Pokerface

Ich-002-2Nach ziemlich langer Zeit saß er wieder einmal am Pokertisch. Große Hoffnungen machte er sich nicht. Dazu war er in diesem Spiel einfach nicht gut genug. Damals bei den letzten Malen eben so wenig, wie heute. Und doch musste er es noch einmal versuchen. Einmal noch sein Glück herausfordern, einmal noch versuchen, ob er doch zum Sieger taugt.

Die andere Spieler nahmen von ihm wie immer kaum Notiz. Schließlich war er sozusagen der „Mann aus Glas“, der unscheinbare, der unauffällige, der nette aber ruhige. Der, mit dem alle immer gerne reden und plaudern, aber den dann absolut keiner ernst nimmt, wenn es ans Eingemachte geht. Eigentlich ein perfektes Pokerface, nur was nützt das einem glücklosen Spieler?

Déjà-vu! Wie schon früher so oft, hatte ihm der Dealer auch dieses mal wieder kein gutes Blatt serviert. Es fing an wie immer, recht bescheiden mit einer schwachen Hand. Und wie früher schon so oft, kamen die anderen am Tisch gleich gut ins Spiel, brachten ihre Einsätze und zockten hoch. Mit den neuen Karten wurde es kaum besser.

Dann war es soweit, die letzte Karte, das letzte Gebot. Und er fragte sich, ob er nicht einfach aussteigen und aufgeben sollte. Schluss damit, sich damit abfinden und endlich Ruhe und Frieden haben. Aber was soll’s! „All in“. Alles auf diese eine letzte Karte. Mit seinem Blatt auf der Hand begab er sich damit auf dünnes Eis. Würde es ihn tragen? Oder würde es brechen und der Mann aus Glas würde ein letztes mal unbemerkt vom Pokertisch verschwinden?

Hier findest Du Pokerface auch als Podcast zum anhören.

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