Homo touristicus idioticus

Heute konnte ich wieder einmal die leider weder seltene noch vom Aussterben bedrohte Gattung des Homo touristicus idioticus in freier Wildbahn beobachten. Der Homo touristicus idioticus ist als verhaltensauffälliger Lästling eine Untergattung der Spezies Homo touristicus vulgaris. Der vulgaris ist der einfache aber unauffällige und angepasste Tourist, der idioticus quasi das Gegenteil.

Der Homo touristicus idioticus zeichnet sich durch verschiedene sehr typische Merkmale und Verhaltensweisen aus. Zu nächst tritt er immer Rudelweise auf, wobei die Populationsgröße der einzelnen Rudel selten unter zehn, meist über 15 Exemplaren liegt. Nicht selten hat das Rudel einen Leithammel, der durch Brüllen, Winken oder andere akustische und optische Auffälligkeiten das Rudel zu führen und leiten versucht. Das Rudel fällt in der Regel zu jeder Tages- und Nachtzeit durch lautes Schwätzen, Gackern und Lärmen üblicherweise eher unangenehm auf. Vor allem aber bewegt sich ein Rudel des Homo touristicus idioticus immer pulkartig in ungeordneter Haufenformation voran.

Der Pulkhaufen ist dabei in der Regel sehr raumgreifend unterwegs und überbeansprucht sehr viel Platz. Gerade auf Straße überdeckt der Pulk neben dem Bürgersteig auch meist die halbe Straße und macht es nicht nur anderen Fußgängern unmöglich, unbehelligt und ohne riesige Bögen um den Pulk machen zu müssen zu passieren. Auch PKWs, die auf der Straße den Pulk passieren wollen werden ignoriert und zum anhalten, warten und weit schweifenden Ausweichen gezwungen. Selbst wenn der PKW-Fahrer durch hupen um die Freigabe einer Durchfahrgasse bittet, wird das ignoriert, oder entweder durch Lachen und Spotten beziehungsweise Drohgebärden und -laute quittiert. Gerne bleibt der Pulkhaufen auch an beengten Stellen stehen, um irgendwelche Dinge zu begutachten. Auch dabei bleibt jeder andere Mensch, ob zu Fuß, auf dem Rad oder im Fahrzeug, völlig unbeachtet.

Sobald das Rudel Homo touristicus idioticus zur Nahrungsaufnahme in eine Gaststätte einfällt, schlägt sich der ungeordnete Pulkhaufen dergestalt nieder, dass große Tische in Beschlag genommen werden und nicht selten dann ungefragt Stühle von anderen Tischen akquiriert werden. Der Homo touristicus idioticus verhält sich bei der Einkehr wie im Straßenverkehr und blockiert auch im Restaurant durch Sitzhaufenbildung Durchgänge und Engpässe. Vor allem aber überdröhnt der Pulkhaufen dann mit sehr lautem Reden, Lärmgelächter und anderen gutturalen Geräuschen jegliche andere Lautbildung vor Ort. Anderen Besuchern des Restaurants wird die Kommunikation dabei meist vollkommen unmöglich gemacht.

Das ganze steigert sich bis in infernalische Ausmaße, wenn der Homo touristicus idioticus sich zuvor nicht bipedal-muskulär auf eigenen Beinen durch das vom Pulk heimgesuchte Gebiet bewegt hat, sondern die Region mit einer sogenannten Weinbergsrundfahret erkundet hat. Dabei nimmt der Homo touristicus idioticus solche Unmengen von durch Gärungsprozesse gewonnene alkoholische Getränke zu sich, dass er völlig enthemmt. Der dann in einem Restaurant emittierte Lärmpegel ist bis weit auf die Straße zu hören und soll vereinzelt sogar mechanische Auswirkungen auf die Bausubstanz gehabt haben. Vor allem aber schlägt die Verhaltensauffälligkeit des Lästlings Homo touristicus idioticus dann oft auch in Belästigung anderer Personen um, die dann angesungen oder sogar körperlich behelligt werden.

Dennoch ist der Homo touristicus idioticus in vielen Gemeinden eine sehr gern gesehene Gattung, da diese Spezies pekuniär meist recht gut gestellt ist und sich auch nicht scheut, größere Mengen der mitgeführten Zahlungsmittel vor Ort zu investieren. Daher nehmen viele Kommunen die negativen Begleiterscheinungen des Homo touristicus idioticus billigend in Kauf.

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