Ist das der König aller Wort-Wichser?

Ich glaube ich habe ihn gefunden! Den Großmeister der Verbalverzwirbelei par exellence, den Leser-Folterknecht schlecht hin. Sprich, den König aller Wort-Wichser. Schon die ersten drei Sätze beschwören unheilvoll herauf, was auf den Leser dieses FAZnet-Artikels „Auf der Innenseite der Oberfläche“ lauert:

Zwischen dem hörigen Herrn und seinen smart phonenden Sklaven, zwischen Benutzer und maschinellem Knecht breitet sich die Bedienungsoberfläche aus. Sie deckt das völlig Unmenschliche unserer Prothesen zu, und nicht nur der digitalen. Sei es nun harte oder weiche Ware – Bedienungsoberflächen kleiden längst auch Haushaltsgerät oder bohrendes Werkzeug in die Gewänder von Drop-Down-Menüs.


Und in eben diesem Stil geht es weiter. Der Autor ergötzt sich in Äußerungen wie:

Die Schöpfer des Geräts lieben ihren Sendeempfänger wie eine Mutter ihr behindertes Kind.

Oder

An dieser Stelle betreten die Autoren von Bedienungsanleitungen den Kampfplatz. Sie verfassen das, was – stilistisch betrachtet – nicht selten eine Schnittmenge ist von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und einem Reiseführer, der mit Sätzen wie „Die Suppe ist lauwarm“ in irgendeiner Sprache weiterzuhelfen versucht, die außer heiß, kalt und angenehm warm keine Temperaturbegriffe kennt.

Ok, besagter Autor lässt sich über das Elend aus, das wir in Bedienungsanleitungen all zu oft lesen müssen und ich bilde mir zumindest ein, die Absicht einer Glosse zu erkennen. Doch scheint er sich bei seinem Artikel fest vorgenommen zu haben, die Unverstehbarkeit von Bedienungsanleitungen nicht nur aufs Korn zu nehmen, sondern selbst auf die Spitze zu treiben. Wie sonst kann so jemand straffrei mit Sätzen davon kommen, wie:

Analphabetisch piktorial wird auch ad usum eines Kapuzineräffchens verdeutlicht, wie der Akku und die Sim-Karte ins neue Smartphone zu praktizieren sind.

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