26. April 2010

Du sprä Dois – Erlebnisse auf deutschen Autobahnen

Wenn man auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, kann man so Manches erleben. Am Wochenende hat sich meine Erlebnissammlung um eine interessante Begegnung erweitert.

Ich war gestern auf der Heimfahrt (wieder einmal) von Bad-Nenndorf von der DLRG-Bundesschule wo ich einen Lehrgang abgehalten hatte. Auf einem Parkplatz an der A2 machte ich Pause, um mal eben für fünf Minuten meine Augenlieder von innen zu betrachten.

Erlebnisse on the road...
Erlebnisse on the road... (Bild: stock.xchng)

Plötzlich klopft es an die Scheibe meiner Fahrertür und ein irgendwie indisch aussehender Zeitgenosse äugte freundlich lächelnd herein. Ich also die Scheibe runter gemacht, denn ich bin ja gerne bereit, Hilfe zu leisten und es könnte ja sein, dass der klopfende Zeitgenosse eben diese braucht.

Er: „Du sprä’ Dois?“

Ich: „Ja“

Er: „Is nisso gu.“

Ich: „Aha“

Er: „Duw’ll fegglaufa!“

Ich konnte diesem Klangkonstrukt in dem Moment keine Sinn stiftende Bedeutung zuordnen. Also legte ich meine Stirn sogleich in angemessene Falten und antwortete:

Ich: „Äh was?!“

Er (betont): „Du woll Feggla gaufa?“

Und in dem Moment hielt er eine Art Plastikfutteral vor meine Nase, in dem sich ein Fernglas befand. Da begriff ich, dass der Typ, der da neben meinem Auto stand, weniger eine Frage hatte oder Hilfe brauchte. Der hatte die Absicht, mit mir – in der Hoffnung, ich würde eben dieses Fernglas käuflich hier und jetzt erwerben – ein Verkaufsgespräch zu führen.

Wie es der Zufall so wollte, tendierte mein Interesse am Erwerb von Ferngläsern an diesem Tage ausnahmsweise gegen Null. Sonst kaufe ich ja jeden Tag auf Autobahnraststätten dutzende Ferngläser, aber dieses mal eben nicht. Also:

Ich: „Nein Danke!“

Daraufhin kauderwelschte er unbeirrt drauf los, zog, das „Feggla“ aus der Tasche und die gutturalen Laute, die er durch die noch offene Scheibe in mein Auto ergoss, sollten wohl die Vorzüge des Fernglases darstellen oder vielleicht auch den vermutlich sensationell günstigen Preis loben.

Ich: „Nein!“

Fenster hoch, Motor an und weitergefahren. Im Rückspiegel sah ich dann noch, wie das sich mühsam vom Verkauf von „Fegglas“ ernährende semi-indische Eichhörnchen anschickte, an die nächste Autoscheibe zu klopfen.

Nachbetrachtung

Ich frage mich ja, ob das Geschäftsmodell, Ferngläser auf deutschen Autobahnparkplätzen an den Mann zu bringen, irgendwelche Erfolgsaussichten hat. So etwa kann kein einträgliches Unterfangen sein.

Ich war ja geneigt, dem geschäftstüchtigen Inder – so er denn ein solcher war – eines meiner eBay Bücher zu empfehlen, damit er auf diesem weltweiten Marktplatz sein Glück versuchen möge. Doch wenn er so gut Deutsch lesen, wie sprechen kann, dann vielleicht doch besser „Marktplatz Parkplatz“ …

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