Woran erkennt man spanische Marienkäfer? Sie haben keine Punkte.“ oder „Spanische Nationalmannschaft erklärt sich solidarisch: „Wenn Juan Carlos heute abdankt, dann tun wir es auch.“ Adios“ bis hin zu verkappten Beleidigungen: „Adios Mutscharschos!“ Auch gerne genommen platte Schadenfreude: „Hahaha Versager ‪#‎wm14‬ #‎SpanienIstRaus.

Immer auf den Ex-Weltmeister?

Ist das Neid, weil Spanien Titelverteidiger ist? Ich vermute es, denn wäre Italien statt Spanien Titelverteidiger und auf die gleiche Weise aus dem Turnier geflogen, dann wäre die Häme wohl weitestgehend identisch. Ist es Dummheit, dass die Bewertungen einer Fußballmannschaft durch diesen Verbalbeschuss einfach einem ganzen Land übergestülpt werden?

Ich würde ja gerne mal wissen, wie es aussähe, wenn das der deutschen Mannschaft passiert wäre. Wenn Jogis Jungs als Titelverteidiger so deutlich vom Platz getreten worden wären und jetzt alle auf uns so rumhacken und Spott und Häme über uns ausgießen würden. Ja dann wäre das Gezicke und Geschimpfe groß. Dann doch lieber wie jetzt austeilen?!

Spanien ist ein wunderbares Land mit netten Menschen!

Bis zum Jahr 2012 war ich noch niemals in Spanien gewesen. Am 1. Juli 2012 kam ich spät Abends in Valencia an. Und? Wer weiß, was an diesem Abend geschah? Richtig. Die spanische Mannschaft besiegte Italien im Finale der EM in Kiew 4:0 und wurde Europameister.

Gerade als ich in Valencia, einer mir bis dahin völlig fremden Stadt in einem mir bis dahin völlig fremden Land vom Flughafen mit der U-Bahn in die Stadt fuhr, war der Schlusspfiff gefallen. Und als ich im Stadtteil Benimaclet (wo meine Unterkunft war) aus der U-Bahn-Station auf die Straße kam, waren in den Straßen endlose Salven von Böllerschüssen und Hupkonzerte zu hören. Die Spanier feierten laut und fröhlich.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, trieb mich der Hunger gegen 23 Uhr wieder auf die Straße. Ich setzte mich in ein Restaurant und haben eher durch Zeigen auf die Karte etwas zu Essen bestellt.

Am Nachbartisch saßen drei einigermaßen besoffene Spanier. Die sprachen mich an. Sie luden mich an ihren Tisch ein und haben mir ein oder zwei Bier ausgegeben. Sie hatten unglaublich viel Geduld mit mir, denn mit meinem armseligen Zwei-Kurse-Volkshochschul-Spanisch, dass eher aus einzelnen Worten als ganzen Sätzen bestand, war eine Unterhaltung arg mühselig.

Die Deutsche Mannschaft war damals gegen Italien im Halbfinale ausgeschieden. Häme? Frotzeleien? Keine. Wir haben gut anderthalb Stunden zusammen gesessen und uns – naja gut unterhalten. Zwar eher mit Händen und Füßen, aber wir hatten Spaß.

Meine drei netten besoffenen Spanier

So haben drei mir völlig fremde, besoffene aber sehr nette Spanier dafür gesorgt, dass meine aller ersten Stunden  in Valencia, der mir bis dahin völlig fremden Stadt in einem mir bis dahin völlig fremden Land mit einer mir bis dahin noch weitgehend fremden Sprache bereits sehr schön und unterhaltsam waren. Ich habe mich nicht fremd, sondern wohl gefühlt. Und nüchtern bin ich auch nicht nach Hause gegangen.

🙂

In den sich anschließenden 14 Tagen haben ich vor allem in der Sprachschule International House Valencia die Schulbank gedrückt und intensiv Spanisch gebüffelt. Und in dieser Zeit habe ich diese wunderschöne Stadt und die Menschen und damit auch Spanien lieben gelernt!

14 wunderbare Tage in Valencia!
14 wunderbare Tage in Valencia!

Die Menschen dort begegneten mir mit einer Gastfreundschaft, Warmherzigkeit und Freundlichkeit, die richtig wohltuend war. Kein Heimweh, keine Langeweile, es war toll. Ich hatte 14 wunderbare Tage in Valencia und ich habe auch viel Spanisch in der Zeit gelernt.

Hätte ich meine drei besoffenen Freunde vom ersten Abend am Ende nochmal getroffen, wir hätten uns deutlich besser unterhalten können, als am Tag meiner Ankunft.

Diese aktuelle Häme ist ätzend

Ok, viel zu langer Rede kurzer Sinn: Ich finde diese Häme, die sich da seit gestern auf Facebook über die spanische Mannschaft und Spanien insgesamt ergossen hat, einfach ätzend. Ich fände diese Häme  genau so ätzend, wenn sie einem anderen Land gelten würde.

Und hier noch ein paar Links in Sachen Häme gegen Spanien:

WAZ: „Adios Amigos“ – Häme für Weltmeister Spanien nach frühem WM-Aus
http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm/adios-amigos-haeme-fuer-weltmeister-spanien-nach-fruehem-wm-aus-id9491888.html

Stern: „Das war mal Kunst, aber kann jetzt weg“
http://www.stern.de/sport/fussball/wm-2014/news/pressestimmen-zu-spanien-chile-das-war-mal-kunst-aber-kann-jetzt-weg-2118173.html

Für Spanien hagelt es Hohn und Spott
http://www.sport.de/medien/fussball-wm/3c312-1dba48-af5c-73/fuer-spanien-hagelt-es-hohn-und-spott.html

„Zerschmettert und niedergeknüppelt“
http://kurier.at/thema/wm2014/pressestimmen-zum-wm-aus-von-spanien/71.066.391

Der „Um-den-Kaugummi-herum-Atmer“

Es gibt in Fitness-Studios ja diverse Typen von Trainierenden. Von der Schicki-Micki-Tusse, die immer die neuesten und teuersten Trainingklamotten an hat und komplett geschminkt und gestylt ist, über den Naturfaserschwitzer, der seine Baumwoll-T-Shirts klatsch nass schwitzt bis zum Überehrgeizling, der sich mit hochrotem Kopf und Maximalgewichten bis zum Schreien quält. Ich möchte heute mal kurz über den „Um-den-Kaugummi-herum-Atmer“ lästern.

Um-den-Kaugummi-herum-Atmer
Um-den-Kaugummi-herum-Atmer

Der Um-den-Kaugummi-herum-Atmer ist vorwiegend aber nicht ausschließlich weiblich. Egal ob auf dem Fahrradergometer, dem Laufband oder auf den Kraftmaschinen, der Um-den-Kaugummi-herum-Atmer kaut IMMER und ununterbrochen Kaugummi. Wenn es anstrengend wird, dann tut er das mit weit aufgerissenem und dennoch kauendem Mund.

Da bei körperlicher Anstrengung zwangsläufig Atemfrequenz und Atemvolumen steigen, er aber sturheil weiter den Kaugummi bearbeitet, ist das Atmen schwierig, denn es wird von dem endlosen Stakato von Kaubewegungen permanent unterbrochen und behindert. Also kaut er immer zwei oder drei mal, reißt dann den Mund auf und atmet ein oder zwei mal heftig ein und aus, um dann wieder zu kauen.

Gerade gestern im Fitnesstudio in Darmstadt, wo ich trainiere, war eine männliche Ausgabe des Um-den-Kaugummi-herum-Atmers zu bewundern. Glatze, nur ein dünner Haarsaum auf Höhe der Ohren. Circa Ende 50. Er hatte Schweiß auf der Stirn und sein Baumwoll-T-Shirt – er ist wohl auch Naturfaserschwitzer – triefte ebenfalls vom Schweiß. Vor allem aber konnte man deutlich den angestrengten Wechsel zwischen Kaugummikauen und Atmen hören.

So ein „Knitsch Knitsch Knitsch-Hechelhechelhechel-Knitsch Knitsch Knitsch-HechelSCHNAUFFFFhechel-Knitsch Knitsch Knitsch„. Ich weiß, dass es sehr schwer ist, diese ekligen Geräusche vor allem des Kaugummikauens in Worte zu fassen, aber ich hoffe, ich könnt es Euch vorstellen.

Sieht man von dem unappetitlichen Anblick des sich im weit aufgerissenen Mund umherbewegenden Kaugummis ab, so kann das irgendwie auch nicht gesund sein. Zum einen besteht ja die Gefahr des Verschluckens oder gar des Einatmens des Kaugummis. Zum anderen ist das Um-den-Kaugummi-herum-atmen ja auch für den Körper viel anstrengender und belastender, als wenn man ihm eine reguläre und ungehinderte Atmung gönnt. Das Anblick und Geräusche echt eklig sind, hatte ich glaube ich schon anbedeutet, oder?

2013 ich danke Dir Du geile Sau!

Wir besichtigen eine Teeplantage.
Wir besichtigen eine Teeplantage.

2013 war ein richtig geiles Jahr! Also zumindest aus meiner Sicht und für mich! Diese egoistische Perspektive darf ich mir hier in meinem persönlichen Blog ja wohl leisten. Mir ist viel Gutes widerfahren.

Neuer alter Job

Beispielsweise eine sehr tolle berufliche Veränderung, die im Sommer ohne all zu große Vorwarnung statt gefunden hat. Ich mache im Prinzip das Gleiche wie vorher, nur eben als festangestellter Redakteur. Und ich lieben meinen Beruf und meinen Job und fahre Montagmorgens gerne zur Arbeit!

Valencia

Ich habe im Frühjahr eine supertolle Woche in Valencia in Spanien erlebt. Ich und ein Freund haben uns die „Las Fallas“ gegönnt. IRRE!! Solltet ihr unbedingt mal machen. Hier vier selbst verzapfte Videos dazu, die mehr sagen als 1000 Worte.

Masclettas – Feuerwerk für die Ohren

Créma las Fallas Valencia

Grande finale

China

Und dann war ich im Sommer in China und habe endlich mal einen „nicht-westlichen“ Kulturkreis erlebt und kennen gelernt. Es war eine beeindruckende Reise, die ich an dieser Stelle nicht ausführlich schildern will, denn dieser Beitrag würde sehr sehr sehr lang. Daher müssen hier ein paar Fotos genügen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch sonst gab es viele kleine und größere Dinge, die passiert sind. Die meisten davon positiv, wenige davon eher „neutral“ und ganz wenige unschöne Dinge.

Bei Depeche Mode wars z.B. auch wieder geil! Außerdem habe ich mir Sting auf der Nordmole in Mainz gegönnt, der dort seinen einzigen Deutschland-Auftritt in diesem Jahrt hatte. Und Herman van Veen habe ich mir in der Phoenix-Halle gegönnt.

Depeche Mode in Frankfurt

Sting in Mainz

Herman van Veen

Fazit:

Wenn das Jahr 2014 auch nur halb so geil wird, wie das Jahr 2013 es war, dann wird es ein tolles Jahr. Der Grundstein dafür ist schon mit einer gebuchten Fernreise gelegt. Es geht auf einen anderen Kontinent, auf dem ich bisher noch nie war.  Und der Rest wird sich zeigen. Deshalb nochmals: 2013 ich danke Dir Du geile Sau!

So nicht!!!

Würdet ihr einen belegt unfähigen Bewerber einstellen und beschäftigen? Bevor ich bezüglich dieser Frage hier loslege, möchte ich Euch zunächst mal diese nachfolgende Bewerbung, die mir heute per E-Mail zuging und Auslöser meines Kopfschüttelns ist, zur Lektüre empfehlen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dieser Bewerbung stelle ich mich Ihnen als analytisch-strukturierte, verantwortungsbewusste, unternehmerisch denkende und kundenorientierte

Teamleiterin/ Leiterin Vertriebsinnendienst vor mit nachweisbaren Kompetenzen in den Bereichen

  • Aufbau und Organisation von Service – Abteilungen
  • Beratung und Vertrieb hoch erklärungsbedürftiger Produkte und Dienstleistungen
  • Schnittstelle zwischen Außendienst, Kunden und Hauptverwaltung
  • Darstellung von Geschäftsprozessen in Datenbanken
  • Bewerber- u. Personalmanagement

Diese basieren insbesondere auf hoher Empathie, langjähriger Beratungs-Kompetenz, vertrieblich generalistischer Ausrichtung sowie ausgeprägter Kunden- und Marktorientierung.

Als Diplom – Oecotrophologin startete ich nach meinem Studium 1986 mit dem Aufbau der Ernährungsberatung bei einer Krankenkasse. Nach meinem Umzug ins Rhein Main-Gebiet wechselte ich 1992 zu einem mittelständischen Unternehmen des Direktvertriebs, wo ich zunächst auch als Ernährungsberaterin begann. Nach kurzer Zeit übernahm ich zusätzlich organisatorische Aufgaben, um die neue Service-Abteilung Ernährungstraining (********) weiter auf- und auszubauen. Anfang 1999 wurde ich Abteilungsleiterin Seminarorganisation und Personalentwicklung und ab Ende 2001 war ich zusätzlich für den Vertriebsservice der Handelsvertreter verantwortlich. Ende 2005 übernahm mein Mann eine Personalberatung, bei deren Auf- und Ausbau ich ihn unterstützte. Hier war ich schwerpunktmäßig für die Rekrutierung und das komplette Bewerber-management von Interim Managern der oberen Führungsebenen verantwortlich.

Aufgrund privater Veränderungen suche ich nach einer neuen beruflichen Herausforderung.

Ich suche nach einer anspruchsvollen Querschnittsaufgabe, in der ich idealerweise mehrere der genannten Kompetenzen miteinander verbinden kann. Sehr gerne würde ich Ihren Außendienst oder Kundenservice durch meine engagierte Arbeitsweise unterstützen. Dabei möchte ich sowohl meine bisherigen Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen als auch an neuen Aufgaben wachsen. Die Identifikation mit dem Unternehmen sowie ein partnerschaftliches Arbeitsklima spielen dabei für mich eine wichtige Rolle.

Sollten Sie eine Position zu besetzen haben, die zu meinen Qualifikationen passt, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme. Ich stehe Ihnen kurzfristig zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

M. Muster (Name geändert)

Alles falsch

Diese Person ohne Vornamen – M. kann für so vieles stehen – hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man in einer Bewerbung falsch machen kann!

1. Anrede

„Sehr geehrte Damen und Herren“ = KEINE persönliche Anrede des Adressaten. Der „Kandidat“ hat sich also keine Mühe gemacht, den richtigen Ansprechpartner und dessen Namen zu recherchieren. Es ist garantiert eine „Gieskannenbewerbung“, die mehrfach über diverse Adressen gekübelt wurde.

2. Keinerlei Recherche

Diese Person bewirbt sich als „Teamleiterin/ Leiterin Vertriebsinnendienst„. Wenn diese Person auch nur EINEN EINZIGEN Blick auf meine Internetseite geworfen hätte, dann hätte ihr folgendes auffallen MÜSSEN!!

a. Lerg Media ist KEINE Firma, sondern ein Redaktionsbüro.

b. Es ist fast unmöglich zu übersehen, dass es sich dabei um eine „One-Man-Show“ handelt. ES GIBT KEINE TEAMS DIE GELEITET WERDEN MÜSSTEN!

c. Es ist ebenso fast unmöglich zu übersehen, dass es hier um Journalismus geht und nicht um ein produzierendes und Produkte vertreibendes Gewerbe. ES GIBT KEINEN VERTRIEB DER GELEITET WERDEN MÜSSTE!

d. Es ist ebenso fast unmöglich zu übersehen, dass es bei mir KEINE Service-Abteilung, KEINEN Außendienst und KEIN Bewerber- und Personalmanagement gibt.

3. Kein Vornamen und keine vollständige Anschrift

Lediglich über die Absender-E-Mail-Adresse wäre eine Kontaktaufnahme möglich. Und die endet auch noch auf „initiativbewerbung-online.de“. Schaut man sich die „Dienstleistungen“ an, die auf der entsprechenden Webseite http://www.initiativbewerbung-online.de/ versprochen werden und betrachtet man dann diese Bewerbung als das vermutliche Ergebnis, ja dann kann man nur noch eines tun: Den Kopf schütteln bis einem der Nacken weh tut!

Was also signalisiert mir diese Bewerbung?

1. Da hat jemand nach dem Gießkannenprinzip vermutlich einfach ziel- und planlos eine Universalbewerbung über einen was weiß ich wie großen Verteiler gekübelt und hofft vermutlich, dass er/sie einen Glückstreffer landen wird.

2. Diese Person hat durch diese Bewerbung ihre Unfähigkeit und Inkompetenz eindrucksvoll zur Schau gestellt. Recherche über den anvisierten Arbeitgeber? NULL! Wird auf die Firma, bei der man arbeiten will, im Text eingegangen? NULL! Wird erklärt, warum man sich diese Firma ausgesucht hat, um sich dort zu bewerben? NULL! Selbst wenn ich eine Firma wäre, die eine solche Stelle anzubieten hätte, würde mir diese Bewerbung deutlich signalisieren: „SO & DEN/DIE GARANTIERT NICHT!“

3. Eine Person, die von sich selbst behauptet „Hier war ich schwerpunktmäßig für die Rekrutierung und das komplette Bewerber-management von Interim Managern der oberen Führungsebenen verantwortlich“ macht dann in ihrer eigenen Bewerbung so ziemlich ALLES falsch?! Siehe Punkt 2 hier oben drüber!

Solche Bewerbungen habe ich im Laufe dieses Jahres bereits sechs oder sieben mal bekommen und entsorgt, also wie diese E-Mail sehr schnell gelöscht. Einfach unglaublich! Auffällig: Die Absender-Adresse der letzten vier Mails in den letzten zwei Monaten lautet jedes Mal auf: @initiativbewerbung-online.de. Ich weiß nicht, was dieser Dienstleister verlangt, aber wenn ich mir diese Mails betrachte, dann ist es zu viel. Wer weiß, vielleicht sind das ja auch nur „Pflichtaussendungen“, die ein Leistungsempfänger nachweisen muss, damit er weiter Hartz IV oder andere Stütze bekommt. Gute Bewerbungen sind es definitv nicht!

UPDATE 12. September:

Heute (12.09.2013) habe ich schon wieder so eine unsäglich schlechte und für mich sinnlose Bewerbung bekommen. Da bewirbt sich einer als „Vertriebsmitarbeiter im Außen- und Innendienst – Europäist“. Der hat auch seine (oben beschriebenen) Hausaufgaben nicht gemacht.

Und der Oberkracher: Er schreibt „Ich bin flexibel und bereit, nach Köln umzuziehen.“ Mit anderen Worten, er hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Standort „meiner“ Firma zu recherchieren. Hier also auch diese Bewerbung zu gefälligen Lektüre:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemäß dem US-Amerikanischen Manager Lido Anthony Iacocca ist das Beste, was ein Manager tun kann, die richtigen Leute einzustellen. Gerne möchte ich Sie in Ihrer Aufgabe erleichtern und mich Ihnen als Bewerber vorstellen. Ich habe den Bachelorabschluss „Europäische Studien“ mit den Nebenfächern Management/Ökonomie und Jura, sowie das Aufbaustudium Master „Europäisches Regieren: Markt – Macht – Gemeinschaft”.

Ich bringe verhandlungssichere Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und Französisch und Grundkenntnisse in Schwedisch und Rumänisch mit. Durch meine Studienschwerpunkte kann ich Kontakte mit ausländischen Geschäftspartnern aufbauen, neue Kunden akquirieren und Marketing-Strategien entwickeln. Während meines Praktikums bei MLP Finanzdienstleistungen AG bin ich im Vertriebsinnendienst und als Assistent des Geschäftsleiters tätig gewesen. Ich habe Erfahrung in Neukundenakquisition erworben, denn ich habe junge Akademiker angesprochen, ihnen das Dienstleistungsportfolio von MLP erklärt und sie letztendlich als Kunden gewonnen. Ich habe Kundenseminare und Akquiseveranstaltungen organisiert, Kundentermine durchgeführt und Kundenanfragen bearbeitet. Ich bringe Erfahrung in Erstellung und Auswertung von Statistiken und im Projektmanagement mit, denn ich habe als Praktikant beim Europäischen Institut Sofia an einem Projekt der Europäischen Kommission gearbeitet. Ich verfüge
über Erfahrung in Kundenbetreuung von anspruchsvollen Kunden auf internationaler Ebene und in der Organisation von internationalen Veranstaltungen, denn ich habe an der Durchführung der Simulation Model European Union 2011 im Europäischen Parlament in Straßburg teilgenommen und war verantwortlich für die Betreuung der Teilnehmer und Koordination der Zusammenarbeit mit den Ansprechpartner des EU-Parlaments. Aufgrund meiner Teilnahme am von NATO organisierten Studentischen Forum in Pisa, Italien, zum Gegenstand: „Die Nachkriegsentwicklung von Afghanistan“ und an der Veranstaltung „Model European Union 2010“ in der Rolle als EUAbgeordnete in Straßburg konnte ich meine Kommunikationsfähigkeiten und Leistungsbereitschaft ausbauen und erweitern.

Das ERASMUS-Auslandsstudium an der Universität Osnabrück im Sommersemester 2009 hat meine einwandfreien persönlichen Umgangsformen entwickelt. Ich verfüge über ausreichende Computerkenntnisse, um eine EDV-gestützte Verwaltung und Dokumentation zu gewährleisten. Ich bin flexibel und bereit, nach Köln umzuziehen. Ich verfüge über keinen Vermittlungsgutschein.

Ich freue mich, Ihnen in einem weiteren, persönlichen Gespräch einen noch umfassenderen Eindruck von mir zu vermitteln, und verbleibe in Erwartung Ihres Terminvorschlages.

Update 5. November 2013

Und heute war es abermals soweit. Wieder kam eine so völlig sinnlose Bewerbung. Und wieder vom Absender @initiativbewerbung-onliner.de. Und wieder die gleichen dilettantischen Fehler! Hier also die heutige Bewerbung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ausgebildeter Industriekaufmann und studierter Diplom-Wirtschaftspädagoge suche ich eine neue Herausforderung im kaufmännischen Bereich und möchte Sie hiermit auf mich und meine Fähigkeiten aufmerksam machen und Sie von meinem Nutzen für Ihr Unternehmen überzeugen. 

Seit 2010 arbeite ich als Projektleiter und Junior Consultant in der Marktforschung. Hierbei trage ich Personal- und Projektverantwortung. 
Meine Hauptaufgabengebiete sind:

  • Erstellen von Angeboten und Budgetierung
  • Projektplanung und –durchführung
  • Qualitätssicherung
  • Auswertung und Aufbereitung der erhobenen Daten zum Zweck der Ausarbeitung von kundenspezifischen Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten

Die Arbeit im Team und das Zusammenwirken mit dem Außendienst erlebe ich dabei stets als gewinnbringend. Der Umgang mit Kunden und der Einsatz des Office-Paketes sind für mich gelebter Alltag. Meine Stärken liegen in der zielorientierten, planerischen sowie markt- und kundenorientierten Projektarbeit. Diese erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Begeisterung für die von mir übernommenen Aufgaben.

Gerne möchte ich mich beruflich weiterentwickeln und dabei meinen Lebensmittelpunkt in das Rhein- / Maingebiet verlagern. Die Kündigungsfrist meines bestehenden Arbeitsverhältnisses beträgt vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Ein kurzfristiger Umzug ist erwünscht und möglich.

Gerne würde ich Ihr Unternehmen mit meinen Qualifikationen und meiner beruflichen Erfahrung verstärken. Sollten Sie eine Position zu besetzen haben, die zu meinen Kompetenzen passt, würde ich mich über eine Kontaktaufnehme Ihrerseits freuen. 

Mit freundlichen Grüßen

Betram Beispiel (Namen geändert)

Servicewüste Deutschland!

Ich war eben gerade noch bei der Rewe in Oppenheim um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Mit mir betrat auch ein Mann zusammen mit seinem Sohn den Laden. Der Junge war vielleicht geschätzt acht Jahre alt. Und während der Papa Einkäufe in den Einkaufswagen lud, war dem Jungen wohl langweilig. Also begann er durch die Gänge des Ladens zu hüpfen und zu tänzeln. Er verschwand in einem Gang und kam aus einem anderen wieder hevor gedüst.

Wuummmmmsss

Und dann passierte es! Er hatte gerade eine kleine Pirouette gedreht und ging rückwärts als er gegen einen Sonderverkaufsständer stieß. Das war so ein Pappaufsteller voll geladen mit Packungen von verschiedenen Teesorten. Der stand da an der Ecke zweier Gänge – bestens zum umrennen geeignet. Nicht umsonst nennt man so etwas in der Fachsprache auch „Kundenstopper“. Es kam was kommen musste! Das Ding fiel laut krachend um und Dutzende Teepackungen verteilte sich über bestimmt zwei Meter Fläche auf den Boden.

Dem Jungen stand das blanke Entsetzen in den Augen und er begann weg zu rennen. Zu spät! Eine Mitarbeiterin des Ladens hatte das Ganze beobachtet und rief: „HEY!“ Das arme Kind blieb wie angewurzelt stehen. Fast so, als hätte jemand auf ihn geschossen und die Kugel hätte ihn voll getroffen.

Und dann sagte die Mitarbeiterin lachend: „Du brauchst doch nicht weg zu rennen. Es ist doch gar nichts passiert. Das kann doch mal vorkommen.“ Und ihr freundliches und ehrliches Lächeln ließ den panischen Gesichtsausdruck des Jungen verschwinden und er beruhigte sich.

Und während die junge Frau den Aufsteller hin stellte und die verschütteten Teepackungen wieder einräumte, plauderte sie noch ein wenig mit dem Jungen, der ihr die Packungen anreichte.

Könnten wir also bitte mal aufhören, dauernd von der „Servicewüste Deutschland“ zu reden!

Und hier die Audio-Version für Lesemuffel.