Gastbeitrag von Peter Muth

Peter Muth (Bild: Peter Muth)

Peter Muth (Bild: Peter Muth)

Am Anfang stand die Idee

Nachdem ich die halbe Verwandtschaft bei Feierlichkeiten abgelichtet hatte, sprach es sich irgendwann rum, dass da einer „Fotos macht“ und ich entschloss mich aufgrund steigender Anfragen mein Fotografie-Hobby „offiziell“ zu machen. Sprich: Auch mal eine Rechnung schreiben können – und vielleicht die nächste Kamera als Betriebsausgabe von der Steuer abzusetzen (Yes we can!) haha. Erstmal gab’s eine Menge Fragen an Steuerberater, Finanzamt, Berufsgenossenschaft, Gewerbeamt und nicht zu vergessen – meinen Arbeitgeber. Die erste Erkenntnis: Beamte (so einer bin ich) dürfen zwar eine Nebentätigkeit ausführen, aber nicht selbständig. Man könnte ja daraus schließen, dass ich im Büro nicht ausgelastet bin. Tsss…. Nachdem ich die Kollegen dann überzeugt hatte, dass meine Knipserei nur in „zeitlich geringem Umfang“ stattfindet, hatte ich die Genehmigung nach nur zwei Monaten (!) in der Tasche. In meinem Plan B hätte meine Frau die Firma angemeldet und mich als 400 € – Kraft beschäftigt, das wäre dann wieder einfacher gewesen. Klingt komisch, ist aber so.

Hochzeitsbilder (Bild: Peter Muth)

Hochzeitsbilder (Bild: Peter Muth)

Odysee durch den Behördendschungel

Also begab sich der angehende Unternehmer auf den Weg zur Verbandsgemeinde-Verwaltung, auf dass er sein Gewerbe anmelde. Die Mädels waren nett, in zehn Minuten war ich durch und es hat auch nur 10 Euro gekostet. Jetzt kommt es aber: Ich musste zum Bauamt um dort zu erklären, dass ich die Fotos nur außer Haus schieße. Sonst hätte ich nämlich einen Bauantrag (Nutzungsänderung) stellen, zusätzliche Toiletten für die Models und natürlich Kundenstellplätze auf meinem Grundstück nachweisen müssen! Hallo? Geht’s noch?

Portrait (Bild: Peter Muth)

Portrait (Bild: Peter Muth)

Das „kleine Geschäft“…

Es kommt noch besser: Tatsächlich musste ich auch dem Herrn beim Abwasserwerk erklären, dass ich zukünftig kein gewerbliches Abwasser in die öffentliche Kanalisation einleite. Normales Pipi ist ok, wenn ich aber vorher jemand in meinem Wohnzimmer geknipst habe, kostet’s mehr. Ist ja wie an der Autobahnraststätte: Kleines Geschäft ist billiger als großes Geschäft.

Festival & Event (Bild: Peter Muth)

Festival & Event (Bild: Peter Muth)

Fotografie ist keine Kunst!

Nein, Fotografie ist Handwerk. Ich darf mich sogar Fotograf nennen, auch wenn ich es nicht gelernt habe. Dafür zahle ich als Pflichtmitglied an die Handwerkskammer jährlich 150 Euro Beitrag, egal ob ich täglich 1000 Fotos schieße oder nur einmal im Monat ein Hochzeitspaar mit meiner Dienstleistung „beglücke“. Nicht so schlimm, denn mit der sensationellen Handwerkerzeitung, die einmal im Monat erscheint, lässt sich prima Biomüll einpacken.

Ein Fastnachter fotografiert Fastnacht. (Bild: Peter Muth)

Ein begeisterter und aktiver Fastnachter fotografiert Fastnacht. (Bild: Peter Muth)

Geschafft!

Zum guten Schluss bin ich seit 01. Juli 2009 selbständiger, von der Umsatzsteuer befreiter Kleinunternehmer im Nebenerwerb. Immerhin: wer „muth foto“ googelt, bekommt 347.000 Treffer mit meiner Webseite www.muth-foto.de als ersten Treffer! Ich freue mich über jeden Besuch.

Passend dazu das Zitat von Roman Herzog in seiner Rede 1997:
„Und dieser Bürokratismus trifft … ganz besonders den, der auf die verwegene Idee kommt, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen. Bill Gates fing in einer Garage an und hatte als junger Mann schon ein Weltunternehmen. Manche sagen mit bitterem Spott, dass sein Garagenbetrieb bei uns schon an der Gewerbeaufsicht gescheitert wäre.“

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