24. Mai 2012

Amoklauf Memmingen – Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!!

Was in Memmingen passiert ist, ist schlimm. Dass es „gut“ ausgegangen ist – also keine Menschen getötet oder verletzt wurden – ist gut. Aber prompt lese ich dazu heute Morgen auf Facebook:

„Bayern 2 fragt: Muss man das Waffenrecht verschärfen nach dem Memminger Amok-Alarm? – Nö, verbietet doch ein paar Computerspiele, ihr Affen!“

Ich kann diese gequirlte Grütze Scheiße echt nicht mehr hören! Diese strunz dummen Schublade-auf-Schublade-zu-Forderungen. Einfach alle Gewalt-haltigen Computerspiele verbieten und schon wird alles gut?! Stammtischparolen von Deppen, die von Themen ganz wenig Ahnung haben, aber trotzdem ganz viel dazu sagen, bevor sie sich das nächste Bier in den Hals schütten! Das gleiche gilt für die Knallköppe, die jetzt wieder fordern, dass man privaten Waffenbesitz komplett verbieten und natürlich sofort alle Sportschützenvereine platt machen sollte. Genau die gleiche scheuklappige Denkweise. Irgendwas irgendwie verbieten, das wird schon helfen. Hier gilt der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das wollen diese Stammtischpragmatiker ja nicht.

Aber nicht nur an Stammtischen hören wir diese Parolen. Nein, denn jetzt treten natürlich auch wieder die Politiker auf den Plan. Beispiel: „Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen“, sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth am Mittwoch in Berlin. (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3067281) Und laut Welt kann die gute Grüne Rot noch markigere Sprüche raushauen: „Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen.“ (http://www.welt.de/newsticker/news3/article106368978/Memminger-Schuetze-knackte-Waffentresor-des-Vaters.html)

Nicht nur Claudia Roth nutzt solche Ereignisse wie in Memmingen, um sich mal wieder in Populismus und Populismen zu suhlen. Mit solchen Sprüchen kommt man ja auch direkt in die Presse und kann wieder Popularitäts-Bonuspunkte einkassieren. Wieder wird die Forderung laut: „Wenn Mitglieder von Schützenvereinen zur Ausübung ihres Sports schon Waffen benötigen, dann müssen die Waffen nebst Munition zentral in den Vereinsräumen sicher verschlossen und bewacht werden.“ (Grünenpolitiker Ströbele in der Süddeutschen).“ Experten unter anderem von der Gewerkschaft der Polizei warnen, dass dadurch riesige Waffenarsenale und Munitionsdepots entstehen. Die seien dann auch oft leicht auszunehmen, weil Schützenheime oft außerhalb liegen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber die Politiker werden nicht müde, wie die Parolenschreier an den Stammtischen, sich mit markigen Sprächen vor Kameras zu stellen. Hier gilt abermals der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das können diese Politiker ja nicht.

Und wieder wird bei der Schuldfrage ganz fix nach schwarzen Schafen gesucht. Neben den Universalschuldigen Computerspiele und öffentlicher Waffenbesitz, schnell noch den Vater…. Obwohl. So ein Mist, der hat doch diesmal tatsächlich alles richtig gemacht und die Waffen, wie es das – jaja viel zu lasche – Waffengesetz fordert, korrekt weggesperrt. Nur war der Junge fähig, das Schloss zu knacken. Gut, also einfach wieder das Waffengesetz verschärfen, anstatt mal gründlich nach den Ursachen für solche psychischen Ausnahmezustände bei Jugendlichen zu suchen – ja ich rede von den jungen Menschen, die da durchdrehen und Amok laufen. Bloß das Thema nicht gründlich aufarbeiten sondern schnell-schnell banale Pseudopatentrezepte aus dem Hut zaubern. Hier gilt erneut der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das will unsere Gesellschaft ja nicht. Lieber die einfache und bequeme Lösung, statt der Suche nach unbequemen Wahrheiten und eine ganzheitliche Betrachtung des Problems.

Nicht nur die Stammtischpragmatiker und Politpropagandisten drücken sich bei diesem Thema um die unbequemen Fragen. Also stellen wir diese doch mal an dieser Stelle!

Leitfrage: Was treibt einen jungen Menschen so weit, dass er derart ausrastet und zu solchen Taten fähig wird?

1. Sind es gewaltverherrlichende Computerspiele und TV-Sendungen oder Filme?

Wenn es die alleine wären, würden über all zigtausend schwerst bewaffnete Kindern und Jugendliche durch die Gegend meucheln!

2. Warum kümmert sich niemand um Jugendliche, die anderen mobben, quälen, „abziehen“, ausgrenzen und fertig machen?

Ach ja. Da müssten Schulen, soziales Umfeld und Gesellschaft ja genauer hinsehen, sich einmischen, handeln.

3. Warum hilft niemand überforderten Eltern, die Kinder vor dem Fernseher parken, weil beispielsweise beide Elternteile arbeiten müssen, um die Familie überhaupt über Wasser halten zu können.

4. Warum weisen alle an der Entwicklung eines jungen Menschen beteiligten, die Schuld immer anderen zu?

Na die Schulen sind doch schuld, äh nein die Eltern, äh nein die Medien, äh nein das soziale Umfeld, äh nein die Gesellschaft, äh nein die Kirche, äh nein die Politik, äh nein die Schulen, äh nein die Eltern ….

5. Warum gibt es kaum Hilfe für überforderte Eltern, die vielleicht ihr Kind vor der Glotze parken, weil beide arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann.

Die sollen halt kommen und fragen, wenn sie Hilfe brauchen. Das Leben ist kein Ponyhof!

6. Warum lebt unsere Gesellschaft jungen Menschen immer wieder live und auch in den Medien vor, das man mit Ellenbogeneinsatz, Rücksichtslosigkeit und zur Not Brutalität prima ans Ziel kommt und erfolgreich ist?

Tja, so ist halt das Leben, was will man machen. Und die Medien, ja die halten der Gesellschaft ja nur den Spiegel vor.

6. Warum lernen Kinder und Jugendliche beispielsweise von Spitzenpolitikern, dass Fehler und Verfehlungen keine echten Konsequenzen haben?

Das Guttenberg sich seine Doktorabreit erschummelt hat, sich dann mal eine Weile nach USA absetzt, dann ein Buch dazu schreibt und seine nicht mehr gegelte Frisur in eine Talkshow hält, ist ja wohl nicht so dramatisch. Ja und das mit dem Wulff, das war ja eine Kampagne der Bild-Zeitung.

Ich könnte diesen Fragenkatalog weiter treiben. Aber ich will zum Fazit kommen. Das solche Dinge wie in Memmingen passieren, liegt am Zusammenspiel vieler Faktoren, Wirkungen und Probleme. Nur sind alle beteiligten zu feige, zu bequem und zu ignorant, sich zusammen an einen Tisch zu setzen und das Problem gesamtheitlich in Angriff zu nehmen. Nein, viel bequemer sind die Stammtischparolen und das Eigen-PR-Getrommel der Politiker.

 

Und für alle, die sich jetzt über den Text aufregen wollen. Euch sei gesagt, das in diesem Blog der Blick auf die Welt oft ein satirischer ist!

4 Comments

  • Danke für den Hinweis am Ende dass es sich hier um Satire handelt. Ich hatte beim lesen schon ernstlich befürchtet, dass wäre so gemeint wie es da geschrieben steht 😉

    Der Ton und die Argumentationsstruktur eines Stammtisches ist übrigens, besonders in der ersten Hälfte des Textes, trefflich persifliert. Mainen Respekt !

  • Hm, das habe ich schon vermutet. Gerade die fett hervorgehobenen Textstellen klingen in meinen Ohren aber nach genau dem Stammtischniveau das im selben Kontext anderen unterstellt wird. Das macht es zumindest mir schwer mich mit den durchaus vorhandenen Argumenten auseinanderzusetzen..

    Nix für ungut, aber ich kann das nicht ernst nehmen.

  • Einer der besten Texte die ich bislang über das Thema gelesen habe.

    Bitte nicht einfach die Fresse halten Autor – sondern am besten politisch aktiv werden.

    Ich bin hocherfreut das es in diesem Land tatsächlich noch Leute gibt die mal nachdenken.

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