Verbaler Genickbruch
Täglich flattern einem Journalisten Pressemeldungen um die Ohren. Manchmal sind sie gut geschrieben, aber oft nur erträglich. Nicht selten liest man nur nerviges Marketinggeschwurbel. Aber heute wurde mir der nachfolgende verbale Genickbruch zugestellt. Schon der aller erste Satz schießt mich komplett ab.
“Notebooks haben die Art und Weise vollkommen verändert, wie User heutzutage Ihr Home Entertainment genießen – Filme, TV-Sendungen und Facebook-Videoclips werden zunehmend im Bett oder auch unterwegs geschaut, nur die Audioqualität konnte dabei bisher nicht so richtig Schritt halten. Deswegen präsentiert Logitech……”
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Formulierung, Genickbruch, Pressemeldungen, schrecklich, verbal | Comment (0)Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus
Auf Stefan Niggemeiers Blog habe ich abermals einen Beleg für meine Theorie “Die Schnellen fressen die Guten” gefunden. Im Journalismus gilt ja nicht zuletzt dank des Internet und der beinahen Echtzeitberichterstattung leider die Maxime: “Die Schnellen fressen die Langsamen”, wo mir das Leitbild “Die Guten fressen die Schlechten” viel lieber wäre.
Doch genau diese Hetze, dieses “Wir müssen damit als erstes raus, egal wie…”, sorgt für Einbußen bei der Qualität. Gründlichkeit und Schnelligkeit sind ein Anachronismus. Deshalb sage ich, dass Geschwindigkeit zu massiven Lasten der Qualität geht. Deshalb ist die Wahrheit: “Die Schnellen fressen die Guten”! Der von Kollegen Niggemeier geschilderte Fall zeigt genau das. Hier werfen Medien, einem Journalisten die Verletzung der Sorgfaltspflicht vor, die sie selbst beim berichten über den Fall an den Tag legen, wie Niggemeier ausführlich aufdröselt. Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Bild, Journalismus, Journalist, Meedia, Qualität, Sebastian Wieschowski, Stefan Niggemeier | Comment (0)Kultur ist selbst gemacht und vor Ort am schönsten – Das Schräge Jubiläum
Ich kenne ein Ehepaar, das leistet sich Kultur. Ja wirklich „leisten“, so nennen die es selbst. Sie haben ein Theaterabonnement für das Theater in Mainz, selbstverständlich beste Sitzplatzkategorie. „Dafür zahlen wir immerhin….“, so erzählen sie gerne. Unlängst berichteten sie: „Wir waren in der Semperoper in Dresden. Die Karten haben XX Euro gekostet, aber man gönnt sich ja sonst nichts.“ Wann immer beide über Theater- und Operbesuche berichten, schwingt in ihren Erzählungen der gleiche Tenor (nein nicht der, der singt, hier wird die erste Silbe betont!) mit: „Es ist nur gut, wenn es möglichst teuer und exklusiv ist“.
Dass Theateraufführungen wie in Mainz und die Vorstellungen in der Semperoper in Dresden zweifelsohne kulturelle Highlights sind, bestreite ich nicht im Geringsten. Aber wenn der Besuch eben jener Bühnen weniger dem Genuss der Kultur als der Definition des eigenen sozialen Status dient, dann finde ich das langweilig. Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Felipe, Giovanni, Kultur, Laien, Mommenheim, Spaß, Theater | Comments (3)Nachtschicht mit Blaulicht, Kamera und Notizblock
Nachtschicht mit Blaulicht, Kamera und Notizblock [ 1:31 ] Jetzt abspielen | Play in Popup | Download (131)Es ist Dienstag 23:45 Uhr. Die Haustür ist schon abgeschlossen. Der Hund schnarcht vehement im Flur. Mit Pantoffeln an den Füßen und der Zahnbürste im Mund bin ich mental schon im Bett. Da geht der Funkmeldeempfänger an und verkündet einen Wohnungsbrand in Dienheim, dem Nachbarort.
Wohnungsbrand bedeutet immer, dass die Feuerwehr mit der ganz großen Musik anrückt. Drehleiter und zig weitere Fahrzeuge, DRK Rettungsdienst dazu. Also wieder rein in die Klamotten und Schuhe, den Kamerarucksack schnappen, das Auto aus der Garage holen und gen Blaulicht düsen. Der spektakuläre Wohnungsbrand mutiert vor Ort dann zum halbwegs harmlosen Baustellenfeuer. Dennoch hab ich schnell ein paar gute Bilder im digitalen Kasten und bin nach zwanzig Minuten wieder auf dem Heimweg.
Daheim den Computer wieder anschmeißen, die Bilder aufbereiten und direkt auch den Artikel schreiben. Dann alles an die Lokalredaktion und auch den Online-Desk der Allgemeine Zeitung mailen, falls der Frühdienst das online direkt mitnehmen will. Richtig vermutet, um 07:58 Uhr ging der Artikel heute mit Bild online. Es ist 01:45 Uhr. Die Haustür ist wieder abgeschlossen. Der Hund schnarcht schon wieder vehement im Flur. Ich habe abermals die Pantoffeln an den Füßen und die Zahnbürste im Mund und bin fünf Minuten später nicht nur mental endlich im Bett.
Feuerwehreinsatz-Dienheim Audio-Episode

Ärgern mussten sich die Floriansjünger über die Dummheit dieses Autofahrers, der seinen Wagen so behindernd abgestellt hatte.
Vom virtuellen Niemand zum digitalen Jemand – Das Ich im Netz im Wandel
Der Elektrische Reporter hat einen sehr interessanten Beitrag zum Thema “Digitale Identität: Das Ich im Netz” veröffentlicht. Es geht vor allem darum, dass in sozialen Netzen wie Facebook & Co Menschen immer öfter ihr tatsächliches Ich etablieren, also kein virtuelles Alter Ego mehr, wie beispielsweise in Second Life. Mit diesem digitalen Wolkenkuckucksland konnte ich übrigens nie was anfangen, denn ich finde nichts, absolut nichts ist so spannend, wie das echte reale Leben. Daher hat mich diese Realitätsflucht ins digitale Zweitleben nie interessiert.
In Facebook ist der Mensch heute fast immer der, der er auch im realen Leben ist. Der echte dicke 40-jährige Max Mustermann bleibt auch digital Max Mustermann und mutiert nicht zur 21-jährigen drallen Blondine Berta Beispiel. Mit anderen Worten, die virtuelle Welt wird immer realer. Hier das Video von Mario Sixtus, alias Elektrischer Reporter.
Elektrischer Reporter – Digitale Identität: Das Ich im Netz
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Das digitale Ich, Elekrtischer Reporter, Mario Sixtus, soziale Netze | Comment (0)Was lange währt wird endlich geil!
Herzlichen Glückwunsch! T-Online.de hat heute Nacht um 4:00 Uhr eine gesunde und stramme neue Webseite zur Welt gebracht. Die unzähligen stolzen Mütter und Väter … blablabla … dröger Scherz beiseite. Heute Nacht erfolgte der Relaunch von www.t-online.de. An dem Projekt haben wir die letzten Wochen viel und intensiv gearbeitet. Auch meine Wenigkeit hatte zwei Baustellen zu betreuen. Einmal den Themenbereich Digitalkamera bei digitalLeben und den Bereich Gadgets an gleicher Stelle. Das neue Seitendesign ist deutlich luftiger, endlich “unbunter” und deutlich moderner als die vorherige stückige Farborgie. Auch seitens der Navigation hat sich viel getan. Beim Mouseover über Rubriken-Reiter öffnen sich jetzt Flyout-Menüs, die alle Themen-Unterseiten eines Portals zeigen. Fotoshows aber auch Videos und ähnliches geht jetzt immer in Lightboxen auf. Auch das Thema Regionalisierung soll ausgebaut werden. Bisher sind die Bundesländer eingebunden. Aktuell läuft unser CeBIT 2010-Spezial und ist über das Flyout-Menü in der Rubrik Computer angebunden.
Das Backend macht richtig Spaß
Aber nicht nur an der Nutzer-seitigen Oberfläche hat sich einiges getan. Auch für uns läuft die Arbeit mit dem Coremedia CMS-Backend deutlich effizienter und geschmeidiger ab, als vorher. Viele Prozesse wurden automatisiert. Vorher händisch zu pflegende Listen werden jetzt on the fly vom System erzeugt. Das gleiche gilt für viele Verlinkungen. Bilder in allen Formaten können per Drag & Drop in einen “Container” geworfen werden, die nötigen Datensätze werden automatisch angelegt. Statt einem halben Dutzend Teaser muss jetzt nur noch ein einziger nach dem Motto “one size fits all” angelegt werden. Der Teaser merkt, auf welchem Platz er in einem Layout sitzt und zeigt automatisch das passende Bild und den Text in der richtigen Länge an.
Filed under Bilderschau, Schreibtischtäters Handwerk | Tags: CMS, Coremedia, Relaunch, Start, T-Online.de, Webseite | Comments (11)Bunte mit Chefin Patricia Riekel völlig hemmungslos? So nicht!
Heute habe ich in Print Würgt, dem Blog von Michalis Pantelouris, einen Beitrag über eine Art neue Recherche-Strategie der Bunden gelesen. Deren Chefredakteurin Patricia Riekel erklärte unlängst quasi öffentlich Politiker zum journalistischen Freiwild. Nein, natürlich nicht expressis verbis. Sie argumentiert sogar mit dem Pressekodex, den Spielregeln des Deutschen Presserates. Nur dass Sie diesen quasi mit negativem Vorzeichen auslegt. Konkret geht es darum, wie Franz Münteferings neue Liebe & Ehe “methodisch erschlossen” wurde. Das geschah unter Missachtung der Privatsphäre und mit zweifelhaften Methoden. Patricia Riekel lässt sich dazu wie folgt aus: Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Bunte, CMK, Journalismus, Methoden, Müntefering, Recherche, Unschuld | Comment (0)Gedanken zum Thema “Echtzeit-Web” in Sachen Journalismus mit Twitter & Co
Auf der Webseite Elektrischer Reporter habe ich ein sehr interessantes Video “Real Time Web: Alles im Jetzt” entdeckt (unten). Wer diesen Film anschaut, lernt auch schnell, dass viele Medien nach wie vor die Chancen nicht erkennen. Sicher immer mehr Medien, auch beispielsweise die hiesige Allgemeine Zeitung oder mein Brötchengeber T-Online nutzen Twitter und Facebook. Aber meist wird wieder nur der alte klassische Ansatz des reinen “Sendeweges” genutzt. Es werden nur Informationen ausgesendet. Doch damit bleibt ein großer Teil der Multiplikationswirkung ungenutzt. Zunächst mal das Stichwort “Retweeten”. Wenn man es schafft, eine Tweet so interessant zu machen das er geretweetet wird (grausames Denglisch, ich weis), multipliziert sich das, wie im Video erklärt wird exponentiell. Aber die Medien ignorieren dabei die Tatsache, dass sie auch selbst retweeten sollten, denn das ganze Spiel funktioniert nach dem Prinzip geben und nehmen. Durch die Nutzung von Twitter, Facebook & Co als reinen Sendeweg, bleiben die Medien passiv und binden den Mitmach-Effekt nicht ein. Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Echtzeit-Web, Elektrischer Reporter, Facebook, Mitmachweb, twitter | Comment (0)Bedrohlich droht bedrohlich drohendes Glatteis – NICHT!
Heute morgen, 8.02 Uhr im Straßenzustandsbericht in Radio SWR3: „In einigen Regionen droht Glätte.“ NEIN! Glätte droht nicht! Die hier angesprochene Glätte resultiert aus dem festen Aggregatzustand von Wasser. Doch Wasser ist nicht in der Lage, irgendwelche Drohungen zu artikulieren, egal ob es in seiner gasförmigen, flüssigen oder festen Form in Erscheinung tritt. Wenn hier in Sachen Glätte unbedingt gedroht werden muss, dann allerhöchstens so: „Es droht, glatt zu werden.“ Und auch hier bliebe die Frage berechtigt, wer oder was mit „Es“ gemeint ist. Besser wäre eine einfache Formulierung wie „es könnte glatt werden“, oder „Es besteht die Gefahr das es glatt wird“ oder meinetwegen „Es besteht die Gefahr von Glätte (oder ‚Glättegefahr’)“, wenn man auf das „werden“ verzichten will. Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Drohen, Drohung, Floskeln, gedroht, Verbalschwulst | Comment (0)Fastnachtsberichterstattung oder: Wider die närrische Verbalschwulst
Unlängst war ich ja nicht nur in Mommenheim auf der wirklich sehr vergnüglichen Fastnachtssitzung des MKV. Nein ich habe auch über selbige für die AZ geschrieben: “Hausgemachte Narretei mit Pep“. Dabei habe ich mich redlich und wie ich hoffe erfolgreich bemüht, den üblichen, drögen närrischen Verbalschwulst so weit als möglich zu vermeiden. Denn liest man Berichte über Fastnachtssitzungen, dann liest man immer, wie sich die Autoren bemühen, möglichst originelle und verzwirbelte Formulierungen zu kreieren, die – mehr oder minder erfolgreich – humoristisch klingen sollen. Doch das artet manchmal in wahre Verbal-Onanie aus und ein mir bekannter ehemaliger Redaktionsleiter der örtlichen Lokalausgabe der AZ nannte diese Autoren einmal ebenso unwirsch wie zutreffend “Wortwichser”.
In diesen gedrechselten Berichten ist natürlich dauernd alles “vierfarbbunt”. Unerbittlich “stechen Narrenschiffe in die humorige See” und Sitzungspräsidenten mutieren zu deren “Steuermann” oder “Kapitän”. Da werden “Lachmuskeln” mindestens “massiert”, oder “gequält”, meist jedoch gleich “attackiert”. Da “tob die Narrenschaar im Saale”. Diverse Tanzgruppen “schwingen das Tanzbei” (Damenballett) oder “die behaarten Keulen” (Männerballett). Das Publikum wird permanent bezichtigt “liebe Närrinen und Narrhallesen” zu sein. Stimmung ist mindestens “furios” und der Protokoller “hat etwas auf dem närrischen Setierteller”. Ich könnte diese Aufzählung fortführen und wenn Dir nochwas einfällt, tu Dir keinen Zwang an, wofür gibt es die Kommentarfunktion.
Ich jedenfalls habe mein Möglichstes getan, hier Zurückhaltung zu üben und dennoch einen lesbaren Bericht zu schreiben. Dazu habe ich sogar noch einen “Nebenhandlungsstrang” eingeflochten, der sich in Mommenheim um Punkt Mitternacht ereignete. Aber leider fiel dieser dann wohl dem Diktat des knappen Platzes zum Opfer. Der Vollständigkeit halber habe ich meinen Artikel so wie ich ihn eingereicht habe unten angehängt. Besagter “Nebenhandlungsstrang” ist kursiv und farblich hervorgehoben. Continue reading »
Filed under Schreibtischtäters Handwerk | Tags: Artikel, Fastnacht, Mommenheim, Sprache, Verbalschwulst, Wortwichser | Comment (1)







