Gestern Abend saßen wir wie jeden Montagabend nach dem Schwimmen noch bei Rüdiger in der Kneipe, um etwas zu essen und zu trinken. Irgend jemand brachte dann das Thema „Jörg Kachelmann sitzt in U-Haft“ zum Gespräch. Einer am Tisch hatte wohl den ganzen Tag über keine Nachrichten geschaut und fragte, warum der Wetterfrosch derzeit die Wetterlage durch schwedische Gardinen begutachet.

Als ich erklärte, das er unter dringendem Tatverdacht, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben, verhaftet wurde, geschah es. Kaum dass ich das berichtet hatte, sagte jemand neben mir – nennen wir ihr Rhainhart (Anm. d. Red.: Namen zum Schutz von wem eigentlich irgendwie geändert) – laut und vernehmbar „Der arme Kerl„. Diese Aussage sorgt sogleich für das adäquate Staunen in der Runde und die eine oder der andere gab sogleich angemessene Kommentare ab, wie „Dein Weltbild soll einer verstehen“.

Armer Irrer!

Armer Kerl?

Nun stellt sich die Frage, was sich Rhainhart bei seiner Aussage gedacht hat. Armer Kerl im Sinne von „oha, ausgerechnet in Mannheim im Knast“? Oder eher im Sinne von „darf man jetzt nicht mal mehr in Ruhe seine Freundin vergewaltigen?“ Oder sollte es was halbweg intelligentes gewesen sein, so etwa wie: „Armer Kerl, der ist bestimmt unschuldig und seine Ex will mit der Nummer einfach nur satt abkassieren.“ So wie ich Rhainhart leider kenne, hat er eher wie immer garnichts gedacht, zumindest nichts vernunftbegabtes. Er, der es auch schafft, sich einen halben strammen Max unfallfrei in die Lücke zwischen Ober- und Unterkiefer zu wuchten, darf eher der Gattung „Homo Sapiens Abstrusiensis“ zugerechnet werden.

Kommen wir vom armen Kerl zum armen Irren

Wo wir schon gerade bei dem unerfreulichen Thema des erzwungenen Beischlafes sind, da liest man doch derzeit allenthalben vom Regensburger Bischof Gerhard Müller. Der liebe Herr Bischof hat eine ganz neue Strategie, mit der Flut an Enthüllungen über Missbrauchfälle in der katholischen Kirche umzugehen. Er denkt sich, wir lenken mal fein ab und drehen aus der ganzen Sache eine Antikirchenkampagne der Medien. Da schwadroniert der Mann von „… eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, so als ob man sich vorkommt, als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche …“. Damit nicht genug, er fordert auf „… nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 …“ hereinzufallen.

Ich weis nicht auf welche Kante dieser Typ mit seinem klerikalen Holzkopf aufgeschlagen ist, denn die Ausrede, er habe zuviel Meßwein gesoffen, kann hier nicht mehr gelten. Die katholische Kirche hat sich in Jahren und Jahrzehnten mit Schuld und Sühne beladen, indem sich die Stellvertreter Gottes auf irdisch-verwerfliche Art und Weise vor allem an Kindern vergangen haben. Die Kirche tut sich wie immer schwer, das Ganze offen und transparent aufzuarbeiten. Der Papst versagt ebenfalls dabei, dieses Thema adäquat anzusprechen und jetzt bemüht der werte Herr Bischof einen Vergleich zur NS-Zeit (in der die Kirche mitunter auch keine rühmliche Rolle spielte) als Abwehrmaßnahme. Was bitte soll das?!!! Kommt als nächstes vielleicht noch irgend einer und sagt, die Vergewaltigungsopfer seien eigentlich selbst Schuld?!

Ich überlege mir langsam ernsthaft, aus der Kirche auszutreten. Und wenn jetzt irgend ein Irrer mit dem Argument „alle sei Gottes Wille“ ankommt, dann …….

So Leute wie Rhainhart sind einfach nur minderintelligent und können nicht viel dafür, dass sie es nicht besser wissen. Aber solche Typen wie der Herr Bischof, die sind meiner Meinung nach gefährlich! Ob Führungskraft im Hause Gottes oder politische Leitwölfe, wenn Leute mit einer gefährlichen Gesinnung Macht haben, dann richten sie Schaden an.

NACHTRAG: Übrigens, wie schlecht die Medien im Großen und Ganzen mit ihrer Berichterstattung  über den „Fall Kachelmann“ abschneiden, beleuchtet Kollege Niggemeier sehr gut und ausführlich in seinem Blog.  Von Neutralität und dem Unterlassen einer Vorverurteilung ist nicht nur in Fällen wie Kachelmann bei den meisten Medien kaum eine Spur zu finden.

Und noch eines zum Schluss: Ich bin Befürworter des Grundsatzes „In dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten). Drücken wir es so aus, jemand ist erst dann schuldig, wenn seine Schuld bewiesen, von einem Richter festgestellt und mit einem Strafmaß gewürdigt wurde. Kachelmann steht unter Verdacht und ist noch nicht überführt und schuldig. Letzteres scheinen aber viele zu denken, wenn ich mir die Berichterstattung und manche Kommentare anschaue. Hat er es getan, gehört er bestraft, hat er es nicht getan, muss er voll rehabilitiert werden. Dass zu entscheiden obliegt der Justiz und nicht den Medien und der Öffentlichkeit.

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