KategorieWort-Wichser des Tages

Wort-Wichser des Tages

Ist schon eine Weile her, dass ich einen solchen gekürt habe, doch heute ist mir eine Zeile auf XING ins Auge gesprungen, die dieser Auszeichung absolut würdig ist! In einer Art „Aufschrei verzweifelter Selbstvermarktung“ gab da einer folgende Parole als sein Motto an:

„gerne innoviere ich für Ihr Unternehmen…“

(Bild: stock.xchng)
(Bild: stock.xchng)

Klingt das nicht irgendwie wie „gerne ona…..“? Aber lassen wir den Griff in die unterste Schublade besser bleiben.

Wort-Wichser des Tages

Seit längerem habe ich keinen „Wort-Wichser des Tages“ mehr gekürt. Doch heute bin ich über die Selbstbeschreibung eines Online-Magazins gestolpert, dass sich diese Auszeichnung wirklich mit Bravour verdient hat. Ich habel lange nicht mehr soviel verzweifelt zurecht gedrechseltes Geschwurbel gelesen. Viel Spaß!

stinksauer

Schraubergott ist der Fahrtenschreiber für Männer mit Stil. Das Testosteron-Navi durch subkulturelle Bereiche und Alternativ-Ästhetik. Mit Benzin im Blut, Farbe unter der Haut und Rock’n’Roll im Herzen sammelt,verbreitet und kommentiert Schraubergott Themen aus einer Parallel-Welt, in der die Individualität des Einzelnen sich über den Geschmack der Masse erhebt. Schraubergötter haben ihren eigenen Kodex. Sie leben unter uns, aber die Zeichen, die sie setzen, sind von der Masse kaum zu erkennen. Für die Masse ist es ein Motorrad, eine Tätowierung, ein Rollbrett oder einfach nur laute Musik. Für alle, die unsere Sprache sprechen, ist es pures Lebensgefühl. Schraubergott ist eine andere Form von Gemeinschaft, die sich durch Individualität und das Bekenntnis zum rebellischen Herzen eint. Schraubergott verkörpert kompromisslos diese Haltung und repräsentiert diese Kultur.

Ist das der König aller Wort-Wichser?

Ich glaube ich habe ihn gefunden! Den Großmeister der Verbalverzwirbelei par exellence, den Leser-Folterknecht schlecht hin. Sprich, den König aller Wort-Wichser. Schon die ersten drei Sätze beschwören unheilvoll herauf, was auf den Leser dieses FAZnet-Artikels „Auf der Innenseite der Oberfläche“ lauert:

Zwischen dem hörigen Herrn und seinen smart phonenden Sklaven, zwischen Benutzer und maschinellem Knecht breitet sich die Bedienungsoberfläche aus. Sie deckt das völlig Unmenschliche unserer Prothesen zu, und nicht nur der digitalen. Sei es nun harte oder weiche Ware – Bedienungsoberflächen kleiden längst auch Haushaltsgerät oder bohrendes Werkzeug in die Gewänder von Drop-Down-Menüs.


Und in eben diesem Stil geht es weiter. Der Autor ergötzt sich in Äußerungen wie:

Die Schöpfer des Geräts lieben ihren Sendeempfänger wie eine Mutter ihr behindertes Kind.

Oder

An dieser Stelle betreten die Autoren von Bedienungsanleitungen den Kampfplatz. Sie verfassen das, was – stilistisch betrachtet – nicht selten eine Schnittmenge ist von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und einem Reiseführer, der mit Sätzen wie „Die Suppe ist lauwarm“ in irgendeiner Sprache weiterzuhelfen versucht, die außer heiß, kalt und angenehm warm keine Temperaturbegriffe kennt.

Ok, besagter Autor lässt sich über das Elend aus, das wir in Bedienungsanleitungen all zu oft lesen müssen und ich bilde mir zumindest ein, die Absicht einer Glosse zu erkennen. Doch scheint er sich bei seinem Artikel fest vorgenommen zu haben, die Unverstehbarkeit von Bedienungsanleitungen nicht nur aufs Korn zu nehmen, sondern selbst auf die Spitze zu treiben. Wie sonst kann so jemand straffrei mit Sätzen davon kommen, wie:

Analphabetisch piktorial wird auch ad usum eines Kapuzineräffchens verdeutlicht, wie der Akku und die Sim-Karte ins neue Smartphone zu praktizieren sind.

Wort-Wichser des Tages

Es ist mal wieder soweit. In einer Pressemeldung bin ich über einen Wort-Wichser gestoplert, den ich mit der Auszeichnung „Wort-Wichser des Tages“ ehren möchte. Es handelt sich um eine Pressemeldung aus der Werkzeugbranche, in der Schweißerhelme speziell für Frauen belobhudelt werden. Dort fand ich das folgende Verbal-Ejakulat:

„Nun bringt 3M als erstes Unternehmen weltweit eine Schweißhelmkollektion für Frauen auf den Markt, die mit weiblicher Inspiration gestaltet wurde. Vier Modelle mit ausdrucksstarker Grafik belegen, dass für Schweißerinnen ihr „Männerberuf“ oft Berufung ist, und sie sich den Herausforderungen des harten Alltags mit Leidenschaft und Fantasie stellen.“

wut

Wie gesagt, es geht um Schutzhelme für Schweißarbeiten! Aber der Wortschwulst zieht sich durch die ganze Pressemeldung. Wie es scheint ist die modische Wirkung und der Stylefaktor um ein Vielfaches wichtiger, als die Schutzwirkung des Helmes. Schön auch die Produktnamen und Beschreibungen:

Zur Auswahl stehen vier Modelle mit ausdrucksstarken Motiven:

SKULLS JEWELS für die Unerschrockenen
Zarte Blüten und Mini-Totenköpfe bilden ein eindrucksvolles Motiv auf schwarzem Untergrund.

STEEL EYES für die Stahlharten
Stahlblaue Augen leuchten auf flammend violetten Untergrund.

STEEL ROSE für die Starken
Stark, furchtlos und feminin zugleich, ist eine Rose ästhetisch auf grau patiniertem Untergrund platziert.

WILD-N-PINK für die Zarten
Hinter Stacheldraht rankt sich eine üppige Weinrebe auf rosa Untergrund.

Wie muss ich mir denn jetzt so eine unerschrockene, stahlharte (war da nicht vor langer Zeit was mit „hart wie Kruppstahl“), starke, zarte Schweißerin vorstellen? Ich versuche es nach dem „Genuss“ dieser Pressemeldung lieber nicht. Denn ich glaube nicht, dass unter einem Helm namens SKULLS JEWELS oder STEEL EYES ein so bildhübscher Kopf wie der von Jennifer Beals steckt, die in Flashdance eine tanzwütige Schweißerin spielte und mit einem ganz normalen Schweißerhelm auskam.

Jennifer Beals 1983 (Foto: Wikipedia)
Jennifer Beals 1983 (Foto: Wikipedia)

Wort-Wichser des Tages

Und wieder bin ich über eine Verbalschwulst gestolpert, die sich der Auszeichnung „Wort-Wichser des Tages“ als würdig erweist.

„In Zeiten oberflächlichen Schönheitswahns ist es erfrischend zu sehen und zu bewundern, dass ein gekonntes „Facelifting“ substanziellen Wert haben kann – und das für eine ganze Gemeinde.“

wut

In dem Artikel einer Lokalzeitung geht es um die Einweihung einer renovierten Gemeindehalle. Ich glaube ich sollte mir für diese Auszeichnung doch langsam ein grafisches Logo überlegen, denn es werden weitere Nominierungen kommen. Wer Textfundstücke aus dem Internet beitragen will, nur zu.

Kurz zur Aufklärung: Der Begriff Wort-Wichser ist keine Erfindung von mir. Er geht auf den einstigen Leiter einer Lokalredaktion zurück, für die ich auch heute noch arbeite. Während des Studiums machte ich dort ein Praktikum. Deshalb wurde ich Zeuge, als dieser Kollege beim Redigieren eines Textes leicht übellaunig ausrief: „Das ist doch reine Verbal-Onanie!“ Daraus entstand dann dieser passende Begriff.

Wort-Wichser des Tages

Also so langsam aber sicher bin ich am grübeln, ob ich nicht wirklich so eine Rubrik „Wort-Wichser des Tages“ hier auf der Stammhirnrinde einführen soll. Denn zu oft stolpere ich über unsägliches zerebrales Verbal-Ejakulat. Heute bekommt diesen Preis eine hier nicht näher benannte PR-Agentur in Frankfurt am Main. Die sucht derzeit einen „Consultant“ und hat in ihrer Stellenausschreibung diesen lächerlichen Wort-Erguss zu bieten:

Unsere Mitarbeiter finden für jedes Kommunikationsproblem eine individuelle Lösung mit optimalem Verhältnis von Strategie, Kreation und Umsetzung – die richtige Hirn-Herz-Hand-Relation. „

wut