Ich will den ganzen Scheiß gefälligst umsonst …

… oder lieber doch für gut gemachten Journalismus im Internet zahlen? Mit dem Spiegel startet, wie Kress berichtet, das nächste Magazin in die Spähren des “Paid Content” also des “Bezahlinhaltes”. Damit sind renomierte Medien wie Die Welt, Bild (ja renomiert!!) und nun Spiegel auf dem iPhone mit kostenpflichtigem Inhalt vertreten. Ob iPhone oder eine andere Plattform wie Google Androiden-Telefone oder Windows Smartphones lassen wir jetzt mal außen vor und bleiben bei der Frage, ob Paid Content gut oder schlecht ist.

ipad-aqBleiben wir bei der Überschrift. Für Scheiß will ich nichts zahlen, im Internet. Aber Qualität darf gerne was kosten. Schließlich ist ja auch die Produktion dieser Inhalte nicht umsonst. Ich würde auch sofort meine Tageszeitung ausschließlich als elektronisches Abonnement anstelle der Papierform bezahlen, wenn die Darreichungsform stimmt. Und genau auf diesem Weg sind wir! Auf dem Displaychen meines geliebten iPhones (ja ich bin ein bekennender Tech-Nerd) machen die Inhalte noch keinen echten Spaß. Aber auf Plattformen wie dem iPad, oder einem möglichen Google Tablet – eben der neuen Generation mutlimedialer Surfbretter, die mit dem iPad ihren Anfang nimmt und längst nicht nur von Apple kommen wird – auf diesen Geräten wird es nicht nur Spaß sondern auch Sinn machen! Wie das aussehen kann, sehen wir an der Demo von Sport Illustrated:

Das iPad kommt in circa zwei bis drei Monaten auch bei uns auf den Markt. Und das hoffentlich mit sinnvollen günstigen Mobilfunktarifen, denn was nützt ein ultramobiles Gerät, dass nicht immer online ist. Ich werde mir das iPad zulegen und wenn die Allgemeine Zeitung eine elektronische und multimedial angereicherte Vollausgabe anbietet, werde ich zu den ersten Abonnenten gehören! Das herumhantieren mit dem großformatigen Papier morgens im Auto auf der Fähre nervt und ich kann nicht spontane etwas kommentieren oder nach Zusatzinfos suchen.

Mit den neuen digitalen Plattformen brechen für den Journalismus meiner Meinung nach ebenso rosige wie anstrengende Zeiten an. Jetzt kommt es drauf an, dass wir Medienschaffende als Inhalteanbieter hier ein neues Medium schaffen und nicht einfach nur Print 1 zu 1 auf das Display übertragen. Zeitung will ich nicht auf einem iPad oder ähnlichem Gerät “nur” lesen. Ich will sie schauen, hören erleben und vor allem auch damit interagieren!

Richtig gehört, die aktive Kommunikation eines Mediums – nicht nur der Zeitungen – mit seinem Publikum wird durch die neue technische Plattform erst richtig machbar. Ich rede hier nicht nur von der simplen Kommentarfunktion, die alle haben. Ich rede z.B. auch von durch die Nutzer generierten Inhalten. Warum nicht Bilder oder Videos von Zeitzeugen einbinden, wie es experimentehalber manche schon machen? Warum die Qualität eines Artikels nicht vom Nutzer per Voting bewerten lassen? Warum nicht die Funktionalität der Social Networks viel intensiver mit einbinden. Die neue Technik ermöglicht völlig neue Wege der “Leser-Blatt-Bindung”, oder sagen wir besser “Leser-Medien-Bindung.”

Natürlich gibt es derzeit viele, die das ganze sehr kritisch und skeptisch sehen. Aber jede noch so schöne rote Rose hat den einen oder anderen Dorn! Wir lesen, dass die Verlage in den USA und Deutschland nicht alle vorbehaltlos über Apples neues Gerät jubeln. Manche sind eher zurückhaltend und wollen abwarten. Andere bestehen auf Digitalem Rechte Management. Apple feilscht derzeit mit den großen Fernseh-Sendern in den USA um billigere Preise für die TV-Shows. Der Umbruch seitens der Inhalteanbieter hat angefangen und technisch werden wir uns immer mehr von “Einzelfunktions-Geräten” lösen und Multimediageräte nutzen, die mehrer Medien und Kommunikationskanäle homogenisieren. Selbst die gute alte Glotze kann schon mehr. Viele Flachbildfernseher “können heute schon Internet”. Und Geräte wie das iPad sind bestes Beispiel für mediale Multifunktionalität. Nochmals, es geht mir nicht um das iPad, sondern um die damit geschaffene neue Gattung von Geräten, die weniger mobile Computer, sondern viel mehr mobile Medien und Kommunikationsplattformen sind. Für circa 70% der Dinge, die ich am PC tue, bräuchte ich eben diese Kiste auf dem Schreibtisch garnicht, das iPad & Co würden absolut ausreichen!

Und nach langer Rede nochmals zum kurzen Sinn und der entsprechenden Frage. Sollen und wollen wir für gut gemachte, Qualitätsinhalte im (mobilen) Internet bezahlen? Ich sage eindeutig Ja! Nicht nur weil ich gute Inhalte sehr schätze und nutzen will, sondern weil es auch mein Beruf ist, diese zu erstellen. Oder würden Sie kostenlos arbeiten gehen. Wie ist Ihre Meinung? Nutzen Sie die Kommentarfunktion.

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