Auf Stefan Niggemeiers Blog habe ich abermals einen Beleg für meine Theorie „Die Schnellen fressen die Guten“ gefunden. Im Journalismus gilt ja nicht zuletzt dank des Internet und der beinahen Echtzeitberichterstattung leider die Maxime: „Die Schnellen fressen die Langsamen“, wo mir das Leitbild „Die Guten fressen die Schlechten“ viel lieber wäre.

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)

Doch genau diese Hetze, dieses „Wir müssen damit als erstes raus, egal wie…“, sorgt für Einbußen bei der Qualität. Gründlichkeit und Schnelligkeit sind ein Anachronismus. Deshalb sage ich, dass Geschwindigkeit zu massiven Lasten der Qualität geht.  Deshalb ist die Wahrheit: „Die Schnellen fressen die Guten“! Der von Kollegen Niggemeier geschilderte Fall zeigt genau das. Hier werfen Medien, einem Journalisten die Verletzung der Sorgfaltspflicht vor, die sie selbst beim berichten über den Fall an den Tag legen, wie Niggemeier ausführlich aufdröselt.

Niggemeier schildert den Fall des 25-jährigen Journalisten Sebastian Wieschowski, dem vorgerworfen wird, Zitate erfunden und gefälscht zu haben. Das Ganze wird derzeit noch verhandelt. Das DJV-Magazin Journalist, Meedia und Sputnik berichten darüber und das, wie Niggemeier belegt,  ohne den Betroffenen vorher selbst gehört zu haben. Ausgerechnet der Journalist, der sich gerne als die Moralinstanz der ganzen Branche sieht, missachtet den Grundsatz, einen Betroffenen auch selbst zu einem Vorwurf zu fragen. Niggemeier hat Recht, wenn er diesen Medien vorwirft, dass sie beim Bericht über die Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht eben diese selbst verletzt haben.

Auch der Fall Kachelmann zeigt die Qualitätsmisere im Journalismus

Das Ganze erinnert auch an den aktuellen Fall Jörg Kachelmann. Ich will nicht darüber diskutieren ob er schuldig ist oder nicht. Es fällt nur auf, dass allen voran die Bildzeitung vorab die Arbeit des Richters quasi schon erledigt und Kachelmann öffentlich abgeurteilt hat. Viele andere Medien sind nicht besser. Auch hier werden die Grundsätze der deutsche Pressekodex zu Gunsten des Verkaufserfolges gerne über Bord geworfen. Dort steht:

Ziffer 13  –  Unschuldsvermutung
Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.

Die Bildzeitung aber hat direkt schon mal ausgerechnet, welches Strafmaß Kachelmann erwartet, wenn er verurteilt wird. Es werden Psychologen bemüht, die Kachelmanns „Grinseauftritt“ analysieren. Auch frage ich mich ernsthaft, was auf BILD Online der Satz „Und war es nicht ausgerechnet Jörg Kachelmann, der 1999 durchgesetzt hat, dass die Tiefdruckgebiete (die Regen bringen) nicht mehr nur nach Frauen benannt werden?“ mit dem Fall zu tun haben soll.

Es bleibt das Fazit: Die Geschwindigkeit ist der Feind der Qualität. Belege sehen wir Tag für Tag, die beiden hier angeführten sind nur die Spitze des Eisbergs.

NACHTRAG: Niggemeier ergänzt sein Blog mit aktuellen Infos. Das Medium Magazin macht es richtig und gründlich.

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