KategorieSchreibtischtäters Handwerk

Ich knote meinem Hund einen Kugelschreiber ans Bein, dann „kann der auch schreiben“!

Immer wieder mal merkt man, dass mein Berufsstand – Journalisten – mit unter kein all zu hohes Ansehen hat. Das Journalisten eine Qualifikation haben, einen Beruf, den sie gelernt haben und den es zu beherrschen gilt, um gut zu sein, wird nicht anerkannt.

Journalisten sind für manche Leute nichts besonderes, denn „Schreiben kann ja jeder“. Journalisten werden von manchen eher als eine Art „Tippse“ und „Text-irgend-wo-hin-kopierer“ betrachtet. Das durfte ich in den letzten Wochen wieder im außer beruflichen Umfeld erleben, in dem ich meine beruflichen Fähigkeiten ehrenamtlich einsetze. Zwei Fallbeispiele:

Der Text-irgend-wo-hin-kopierer

Ich bekam eine E-Mail mit dem Artikel eine Regionalzeitung im Anhang, der über eine Veranstaltung berichtet. In der kurzen knappen E-Mail stand „Bitte veröffentlichen“. Damit war gemeint, dass der Text vor allem auf die von mir ehrenamtlich betreute Internetseite gestellt und (vermutlich) auch an die Presse verschickt wird. Sieht man davon ab, dass ich hier eher wie ein weisungsgebundener Angestellter angewiesen und nicht wie ein ehrenamtlicher und sein Ressort eigenverantwortlich gestaltender Pressesprecher behandelt wurde, dann ist dieser Vorgang auch aus einer anderen Sicht unmöglich.

Schreiben kann ja jeder.
Schreiben kann ja jeder. (Bild: stock:xchng)

Es gibt das Urheberrecht sowie weitere Regelungen und nicht zuletzt auch berufliche Standesregeln, die das „Durchkopieren“ fremder Texte untersagen. Man sollte meinen, dass diese Fakten seit dem „Fall zu Guttenberg“ hinlänglich bekannt sein dürfte. Außerdem hätte mich der Absender ja auch einfach früh genug mit Informationen und selbst erstelltem Bildmaterial versorgen können, sodass ich daraus eine eigene Pressemitteilung hätte erstellen können. Aber statt dessen bekommst Du ein lapidares „Bitte veröffentlichen“ vor die Füße gemailt.

Schreiben kann ja jeder

Unlängst bekam ich einen fremden Text zum redigieren zugestellt, der eine Kulturveranstaltung beschrieb und in meinen Zuständigkeitsbereich fällt, aber an mir vorbei einer Redaktion zugestellt wurde. Als Journalist lernt man unter anderem, Nachrichten nach dem Prinzip der „umgekehrten Pyramide“ zu schreiben. Das bedeutet, man beginnt mit dem Wichtigsten und endet mit Hintergrundinfos. Wird der Text von hinten gekürzt, muss das wichtigste oben stehen. Auch sollten Text gut und leicht lesbar verfasst sein.

Doch der Text war eher nach dem Prinzip des Pyramidentrümmerhaufens geschrieben, denn es fand kein Priorisieren der Fakten statt und der Text begann mit einer nahezu irrelevanten Information und kam erst im dritten Satz zur eigentlich wichtigen Nachricht. Weitere wichtige Infos waren quer durch den viel zu langen Text verteilt. Viele völlig irrelevante Informationen gab es zu lesen. Hoch komplexe Schachtelsätze und Dinge wie „Herr Müller“ anstatt vollständiger Namen, kamen dazu. Der Autor hatte sich zwar sichtlich Mühe gegeben, das will ich nicht bestreiten. Aber man konnte dem Text durch und durch anlesen, dass er aus journalistischer Sicht von einem Laien geschrieben wurde.

Wenn man „Schreiben kann ja jeder“ auf das rein biomechanische und korrekte zu Papier bringen von Text betrachtet, dann kann das vermutlich wirklich jeder, der seine Schulzeit erfolgreich absolviert hat. Aber wenn es um journalistische Texte geht, dann ist dieser Beruf eben doch etwas, das man lernen und üben muss. Und man sollte diejenigen respektieren, die diesen Beruf ausüben.

Schreiben kann ja jeder. Wirklich?
Schreiben kann ja jeder. Wirklich?  (Bild: stock:xchng)

Noch ein Beispiel zum Thema „Schreiben kann ja jeder“. Vor vielen Jahren als Redakteur einer Computer-Fachzeitschrift, wurde uns ein freier Autor empfohlen. Der sei Software-Programmierer, ja schon beinahe ein Software-Guru, und könne sehr gut für uns schreiben. Der Mann konnte wirklich gut schreiben und zwar Sourcecode! Aber die von ihm gelieferten Artikel waren vollkommen unbrauchbar.

Bloß weil jemand auf einem Gebiet Fachwissen hat, ist er noch lange kein guter Fachjournalist. Bloß weil ein Herz in meinem Leib schlägt, bin ich noch kein Herzchirurg. Bloß weil ich Auto fahre, kann ich es noch lange nicht reparieren. So wie der Herzchirurg und der KFZ-Mechatroniker ihren Beruf erlernen, so lernen auch Journalisten ihr Handwerk. Herzchirurg und Mechatroniker werde für ihr Können bewundert, Journalisten werden oft belächelt. Denn: Schreiben kann ja jeder!

Und wenn ich bei dem Medium, bei dem ich aktuell arbeite, so manche vor allem anonym eingeschickten Leserkommentare anschaue, dann zeigt sich, welche Meinung manche Menschen von Journalisten haben. Mal sind wir „linke Schreiberlinge“, mal „Büttel der Regierung“, mal „ungebildet“, mal ein „unfähiger Haufen Stümper“ .

Verbaler Genickbruch

Täglich flattern einem Journalisten Pressemeldungen um die Ohren. Manchmal sind sie gut geschrieben, aber oft nur erträglich. Nicht selten liest man nur nerviges Marketinggeschwurbel. Aber heute wurde mir der nachfolgende verbale Genickbruch zugestellt. Schon der aller erste Satz schießt mich komplett ab.

wut
(Foto: stock.xchng)

„Notebooks haben die Art und Weise vollkommen verändert, wie User heutzutage Ihr Home Entertainment genießen – Filme, TV-Sendungen und Facebook-Videoclips werden zunehmend im Bett oder auch unterwegs geschaut, nur die Audioqualität konnte dabei bisher nicht so richtig Schritt halten. Deswegen präsentiert Logitech……“

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus

Auf Stefan Niggemeiers Blog habe ich abermals einen Beleg für meine Theorie „Die Schnellen fressen die Guten“ gefunden. Im Journalismus gilt ja nicht zuletzt dank des Internet und der beinahen Echtzeitberichterstattung leider die Maxime: „Die Schnellen fressen die Langsamen“, wo mir das Leitbild „Die Guten fressen die Schlechten“ viel lieber wäre.

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)
Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)

Doch genau diese Hetze, dieses „Wir müssen damit als erstes raus, egal wie…“, sorgt für Einbußen bei der Qualität. Gründlichkeit und Schnelligkeit sind ein Anachronismus. Deshalb sage ich, dass Geschwindigkeit zu massiven Lasten der Qualität geht.  Deshalb ist die Wahrheit: „Die Schnellen fressen die Guten“! Der von Kollegen Niggemeier geschilderte Fall zeigt genau das. Hier werfen Medien, einem Journalisten die Verletzung der Sorgfaltspflicht vor, die sie selbst beim berichten über den Fall an den Tag legen, wie Niggemeier ausführlich aufdröselt. Lies „Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus“ weiter

Kultur ist selbst gemacht und vor Ort am schönsten – Das Schräge Jubiläum

Ich kenne ein Ehepaar, das leistet sich Kultur. Ja wirklich „leisten“, so nennen die es selbst. Sie haben ein Theaterabonnement für das Theater in Mainz, selbstverständlich beste Sitzplatzkategorie. „Dafür zahlen wir immerhin….“, so erzählen sie gerne. Unlängst berichteten sie: „Wir waren in der Semperoper in Dresden. Die Karten haben XX Euro gekostet, aber man gönnt sich ja sonst nichts.“ Wann immer beide über Theater- und Operbesuche berichten, schwingt in ihren Erzählungen der gleiche Tenor (nein nicht der, der singt, hier wird die erste Silbe betont!) mit: „Es ist nur gut, wenn es möglichst teuer und exklusiv ist“.

Dass Theateraufführungen wie in Mainz und die Vorstellungen in der Semperoper in Dresden zweifelsohne kulturelle Highlights sind, bestreite ich nicht im Geringsten. Aber wenn der Besuch eben jener Bühnen weniger dem Genuss der Kultur als der Definition des eigenen sozialen Status dient, dann finde ich das langweilig. Lies „Kultur ist selbst gemacht und vor Ort am schönsten — Das Schräge Jubiläum“ weiter

Nachtschicht mit Blaulicht, Kamera und Notizblock

Es ist Dienstag 23:45 Uhr. Die Haustür ist schon abgeschlossen. Der Hund schnarcht vehement im Flur. Mit Pantoffeln an den Füßen und der Zahnbürste im Mund bin ich mental schon im Bett. Da geht der Funkmeldeempfänger an und verkündet einen Wohnungsbrand in Dienheim, dem Nachbarort.

Ergebnis der Nachtschicht in Dienheim.
Ergebnis der Nachtschicht in Dienheim.

Wohnungsbrand bedeutet immer, dass die Feuerwehr mit der ganz großen Musik anrückt. Drehleiter und zig weitere Fahrzeuge, DRK Rettungsdienst dazu. Also wieder rein in die Klamotten und Schuhe, den Kamerarucksack schnappen, das Auto aus der Garage holen und gen Blaulicht düsen. Der spektakuläre Wohnungsbrand mutiert vor Ort dann zum halbwegs harmlosen Baustellenfeuer. Dennoch hab ich schnell ein paar gute Bilder im digitalen Kasten und bin nach zwanzig Minuten wieder auf dem Heimweg.

Daheim den Computer wieder anschmeißen, die Bilder aufbereiten und direkt auch den Artikel schreiben. Dann alles an die Lokalredaktion und auch den Online-Desk der Allgemeine Zeitung mailen, falls der Frühdienst das online direkt mitnehmen will.  Richtig vermutet, um 07:58 Uhr ging der Artikel heute mit Bild online. Es ist 01:45 Uhr. Die Haustür ist wieder abgeschlossen. Der Hund schnarcht schon wieder vehement im Flur. Ich habe abermals die Pantoffeln an den Füßen und die Zahnbürste im Mund und bin fünf Minuten später nicht nur mental endlich im Bett.

Der Wohnhausbrand entpuppte sich als Baustellenbrand.
Der Wohnhausbrand entpuppte sich als Baustellenbrand.
Das neue Fahrzeug der Dienheimer Wehr ist noch nicht beschriftet, aber erstmals im Einsatz.
Das neue Fahrzeug der Dienheimer Wehr ist noch nicht beschriftet, aber erstmals im Einsatz.
Unvernünftig parkende Zeitgenossen machen den Floriansjüngern die Arbeit unnötig schwer.
Unvernünftig parkende Zeitgenossen machen den Floriansjüngern die Arbeit unnötig schwer.
Der Brand von einer kleinen Menge Bauholz war schnell abgelöscht.
Der Brand von einer kleinen Menge Bauholz war schnell abgelöscht.

Vom virtuellen Niemand zum digitalen Jemand – Das Ich im Netz im Wandel

Der Elektrische Reporter hat einen sehr interessanten Beitrag zum Thema „Digitale Identität: Das Ich im Netz“ veröffentlicht. Es geht vor allem darum, dass in sozialen Netzen wie Facebook & Co Menschen immer öfter ihr tatsächliches Ich etablieren, also kein virtuelles Alter Ego mehr, wie beispielsweise in Second Life. Mit diesem digitalen Wolkenkuckucksland konnte ich übrigens nie was anfangen, denn ich finde nichts, absolut nichts ist so spannend, wie das echte reale Leben. Daher hat mich diese Realitätsflucht ins digitale Zweitleben nie interessiert.

In Facebook ist der Mensch heute fast immer der, der er auch im realen Leben ist. Der echte dicke 40-jährige Max Mustermann bleibt auch digital Max Mustermann und mutiert nicht zur 21-jährigen drallen Blondine Berta Beispiel. Mit anderen Worten, die virtuelle Welt wird immer realer. Hier das Video von Mario Sixtus, alias Elektrischer Reporter.

Elektrischer Reporter – Digitale Identität: Das Ich im Netz

Was lange währt wird endlich geil!

Schick ist sie, die neue T-Online.de
Schick ist sie, die neue T-Online.de

Herzlichen Glückwunsch! T-Online.de hat heute Nacht um 4:00 Uhr eine gesunde und stramme neue Webseite zur Welt gebracht. Die unzähligen stolzen Mütter und Väter … blablabla … dröger Scherz beiseite. Heute Nacht erfolgte der Relaunch von www.t-online.de. An dem Projekt haben wir die letzten Wochen viel und intensiv gearbeitet. Auch meine Wenigkeit hatte zwei Baustellen zu betreuen. Einmal den Themenbereich Digitalkamera bei digitalLeben und den Bereich Gadgets an gleicher Stelle. Das neue Seitendesign ist deutlich luftiger, endlich „unbunter“ und deutlich moderner als die vorherige stückige Farborgie. Auch seitens der Navigation hat sich viel getan. Beim Mouseover über Rubriken-Reiter öffnen sich jetzt Flyout-Menüs, die alle Themen-Unterseiten eines Portals zeigen. Fotoshows aber auch Videos und ähnliches geht jetzt immer in Lightboxen auf. Auch das Thema Regionalisierung soll ausgebaut werden. Bisher sind die Bundesländer eingebunden. Aktuell läuft unser  CeBIT 2010-Spezial und ist über das Flyout-Menü in der Rubrik Computer angebunden.

Das Backend macht richtig Spaß

Aber nicht nur an der Nutzer-seitigen Oberfläche hat sich einiges getan. Auch für uns läuft die Arbeit mit dem Coremedia CMS-Backend deutlich effizienter und geschmeidiger ab, als vorher.  Viele Prozesse wurden automatisiert. Vorher händisch zu pflegende Listen werden jetzt on the fly vom System erzeugt. Das gleiche gilt für viele Verlinkungen. Bilder in allen Formaten können per Drag & Drop in einen „Container“ geworfen werden, die nötigen Datensätze werden automatisch angelegt. Statt einem halben Dutzend Teaser muss jetzt nur noch ein einziger nach dem Motto „one size fits all“ angelegt werden. Der Teaser merkt, auf welchem Platz er in einem Layout sitzt und zeigt automatisch das passende Bild und den Text in der richtigen Länge an.

Bunte mit Chefin Patricia Riekel völlig hemmungslos? So nicht!

Treibt es die Bunte und Patricia Riekel zu bunt?
Treibt es die Bunte und Patricia Riekel zu bunt?

Heute habe ich in Print Würgt, dem Blog von Michalis Pantelouris, einen Beitrag über eine Art neue Recherche-Strategie der Bunden gelesen. Deren Chefredakteurin Patricia Riekel erklärte unlängst quasi öffentlich Politiker zum journalistischen Freiwild. Nein, natürlich nicht expressis verbis. Sie argumentiert sogar mit dem Pressekodex, den Spielregeln des Deutschen Presserates. Nur dass Sie diesen quasi mit negativem Vorzeichen auslegt. Konkret geht es darum, wie Franz Münteferings neue Liebe & Ehe „methodisch erschlossen“ wurde.  Das geschah unter Missachtung der Privatsphäre und mit zweifelhaften Methoden. Patricia Riekel lässt sich dazu wie folgt aus: Lies „Bunte mit Chefin Patricia Riekel völlig hemmungslos? So nicht!“ weiter

Gedanken zum Thema „Echtzeit-Web“ in Sachen Journalismus mit Twitter & Co

Auf der Webseite Elektrischer Reporter habe ich ein sehr interessantes Video „Real Time Web: Alles im Jetzt“ entdeckt (unten). Wer diesen Film anschaut, lernt auch schnell, dass viele Medien nach wie vor die Chancen nicht erkennen. Sicher immer mehr Medien, auch beispielsweise die hiesige Allgemeine Zeitung oder mein Brötchengeber T-Online nutzen Twitter und Facebook. Aber meist wird wieder nur der alte klassische Ansatz des reinen „Sendeweges“ genutzt. Es werden nur Informationen ausgesendet. Doch damit bleibt ein großer Teil der Multiplikationswirkung ungenutzt. Zunächst mal das Stichwort „Retweeten“. Wenn man es schafft, eine Tweet so interessant zu machen das er geretweetet wird (grausames Denglisch, ich weis), multipliziert sich das, wie im Video erklärt wird exponentiell. Aber die Medien ignorieren dabei die Tatsache, dass sie auch selbst retweeten sollten, denn das ganze Spiel funktioniert nach dem Prinzip geben und nehmen. Durch die Nutzung von Twitter, Facebook & Co als reinen Sendeweg, bleiben die Medien passiv und binden den Mitmach-Effekt nicht ein. Lies „Gedanken zum Thema „Echtzeit-Web“ in Sachen Journalismus mit Twitter & Co“ weiter

Bedrohlich droht bedrohlich drohendes Glatteis – NICHT!

Verbales Glatteis in den Medien.
Verbales Glatteis in den Medien.

Heute morgen, 8.02 Uhr im Straßenzustandsbericht in Radio SWR3: „In einigen Regionen droht Glätte.“ NEIN! Glätte droht nicht! Die hier angesprochene Glätte resultiert aus dem festen Aggregatzustand von Wasser. Doch Wasser ist nicht in der Lage, irgendwelche Drohungen zu artikulieren, egal ob es in seiner gasförmigen, flüssigen oder festen Form in Erscheinung tritt. Wenn hier in Sachen Glätte unbedingt gedroht werden muss, dann allerhöchstens so: „Es droht, glatt zu werden.“ Und auch hier bliebe die Frage berechtigt, wer oder was mit „Es“ gemeint ist. Besser wäre eine einfache Formulierung wie „es könnte glatt werden“, oder „Es besteht die Gefahr das es glatt wird“ oder meinetwegen „Es besteht die Gefahr von Glätte (oder ‚Glättegefahr’)“, wenn man auf das „werden“ verzichten will. Lies „Bedrohlich droht bedrohlich drohendes Glatteis — NICHT!“ weiter