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Ach, was gehts mir gut … darf man das sagen … während Corona?

Ich habe heute Spätdienst, eigentlich „Mitteldienst“. Ich fange also um 12 Uhr an zu arbeiten. Im Homeoffice. Wegen Corona. Der Weg bis zum Arbeitsplatz tendiert also gegen Null.

Ich habe zunächst, wie so oft in den letzten Tagen und Wochen, ausgeschlafen. Das auch, weil ich gestern den späten Spätdienst hatte und nachts noch lange wach war. Und dann habe ich heute so gegen 10:30 Uhr auf meiner kleinen Terrasse gefrühstückt. In aller Ruhe. Ganz gemütlich. In Jogginghose. Mit Pantoffeln an den Füßen. Und dann habe ich mir noch eine weitere Tasse Kaffee gekocht und noch ein knappes Stündchen ein Buch gelesen, während ein leichter Wind die Äste und Blätter des Wallnussbaumes in meinem Garten durchgewuschelt hat.

Und dabei ging mir bei einem Schluck des richtig guten Kaffees ein wohliger Gedanke durch den Kopf. Mehrmals:

„Ach, was gehts mit gut!“

Und daran schloss sich bald ein weiterer und irgendwie komischer Gedanke an:

Darf man das überhaupt sagen, dass es einem gut geht, jetzt in Zeiten von Corona?

Und? Darf man? Jetzt in Zeiten der Corona-Einschränkungen und Kontaktverbote? Jetzt in Zeiten, in denen manche Unternehmen um ihre Existenz bangen oder diese gerade verlieren? Jetzt, wo wir mit den angeblich ach so schlimmen Mund-Nase-Masken einkaufen oder ins Restaurant gehen müssen? Jetzt, wo sich die eklatante Unfähigkeit von Donald Trump in Toten zählen lässt? Jetzt wo Menschen demonstrieren, weil angeblich unsere Grundrechte abgeschafft werden?

Darf man in solchen Zeiten sagen „Mir geht es gut. Richtig gut.“ Oder muss man „solidarisch jammern“? Muss man sozusagen aus irgend einem breiig-matschigen Mitgefühlspflichtbewusstseinsdingsbumsgedöns heraus in den Chor der Pessimisten einstimmen und derzeit alles schlecht und schei*e finden, über die Politik schimpfen oderdem derzeit arg gescholtenen Bill Gates irgendwelcher obskuren Missetaten und Machenschaften bezichtigen? Also nochmal: Darf man das überhaupt sagen, dass es einem gut geht, jetzt in Zeiten von Corona?

Gutes Wetter, guter Kaffee, gutes Buch – einfach herrlich.

Ja! Ich darf! Und Du auch!

Ja! Man darf! Ich darf! Du darfst! Jeder darf! Betrachten wir es zunächst faktisch und zwar erst einmal auf mich bezogen. Mir geht es tatsächlich gut. Ich bin gesund. Ich arbeite. Ich bin gut gelaunt und fühle mich wohl. Ich genieße durch das Homeoffice das Unhektische des „nicht-zur-Arbeit-fahren-müssens-um-zur-Arbeit-zu-kommen“. Den Menschen in meinem Umfeld geht es allen gut, alle sind gesund. Mir geht es also tatsächlich gut. Und ich muss nicht in anderer Leute Schuhen laufen, sondern nur in meinen. Und deshalb darf ich auch und gerade in Zeiten von Corona sagen:

„Ach, was gehts mit gut!“

Und wenn Du eine ähnliche Bilanz für Dich ziehen kannst, dann darfst Du auch sagen, wie es Dir geht und das es Dir gut geht. Die Deutschen neigen ja leider mitunter zum solidarischen Jammern oder zumindest dazu, das eigene Wohlbefinden zu verschweigen, wenn es anderen eventuell weniger gut oder vielleicht sogar schlecht geht. Keine Ahnung, warum wir dazu eigen, das eigene emotionale Licht sozusagen pietätsgetrieben unter den Scheffel zu stellen.

Vom faktischen zum fucktischen

So, nach dem faktischen kommen wir noch kurz zum „fucktischen“. Ok, 5 Euro in die Wortspielkasse. Wenn ich so lese, was manche im Zusammenhang mit Corona und den aktuellen Konsequenzen aus der Pandemie auf Facebook schreiben und kommentieren – ich darf das auch beruflich lesen und vor allem moderieren – dann kommt einem machmal schon irgendwie der englische Ausspruch „f*ck you“ in den Sinn. Ich sollte vielleicht einen Handel für Aluhüte aufmachen, könnte sich aktuell echt lohnen. Was so mancher Zeitgenosse da für hochgradigen Stuss von sich gibt, ist auf eine gruselige Art faszinierend und abschreckend zugleich. Ein paar WENIGE Kost(tz)probe gefällig? Bitteschön:

„Unter den Mund-Nase-Masken sammelt sich CO2 und man kann ersticken!“

Erstaunlich, dass Chirurgen, Krankenschwestern und Mitarbeiter anderer „maskenpflichtiger“ Berufe, die solche Masken oft für Stunden tragen, nicht massenweise tot umfallen.

„Diese Mundschutzmasken sind ein Maulkorb und sollen die freie Meinungsäußerung der Menschen unterdrücken.“

Keine Ahnung, was sich dieser Kommentator ins Gesicht geschraubt hat, aber ich kann mit meiner Maske – von einer Tante liebevoll selbst genäht – immer noch völlig frei und ungehindert reden und außerdem auch atmen.

„Sofort alle Beschränkungen komplett abschaffen und wieder alles normalisieren. Wir brauchen die Herdenimmunität.“

Würden wir dieses Thema fachlich vertiefen, bräuchten wir mehr Zeit und Text. Nur soviel. Bis tatsächlich eine Herdenimmunität hergestellt wäre, würden Jahre vergehen und zigtausende wegen Corona sterben, die länger leben könnten. Als Beweis mag die USA oder Brasilien dienen. Und die NYT hat dazu einen lesenswerten Artikel online.

„Bill und Melida Gates sind Zyonisten, die die Überbevölkerung der Welt mit Zwangsimpfungen und Sterilisationen reduzieren wollen.“

„Bill Gates hat die WHO gekauft und will den Menschen mit Zwangsimpfungen Chips einpflanzen und sie kontrollieren.“

Ich befürchte, auch ein Aluhut hätte bei diesen Kommentatoren wohl Schlimmeres nicht mehr verhindern können. Und wenn man solche Freaks dann tatsächlich mal konkret fragt „Warum will Bill Gates das?“, kommt: „Dann google mal, dann wirst Du das finden!“ Hab ich. Man findet nichts außer eben Verschwörungsschwurbelkram! Die Tatsache, dass es keine faktischen Beweise für diese Behauptungen gibt, wird mit „Das wird alles von der Politik und den Medien unterdrückt, damit es niemand mitbekommt!“ begründet. Gibt es indes faktische Gegenbeweise für deren krude Thesen, dann „sind das Lügen der Medien (oder von wem auch immer), um von der Wahrheit abzulenken, damit es niemand mitbekommt!“

In Zeiten wie diesen könnte der Vertrieb von Aluhüten eine lohnende Sache sein.

Das ist ja gerade bei diesen Verschwörungstheoretikern das Tolle, dass die sich immer um „intersubjektiv nachvollziehbare Belege“ dieser Behauptungen herum reden. Mal vorne rum, mal hinten rum. Viel behaupten, nichts belegen. Zu Bill Gates wird im Allgemeinen seit Corona extrem viel extrem aller höchstgradig Beklopptes kommentiert. Was der so alles will! Warum sollte er „die Weltwirtschaft vollkommen zertstören“ wollen? Was um alles in der Welt hätte Billyboy davon?

Von den ganz massiv verstrahlten Gestalten wie Attila Hildirgendwas, Xavier Naiirgendwer oder Ken Jebwasweißichwer und deren ganz besonders hochgradigem Schwachsinn, den die in die Welt des Internet erbrechen, wollen wir jetzt hier mal nicht anfangen. Wir wollen heute ja auch irgendwann mal zu Potte kommen.

Was all diesen Fatalismus- und Verschwörungstheorie-getriebenen Kommentatoren aber auch den völlig abstrusen Hirnfürzen dieser Hild-Naid-Jeb’s gemeinsam ist, ist ja folgende These für Deutschland und wohl auch den Rest der Welt: Alles geht aber sowas von den Bach runter. Wir werden alle ganz fürchterlich unterdrückt, verarscht, ausgebeutet, für Dumm verkauft, unserer Grundrechte beraubt, von Diktaturen regiert, von den Medien manipuliert, heimlich von Reptiloiden kontrolliert und so weiter und so fort. Und? Werden wir?

NEIN WERDEN WIR NICHT! WIRKLICH NICHT!

Ganz ersthaft: All das, was diese verwirrten oder von AfD & Ganzrechtsaußen oder anderen wie auch immer getriebenen Kräften verwirrten und verführten Menschen da behaupten, ist hahnebüchener Unsinn.

Uns allen geht es summa summarum nach wie vor und immer noch echt richtig gut. Auch und gerade jetzt in Zeiten von Corona behaupte ich genau das! Man muss nur in andere Länder schauen, nehmen wir nur die USA oder Brasilien als Beispiele, wo Corona schlimme Verheerungen anrichtet, weil die dortige politische Führung nichts auf die Reihe kriegt. Das, weil sie es nicht kann oder viel eher nicht will.

Deutschland ist, was den Umgang mit der Corona-Krise betrifft, in der Tat mustergültig und ein weltweites Vorbild. Wir und die Politik in diesem Land haben die Lage in den gegebenen Umständen wirklich gut im Griff. Ich sage nicht, dass man nicht etwas besser machen könnte. Aber man könnte problemlos vieles schlechter machen. Viel schlechter. Und das genau das nicht geschieht, ist uns allen, von der Politik in Berlin und den Ländern, bis hin zu jedem einzelnen Bürger – zumindest den vernunftbegabten – zu verdanken. Wir machen das gut und – nochmal – es geht uns gut.

Auf was man durch so einen einfachen Gedanken beim vormittäglichen Frühstück alles kommen kann ….

Die Merkel muss weg …

Angela Merkel (Foto: Armin Linnartz Quelle: Wikipedia)
Angela Merkel (Foto: Armin Linnartz Quelle: Wikipedia)

Gestern Abend in einer Diskussion zum derzeitigen Thema Nummer 1 – Flüchtlinge – sagte jemand mit der Inbrunst der Überzeugung:

„Aber die Merkel die muss weg. Also auf jeden Fall muss die weg!“

Ja! Ganz genau. Die muss weg, die Merkel und die Regierung am besten gleich mit. Weil bei uns im Land ist ja alles echt voll Schei*e und alles geht sowas von den Bach runter. Uns geht es ja allen so dermaßen schlecht! Und an allem ist die natürlich die Merkel und die Regierung schuld. (Müsste ich hier wirklich die „Ironie-Tags“ <ironie> … </ironie> setzen?)

Das Bruttoinnlandsprodukt steigt. Es steitg seit Jahren. Seit VIELEN Jahren. Aber trotzdem, die Merkel, die muss weg. Weil bei uns im Land geht es ja bergab.

Die Arbeitslosenzahlen sinken und sind so niedrig wie das letzte mal vor mehr als 20 Jahren. Im Jahr 2005 lag die Arbeitslosenquote bei 11,7 Prozent. Derzeit liegt sie bei 6,5 Prozent. Aber trotzdem, die Merkel muss weg, weil bei uns ist ja alles ganz schlecht und schlimm.

Statistik: Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahresdurchschnitt von 1995 bis 2015 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Deutschland ist Exportweltmeister gerade auch im Bereich der Hochtechnologie und hat sogar die USA bei den Einnahmen in dieser Sparte hinter sich gelassen – zugegeben, weil es in den USA da auch satt bergab ging. Aber trotzdem, die Merkel muss weg, weil bei uns ist ja alles echt so unglaublich scheiße.

Bei den Sozialschutzleistungen (Rente, Krankenversicherung etc.) ist Deutschland eines der besten und leistungsstärksten Länder in Europa. Die Bürger in diesem Land sind optimal abgesichert, egal ob es um Gesundheit oder Arbeitslosigkeit geht. Aber was soll’s, die Merkel muss halt einfach weg.

Sozialschutzleistungen

Dieses Parolengeschrei „Die Merkel muss weg“ ist ja wahrlich nichts neues. Als Kohl dran war, musste der „Dicke“ weg. Als Schröder dran war, musste natürlich auch der weg. Es gibt Leute, die immer „muss weg“ schreien und immer denken, alles bei uns ist schlecht, schlimm, scheiße und so weiter. AfD und Pegida und ähnliche rechte Randwichtel heizen diese Stimmung derzeit massiv an um in diesem Meinungsklima Sympathisanten und Wählerstimmen abzufischen. Strunzdummer Hass schlägt den Medien entgegen, die den Hetzern nicht nach dem Mund reden, sondern über die Tatsachen berichten, die die Hetze widerlegen.

Und derzeit wird das Thema Flüchtlinge dafür so dermaßen demagogisch instrumentalisiert, das man das KALTE KOTZEN kriegt. Schaut man sich die Reden von Björn Höcke an, dann ist das pure rechte Hetze. Selbst der AfD-Parteispitze wird es mit dem zu mumlig. Noch. Wir haben in diesem Land kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen – nein wir haben ein Nazi-Problem! Aus den verbalen Brandbomben von AfD, Pegida und Co werden reale Brandsätze, die auf Flüchtlingsheime fliegen. Es entsteht ein rechter Terrorismus, der in dem Attentat auf die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker einen wohl leider nur vorläufigen Höhepunkt erreicht hat.

Wer ohne nachzudenken „Die Merkel muss weg“ schreit, der geht den rechten Hetzern auf den Leim, denn die liefern die angeblichen Argumente, die dann dazu führen, dass Leute Merkel und Gabriel an den Galgen wünschen. Fragt man nach konkreten Argumenten, Gründen oder Beweisen, hört man entweder „Das weiß man doch“ oder „Das habe ich gelesen“. Und manchmal werden obskure Quellen genannt die bei einer Prüfung keinem Schuss Pulver stand halten. Aber mitschreien ist eben einfacher, als nachdenken oder sich mal umfassend zu informieren.

Im Mittelmeer ertranken 400 Flüchtlinge … nächste Meldung

 – oder: Sollte der gewaltsame Tod nicht immer gleich schlimm sein?!

Am 24. März stürzte ein Airbus der Lufthansa-Tochter German Wings in den französischen Alpen ab und alle an Bord starben. Sofort schwoll die mediale Berichterstattung gewaltigst an. Liveticker noch und nöcher. Sondersendungen. Regulären Programm wurde unterbrochen. Alle möglichen und unmöglichen Experten wurden vor Kameras gezerrt. Die Schule in Haltern, die 16 Opfer zu beklagen hat, wurde von unzähligen Reporterteams belagert. Medialer Ausnahmezustand! Tagelang! Gesteigert durch die grausame Erkenntnis, dass der Copilot diesen Absturz absichtlich herbei geführt hat. Die Berichterstattung ist zwar etwas abgeebt, aber noch immer deutlich präsent.

Heute morgen hörte ich im Radio auf der Fahrt zur Arbeit eine routiniert abgespulte Nachrichtenmeldung. Im Mittelmeer ist ein Schiff mit Flüchtlingen gekentert. Es wird mit 400 Toten gerechnet. Nächste Meldung.

400 Menschen sind tot! Liveticker? NEIN. Sondersendungen? NEIN. Reguläres Programm unterbrochen? NEIN. Experteninterviews? NEIN. Die Meldung wurde verlesen und weiter ging’s im Programm.

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Symbolbild: stock:xchng

Ich will die Tragödie mit dem Absturz der German Wings-Maschine keinesfalls klein reden oder abwerten. Aber da sind in der vergangenen Nacht 400 Menschen ums Leben gekommen und es ist nur eine beiläufige Meldung. Ist deren Tod weniger Wert oder weniger schlimm, als der Tod der 150 Menschen in dem Flugzeug? Zudem ist der Tod der Flüchtlinge im Mittelmeer kein einmaliges Ereignis. Seit Jahren sterben immer wieder Menschen auf den Booten, die sie nach Europa bringen sollen. Es sterben Männer, Frauen und Kinder. Wieviele sind es mittlerweile? Hunderte? Wohl eher tausende! Sollte uns dieses andauernde Sterben nicht mindestens genau so erschüttern, wie das Schicksal der Passagiere von Flugnummer 4U9525?!

Der Tod der Menschen im A320 der German Wings war entsetzlich. Aber ist der wiederholte und vor allem massenhafte Tod im Mittelmeer einfach nur noch „Alltag“? Stumpfen wir immer mehr ab, wenn es um das Schicksal von Menschen geht, die nicht direkt zu unserem Lebensumfeld gehören? Wenn es nicht Menschen aus Deutschland sondern „nur“ aus Afrika sind? Wenn es keine Menschen unseres Sozialgefüges sind, sondern Menschen „nur“ aus der dritten Welt? Sind wir als Gesellschaft wirklich so kalt, herzlos, so kaputt? Ich befürchte ja.

Servicewüste Deutschland!

Ich war eben gerade noch bei der Rewe in Oppenheim um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Mit mir betrat auch ein Mann zusammen mit seinem Sohn den Laden. Der Junge war vielleicht geschätzt acht Jahre alt. Und während der Papa Einkäufe in den Einkaufswagen lud, war dem Jungen wohl langweilig. Also begann er durch die Gänge des Ladens zu hüpfen und zu tänzeln. Er verschwand in einem Gang und kam aus einem anderen wieder hevor gedüst.

Wuummmmmsss

Und dann passierte es! Er hatte gerade eine kleine Pirouette gedreht und ging rückwärts als er gegen einen Sonderverkaufsständer stieß. Das war so ein Pappaufsteller voll geladen mit Packungen von verschiedenen Teesorten. Der stand da an der Ecke zweier Gänge – bestens zum umrennen geeignet. Nicht umsonst nennt man so etwas in der Fachsprache auch „Kundenstopper“. Es kam was kommen musste! Das Ding fiel laut krachend um und Dutzende Teepackungen verteilte sich über bestimmt zwei Meter Fläche auf den Boden.

Dem Jungen stand das blanke Entsetzen in den Augen und er begann weg zu rennen. Zu spät! Eine Mitarbeiterin des Ladens hatte das Ganze beobachtet und rief: „HEY!“ Das arme Kind blieb wie angewurzelt stehen. Fast so, als hätte jemand auf ihn geschossen und die Kugel hätte ihn voll getroffen.

Und dann sagte die Mitarbeiterin lachend: „Du brauchst doch nicht weg zu rennen. Es ist doch gar nichts passiert. Das kann doch mal vorkommen.“ Und ihr freundliches und ehrliches Lächeln ließ den panischen Gesichtsausdruck des Jungen verschwinden und er beruhigte sich.

Und während die junge Frau den Aufsteller hin stellte und die verschütteten Teepackungen wieder einräumte, plauderte sie noch ein wenig mit dem Jungen, der ihr die Packungen anreichte.

Könnten wir also bitte mal aufhören, dauernd von der „Servicewüste Deutschland“ zu reden!

Und hier die Audio-Version für Lesemuffel.

Doch! Auch Männer freuen sich über …

Rose
Unverhofft kommt oft, schenkt mir doch jemand einfach so eine Rose.

… Blumen! Letzten Dienstag ist mir doch unverhofft etwas wirklich nettes passiert. Jemand hat mir einfach so eine rote Rose geschenkt. Nein, nicht das, was die übliche Symbolik dieser Blume vermuten lässt. Ich stand einfach nur um 22 Uhr – also zu Kassenschluss – an der Kasse im Rewe-Markt in Oppenheim und einer der Mitarbeiter hat mir und drei weiteren (zufällig auch männlichen) Kunden jeweils eine rote Rose geschenkt.

Die waren „nur“ noch zu 98 Prozent frisch und damit vermutlich nicht mehr verkaufbar. Meine hatte ein einziges „angebräuntes Blatt“ und war ansonsten absolut einwandfrei (Siehe Bilder 1 & 2). Er hatte die Wahl zwischen verschenken oder wegschmeißen. Er hat sich entschieden, sie zu verschenken und anderen Menschen damit eine kleine Freude zu bereiten. Ich habe mich echt und ehrlich darüber gefreut. Und die Rose hat es immerhin bis Sonntagabend in ansehnlichem Zustand durchgehalten.

Rose
Immerhin fünf Tage hat mir die Rose Freude bereitet.

Dieser nette Zufall von letzter Woche erinnerte mich an ein Ereignis, das ein Weilchen zurück liegt. Wir haben von unserem Chor aus ein Weihnachtskonzert in der katholischen Kirche in Oppenheim gegeben. Das Konzert wurde durch Solos und auch weihnachtliche Lesungen ergänzt und auch ich habe eine schöne kleine Geschichte vorgetragen. Am Ende des Konzertes haben alle Solisten und „Vorleser“ einen schönen Blumenstrauß als Dankeschön bekommen. Einen richtig schönen und weihnachtlichen Strauß sogar mit einer leuchtend roten Weihnachtskugel darin eingebunden.

Kurz nachdem ich meinen Strauß bekommen hatte, bekam ich von einer Sangesschwester folgendes zu hören: „Wenn’sch den ned magsch, kannsch’n ja einer der annere Frauen schenken.“ Weil ich etwas konsterniert geschaut habe, kam als Ergänzung: „Hädsch doch sicher lieber ’ne Flasche Wein oder ’n Schnaps gehabt.“

Und da war es mal wieder! Ein typisches Klischee, das Frauen über Männer haben und mit Wonne hegen und pflegen. Ach was ein Klischee, eher zwei Klischees!

  • Das erste: Männer freuen sich demnach nicht über Blumen und können mit einem Blumenstrauß nichts anfangen.
  • Das zweite: Schenke Männern Alkohol und Du machst nie einen Fehler.

Rose
Ich habe mir heute mal selbst ein paar Rosen geschenkt, die jetzt meine Wohnung schmücken.

Woher kommt diese Überzeugung vieler Frauen, das Männer sich nicht über Blumen freuen können. Woher kommt grundsätzlich – also bei Frauen UND Männern – die Überzeugung, das hochprozentige Geschenke immer am besten sind?! Weshalb glauben so viele, dass Männer bei einem Geschenk entweder „Och Mann, kein Alkohol“ oder aber „Jawoll! Alkohol!“ denken? Warum glauben viele, dass Männer bei Geschenken auf keinen Fall denken „Och wie nett, das XYZ an mich gedacht und mir Blumen geschenkt hat.“

Sorry, aber das ist Blödsinn! Abgesehen davon, dass ich z.B. eine Frau kenne, die sich über einen mit Bedacht und Sorgfalt ausgewählten Single-Malt-Whisky sehr freut und eine andere, die liebend gerne im Baumarkt stöbert, folgendes:

Auch ich freue mich über schöne Blumen. Noch viel mehr freue ich mich darüber, dass jemand mit einem solchen Geschenk zeigt, dass er oder sie an mich gedacht hat und mir mit etwas so schönem eine Freude machen will. Und ich bin mir sicher, bei vielen anderen Männern ist es ähnlich.

Ich war heute Abend noch Diverses einkaufen. Und diesmal habe ich mich selbst mit ein paar wunderschönen Rosen beschenkt. Und damit dieser Blogbeitrag nicht zu sehr ins Lamentieren und Moralisieren driftet, gebe ich offen zu: Neben den tollen orangen Rosen habe ich mir heute auch seit längerem mal wieder einen sehr leckeren Single-Malt-Whisky gegönnt!

😉

Update: Danke @ Nina fürs verlinken in Typisch Mann? Typisch Frau?

Teile ein bisschen Liebe

Über einen Facebook-Post von Nina Deißler habe ich ein schönes Video gefunden. Es handelt davon, ein bisschen Liebe mit anderen zu teilen und dafür auch ebenso Liebe zurück zu bekommen. Es geht dabei vor allem um Nächstenliebe. Hier erst einmal das Video:

Und jetzt seid Ihr dran. Macht was daraus! Teilt ein wenig Liebe und Zuneigung. Rennt nicht mit Scheuklappen durch die Gegend, sondern schaut Euch um, wo ihr eine helfende Hand reichen oder einfach mal nett sein könnt.Es müssen keine großen Taten sein. Auch kleine Gesten wirken wunder. Gestern, am 24. Dezember habe ich gearbeitet. Auf dem Weg nach Darmstadt zur Firma habe ich im Supermarkt eine Tüte Lebkuchenherzen gekauft. Und als ich mich beim Pförtner in die Wochenenddienstliste eingetragen habe, hab ich ihm diese Tüte auf seinen Tisch gestellt und ihm frohe Weihnachten gewünscht. Er sitzt dort am Empfang mindestens acht Stunden, schaut gerade an Feiertagen auf einen leeren Platz vor dem Gebäude und auf einige Überwachungsmonitore. Ein eher öder und freudloser Job. Er hat sich sehr gefreut und mir ein Lächeln geschenkt. Gibt es an Heiligabend etwas schöneres als ein herzliches Lächeln?!

Man kann jemandem, der schwer bepackt ist, die Tür aufhalten. Man lässt im dichten Verkehr jemanden einfach aus der Parklücke fahren, anstatt vorbei zu rauschen. Man grüßt einfach mal und fragt, wie es geht, statt vor sich auf den Boden zu starren. Beispiele gibt es viele. Es ist so einfach und viele dieser kleinen einfachen Dinge verändern die Welt. Nicht auf einen Schlag, aber Stückchen für Stückchen. Und wenn Du auf diese Art und Weise mit offeneren Augen durch die Welt gehst, dann siehst und entdeckst Du viele spannende und schöne Dinge, die Du vorher nie gesehen hast, weil Dein Blick sich bisher nur nach innen gerichtet hat.

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Gute Laune ist ansteckend oder: Guten Morgen. Ich wünsche Dir einen schönen Tag!

Gute Laune ist etwas Schönes und wenn man gut gelaunt sein will, dann hilft es, selbige auch zu verbreiten. Das ist so wie ein Echo in den Bergen. Du rufst in die Weite hinaus und bekommst eine Antwort. Man könnte jetzt auch das Klischee „Wie Du in den Wald hinein rufst, so schallt es heraus“ bemühen, denn schließlich passt es hier wirklich gut.

Also habe ich mich heute Morgen nach dem Aufstehen zu einer einfachen Maßnahme entschlossen: Ich wollte jedem, den ich sehe, nicht nur einen „Guten Morgen“, sondern auch einen „schönen Tag“ wünschen. Und so habe ich es gemacht. Menschen die mir begegneten – ob bekannt oder fremd – habe ich ein herzliches „Guten Morgen. Ich wünsche Dir/Ihnen einen schönen Tag!“ gesagt. Und vielen Menschen die ich kenne, aber leider heute nicht treffe, habe ich das in digitaler Form gewünscht.

Die Reaktionen waren durchaus unterschiedlich. Toll fand ich, dass viele Menschen sich richtig gefreut und mit ähnlichen Wünschen revanchiert haben. Manche, die mir früh mit knautschigem Blick begegneten, haben erst kurz erstaunt geschaut und dann ging in dem Gesicht richtig die Sonne auf. Und diese Leute haben danach gelächelt. Es ist schön, Leute zum Lächeln zu bringen.

Andere haben es stillschweigend und kommentarlos zur Kenntnis genommen. Wer weiß, vielleicht hatten die gerade in dem Moment keine Lust auf oder keine Zeit für gute Laune. Oder sie sind eher stille Genießer. Oder vielleicht wird mit so etwas wie guten Wünschen heute nicht mehr gerechnet. Oder die Wahrnehmung für solche Dinge stumpft ab. Vielleicht sind manche auch resistent gegen gute Wünsche und gute Laune geworden. Oder aber sie haben gute Laune, teilen diese aber nur ungern. Keine Ahnung.

Bei manchen Leuten hätte ich auch „Wer gegen den Wind pisst, hat nasse Beine“ oder „Der Papst ist schwanger und bekommt Zwillinge“ sagen können und sie hätten genau so reagiert, nämlich gar nicht. Da hatte ich den Eindruck, dass sie gar nicht mehr mitbekommen, was um sie herum geschieht. Andere haben mich angesehen, als sei ich nicht mehr ganz dicht im Kopf und hätte etwas völlig blödes getan.

 

Gute Laune steckt an! (Bild: stock:xchng)
Gute Laune steckt an! (Bild: stock:xchng)

Mit einer Reaktion aber hatte ich am wenigsten gerechnet: Eine Kollegin fragte mich nach dem Gruß nach kurzem Grübeln: „Hat dich jemand geärgert?“ Auf Nachfrage, warum der Eindruck entsteht, dass man geärgert wurde, wenn man Menschen einen schönen Tag wünscht, wurde dann erklärt: „Kann ja, sein, dass dich jemand geärgert hat und Du es kompensieren und besser machen willst.“ Interessant ist (nicht nur) hier, dass – zumindest hatte ich hier den Eindruck – es manchem wohl verdächtig erscheint, wenn jemand gut gelaunt ist und das auch zeigt.

Und was hat man jetzt davon? Ganz einfach. Denkt mal an das mit dem Wald und dem hinein rufen. Wenn Du gute Laune verbreitest bekommst Du auch gute Laune zurück. Du hast das, was ich heute allen gewünscht habe: Einen schönen Tag. Drehen wir eine andere warnende Lebensweisheit einfach mal ins positive um: „Was Du willst, das man dir tut, das füg‘ auch einem andren zu!“

Es freut mich, dass ich heute doch viele Menschen mit guter Laune „infizieren“ konnte. Und die, bei denen ich heute den Eindruck haben musste, dass sie dagegen eher immun sind, denen sage ich: Keine Sorge, ich gebe Euch nicht auf und probiere es wieder!

Ozapft is & Oans zwoa g’suffa in Rheinhessen? NEIN DANKE! Das Maß ist voll!

Zwei derbe Schläge und Christian Ude, Oberbürgermeister von München, ruft „Ozapft is“ und eröffnete damit am Samstag Deutschlands größtes Massenbesäufnis — Verzeihung das traditionelle Oktoberfest in München auf der Theresien-Wiese, kurz „Wiesn“ genannt. Dort hat es Tradition, dort gehört es auch hin. DORT!

Aber nein! Das bayerische Literbier-Schlucken wird zur Seuche und breitet sich in ganz Deutschland aus! Auch in Mainz wird das Mainz-Dirndl gesucht, damit die Rheinland-Pfälzische Landeshauptstadt ihre Fahne vom 11. bis 21. Oktober durch die weiß-blauen Raute ersetzen kann. In jedem Kaff wird jetzt ein Oktoberfest gefeiert! In Oppenheim beispielsweise ist es der CVO, dessen Vorsitzender ja ein ganz besonderer „Freund“ von mir ist, der auf einmal auf Bierzeltgaudi schwört. Auf dem Plakat steht übrigens ganz groß in Rot „DJ Ötzi“ und klein darunter „Show – präsentiert von Uwe Engel“. Überall in Rheinhessen grinsen dich von weiß-blau rautierten Plakaten derzeit selten lederbehoste Burschen, meistens großbrüstige Traudels und Zenzis mit einer ganzen Batterie von Maßkrügen in den Händen an und laden dich zur traditionell bayerischen Wiesn-Gaudi ein.

Haut ab mit Euren Maßkrügen und Wiesn-Gaudi!
Haut ab mit Euren Maßkrügen und Wiesn-Gaudi!

Müssen wir hier alles kopieren?! Haben wir hier in unserem schönen Landstrich keine eigene Kultur und keine eigene Tradition?! Können wir nicht selbst herrlich feiern, OHNE bayuwarisches Brauchtum zu kopieren?! Muss man den Anblick hiesiger Bürgermeister in Krachlederner und Gamsbarthut ertragen?! Ich kann ja verstehen, dass diese Herren auch damit um die Gunst der Pressefotografen buhlen, denn nach dem Wahlkrampf ist ja vor dem Wahlkampf und wer in den Kreis-, Landes- oder Bundestag will, der muss sich halt auch öffentlich zum Horst machen. Leute, wir leben am Rhein und die Alpen sind weit weg! Deshalb hier die abgewandelte Weisheit der Cree-Indianer:

Erst wenn das letzte Schoppeglas vom Maßkrug verdrängt wurde

Erst wenn die letzte Portion Spundekäs vor Weißwuascht und Bretz’n geflüchtet ist

Erst wenn der letzte Rheinhesse im maßbekrugten Vollrausch „Jo mei, a Hoch auf die Wies’n“ ruft

Erst dann werdet ihr kapieren, dass wir hier in Rheinhessen und nicht in Bayern leben!

Amoklauf Memmingen – Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!!

Was in Memmingen passiert ist, ist schlimm. Dass es „gut“ ausgegangen ist – also keine Menschen getötet oder verletzt wurden – ist gut. Aber prompt lese ich dazu heute Morgen auf Facebook:

„Bayern 2 fragt: Muss man das Waffenrecht verschärfen nach dem Memminger Amok-Alarm? – Nö, verbietet doch ein paar Computerspiele, ihr Affen!“

Ich kann diese gequirlte Grütze Scheiße echt nicht mehr hören! Diese strunz dummen Schublade-auf-Schublade-zu-Forderungen. Einfach alle Gewalt-haltigen Computerspiele verbieten und schon wird alles gut?! Stammtischparolen von Deppen, die von Themen ganz wenig Ahnung haben, aber trotzdem ganz viel dazu sagen, bevor sie sich das nächste Bier in den Hals schütten! Das gleiche gilt für die Knallköppe, die jetzt wieder fordern, dass man privaten Waffenbesitz komplett verbieten und natürlich sofort alle Sportschützenvereine platt machen sollte. Genau die gleiche scheuklappige Denkweise. Irgendwas irgendwie verbieten, das wird schon helfen. Hier gilt der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das wollen diese Stammtischpragmatiker ja nicht.

Aber nicht nur an Stammtischen hören wir diese Parolen. Nein, denn jetzt treten natürlich auch wieder die Politiker auf den Plan. Beispiel: „Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen“, sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth am Mittwoch in Berlin. (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3067281) Und laut Welt kann die gute Grüne Rot noch markigere Sprüche raushauen: „Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen.“ (http://www.welt.de/newsticker/news3/article106368978/Memminger-Schuetze-knackte-Waffentresor-des-Vaters.html)

Nicht nur Claudia Roth nutzt solche Ereignisse wie in Memmingen, um sich mal wieder in Populismus und Populismen zu suhlen. Mit solchen Sprüchen kommt man ja auch direkt in die Presse und kann wieder Popularitäts-Bonuspunkte einkassieren. Wieder wird die Forderung laut: „Wenn Mitglieder von Schützenvereinen zur Ausübung ihres Sports schon Waffen benötigen, dann müssen die Waffen nebst Munition zentral in den Vereinsräumen sicher verschlossen und bewacht werden.“ (Grünenpolitiker Ströbele in der Süddeutschen).“ Experten unter anderem von der Gewerkschaft der Polizei warnen, dass dadurch riesige Waffenarsenale und Munitionsdepots entstehen. Die seien dann auch oft leicht auszunehmen, weil Schützenheime oft außerhalb liegen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber die Politiker werden nicht müde, wie die Parolenschreier an den Stammtischen, sich mit markigen Sprächen vor Kameras zu stellen. Hier gilt abermals der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das können diese Politiker ja nicht.

Und wieder wird bei der Schuldfrage ganz fix nach schwarzen Schafen gesucht. Neben den Universalschuldigen Computerspiele und öffentlicher Waffenbesitz, schnell noch den Vater…. Obwohl. So ein Mist, der hat doch diesmal tatsächlich alles richtig gemacht und die Waffen, wie es das – jaja viel zu lasche – Waffengesetz fordert, korrekt weggesperrt. Nur war der Junge fähig, das Schloss zu knacken. Gut, also einfach wieder das Waffengesetz verschärfen, anstatt mal gründlich nach den Ursachen für solche psychischen Ausnahmezustände bei Jugendlichen zu suchen – ja ich rede von den jungen Menschen, die da durchdrehen und Amok laufen. Bloß das Thema nicht gründlich aufarbeiten sondern schnell-schnell banale Pseudopatentrezepte aus dem Hut zaubern. Hier gilt erneut der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das will unsere Gesellschaft ja nicht. Lieber die einfache und bequeme Lösung, statt der Suche nach unbequemen Wahrheiten und eine ganzheitliche Betrachtung des Problems.

Nicht nur die Stammtischpragmatiker und Politpropagandisten drücken sich bei diesem Thema um die unbequemen Fragen. Also stellen wir diese doch mal an dieser Stelle!

Leitfrage: Was treibt einen jungen Menschen so weit, dass er derart ausrastet und zu solchen Taten fähig wird?

1. Sind es gewaltverherrlichende Computerspiele und TV-Sendungen oder Filme?

Wenn es die alleine wären, würden über all zigtausend schwerst bewaffnete Kindern und Jugendliche durch die Gegend meucheln!

2. Warum kümmert sich niemand um Jugendliche, die anderen mobben, quälen, „abziehen“, ausgrenzen und fertig machen?

Ach ja. Da müssten Schulen, soziales Umfeld und Gesellschaft ja genauer hinsehen, sich einmischen, handeln.

3. Warum hilft niemand überforderten Eltern, die Kinder vor dem Fernseher parken, weil beispielsweise beide Elternteile arbeiten müssen, um die Familie überhaupt über Wasser halten zu können.

4. Warum weisen alle an der Entwicklung eines jungen Menschen beteiligten, die Schuld immer anderen zu?

Na die Schulen sind doch schuld, äh nein die Eltern, äh nein die Medien, äh nein das soziale Umfeld, äh nein die Gesellschaft, äh nein die Kirche, äh nein die Politik, äh nein die Schulen, äh nein die Eltern ….

5. Warum gibt es kaum Hilfe für überforderte Eltern, die vielleicht ihr Kind vor der Glotze parken, weil beide arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann.

Die sollen halt kommen und fragen, wenn sie Hilfe brauchen. Das Leben ist kein Ponyhof!

6. Warum lebt unsere Gesellschaft jungen Menschen immer wieder live und auch in den Medien vor, das man mit Ellenbogeneinsatz, Rücksichtslosigkeit und zur Not Brutalität prima ans Ziel kommt und erfolgreich ist?

Tja, so ist halt das Leben, was will man machen. Und die Medien, ja die halten der Gesellschaft ja nur den Spiegel vor.

6. Warum lernen Kinder und Jugendliche beispielsweise von Spitzenpolitikern, dass Fehler und Verfehlungen keine echten Konsequenzen haben?

Das Guttenberg sich seine Doktorabreit erschummelt hat, sich dann mal eine Weile nach USA absetzt, dann ein Buch dazu schreibt und seine nicht mehr gegelte Frisur in eine Talkshow hält, ist ja wohl nicht so dramatisch. Ja und das mit dem Wulff, das war ja eine Kampagne der Bild-Zeitung.

Ich könnte diesen Fragenkatalog weiter treiben. Aber ich will zum Fazit kommen. Das solche Dinge wie in Memmingen passieren, liegt am Zusammenspiel vieler Faktoren, Wirkungen und Probleme. Nur sind alle beteiligten zu feige, zu bequem und zu ignorant, sich zusammen an einen Tisch zu setzen und das Problem gesamtheitlich in Angriff zu nehmen. Nein, viel bequemer sind die Stammtischparolen und das Eigen-PR-Getrommel der Politiker.

 

Und für alle, die sich jetzt über den Text aufregen wollen. Euch sei gesagt, das in diesem Blog der Blick auf die Welt oft ein satirischer ist!