Typisch Läufer und typische Läufer

Und wieder einmal aktuelle Erkenntnisse aus einer teilnehmenden Beobachtung. Ich laufe ja. Also nicht nur zu Fortbewegung, sondern so sportlich. Und das auch mit anderen. Weil das ist gesund. Und Spaß macht es auch. Das vor allem wegen den anderen, mit denen ich laufe. Und mit den anderen bin ich neulich gelaufen und zwar 25 Stunden lang. Also nicht am Stück sondern in Gruppen und Etappen. So geschehen beim 25-Stundenlauf der Sportförderung in Wiesbaden. Wie schon im letzten Jahr ein super Sportwochenende bei absolutem Prachtwetter. Und weil sich bei diesem Event 64 Teams und damit mehrere hundert Menschen der beschleunigten bipedalen Fortbewegung widmeten, konnte ich da mal wieder wunderbar Leute gucken. Hier das Ergebnis:

Der High-Tech-Läufer

Dieser Läufer ist der Nerd unter den Freizeitsportlern. Er ist bestens technisch ausgestattet, denn er hat nicht einfach nur eine Pulsuhr. Nein er hat eine Pulsuhr mit GPS-Funktion. Seine Läufe und andere Fortbewegungssportarten „trackt“ er mit dem iPhone und postet sie auf Facebook. Natürlich hört er beim Laufen Musik – und manchmal weiß ein solcher Technoläufer nicht, wo er das iPhone beim Laufen hinstecken soll …. aber das ist eine andere Geschichte. Selbstverständlich trägt der High-Tech-Läufer auch Funktionskleidung wie Klimafaser-Laufshirts, Runningtights und Laufsocken mit Kompressionswirkung und weiteres Zubehör. Die Laufschuhe werden bei einem Fachgeschäft nach einer Laufbandanalyse genau passend zum eigenen Fuß und Laufstil gekauft (was auch SEHR vernünftig ist!!). Ich bekenne mich als zu dieser Läufer-Gattung zugehörend.

Flinke Läuferfüße.
Flinke Läuferfüße.

In Wiesbaden war dieser Typ sehr häufig anzutreffen. Dabei gab es dann noch die extreme Version des High-Tech-Läufers, der in den nächtlichen Stunden mit allerlei Leuchtmitteln behaftet seine Runden rannte. Von der Stirnlampe bis zu blinkenden LED-Armbändern war alles vertreten. Einer hatte sogar ein Kopfgeschirr an, an dem eine Webcam montiert war. Er hat seine Laufrunden also gefilmt. Dieses Selbstleuchten war aber eigentlich überflüssig, denn die Laufstrecke im Kurpark war gut beleuchtet.

Der Einfach-So-Läufer

Dieser Läufer ist quasi das krasse Gegenteil der vorgenannten High-Tech-Läufer. Er kauft die Billigschuhe vom Aldi und zieht zum Laufen die Klamotten an, die ihm aus dem Schrank entgegenfallen. Das darf auch gerne ein Baumwoll-T-Shirt sein, dass dann vor Schweiß trieft und für die Umwelt sehr schnell eine massive olfaktorische Belastung darstellt. Denn der Einfach-So-Läufer ist gerne auch ein Naturbursche, der die Klamotten bei so einem 25-Stundenlauf nicht nur durchgängig anlässt, sondern schon anhatte, als er kam.

Eine Runde hatte circa 950 Meter.
Eine Runde hatte circa 950 Meter.

Pulsuhr und andere Gadgets braucht er nicht, er rennt nach Gefühl. Der „spürt“, was für einen Puls er hat und ist überzeugt, dass seine Pumpe gerade mit maximal 130 Schläger rennt, auch wenn er so außer Atem ist, dass er kaum noch ein Wort hervorschwitzen kann.

Die Turbo-Tiefflieger

Das sind meist recht junge und männliche Läufer, die in der Regel einem Leichtathletik-Verein angehören und in Wiesbaden mit einem affenartigen Tempo über die 950 Meter lange Runde jagten. Wenn so ein Kerlchen losrennt, dann ist der spätestens nach 2:40 Minuten schon wieder im Ziel und sagt sowas wie: „Scheiße, ich wollte 2:30 laufen!“ Meine schnellste Runde war 4:28 Minuten. Und der mault rum, dass er 2:40 statt 2:30 gebraucht hat. Der soll mal lieber aufpassen, dass er nicht verglüht, wenn seine Außenhülle sich an der Atmosphäre reibt ….. Oder erfriert so jemand eher durch den Fahrtwind?

Abklatschen in der Wechselzone.
Abklatschen in der Wechselzone.

Der Rundenklopper

Der Rundenklopper ist für seine Laufkameraden im Team eine Spaßbremse. Denn er läuft los und wenn er nach einer Runde wieder über die Ziellinie geht, dann ruft er seiner Ablösung nur zu „Ich mach noch eine“ und rennt einfach weiter, anstatt abzuklatschen. Das macht er gerne ein oder zwei Mal und ignoriert dabei, dass die anderen in seinem Team auch gerne eine Runde laufen wollen.

Der Dauerdauerdauerläufer

Dieser Läufertypus ist selten. Beim 25-Stunden-Lauf in Wiesbaden gab es nur zwei. Die beiden sind diese 25 Stunden ALLEINE DURCHGELAUFEN. Solche Typen – meint man – haben irgendeine psychosomatische Dysfunktionalität, dass sie sich so dermaßen quälen. Es sind Ultralangstreckenläufer, die gerne auch mal die „100 Kilometer von Biel“ (in der Schweiz) und andere Events laufen. Diese Läufertypen sind ungeheuer leidensfähig und beherrschen die Kunst, sich selbst zu quälen. Denn spätestens in der Nacht schauen die aus der Wäsche wie das Leiden Christi. Hier die Zeiten der beiden:

1. Jens Hilpert, 212 Runden, 24:52:16 Stunden = circa 201 Kilometer!!!
2. Chris Wolfe, ADAC, 137, 24:59:22 = circa 130 Kilometer !!!

Die Schicksenflitze

Dieser Läufertypus ist zu 99 Prozent weiblich. Er – also Sie – zeichnet sich dadurch aus, dass die Laufstrecke als Laufsteg genutzt wird, denn das Läuferoutfit ist einem Modediktat unterworfen. Da muss alles farblich zueinander passen und dem aktuellen Modetrend der Laufbekleidung gehorchen. Die Klamotten sind gestylt, die Schuhe passen perfekt ins Bild und sind immer so sauber geputzt, als würde damit gar nicht gelaufen. Auch Zubehör wie MP3-Player, Schirmmütze oder Schweißstirnband sind auf das Outfit abgestimmt. Die Schicksenflitze will vor allem gesehen werden und läuft deshalb auch langsam.

Unterwegs mit Maskottchen.
Unterwegs mit Maskottchen.

Professor-Schlaumeier

Dieser laufende Klugscheißer macht vor allem verbal auf sich aufmerksam, weil er ein Quell unendlichen Fachwissens ist – oder zu sein glaubt – und dieses auch bereitwillig zum Besten gibt, egal ob es jemand hören will oder nicht. In der Wechselzone beim 25-Stunden-Lauf wurde ich Ohrenzeuge folgender Sprüche eines solchen Professor-Schlaumeier: „Du läufst ja nur in der Fettverbrennungszone. Lauf mit höherem Puls. Geh mal härter an die aerob-anaerobe Grenze ran!“ Nett war auch der motivierende Ratschlag beim Start eines Läufers „Lass Dir Zeit und zieh durch.“ Das klingt wie „Mach langsam aber so schnell wie möglich“.

Der Eierläufer

Und zum Schluss dann noch eine Peinlichkeit, die ich und viele andere am Sonntagmorgen eine Stunde vor dem Ende des 25-Stunden-Laufes bestaunen durften. Der Eierläufer hat sich seinen Namen selbst zuzuschreiben, denn dieser Typ hatte eines von diesen kurzen Sprinterhöschen an. Wisst ihr diese Dinger mit dem hohen Beinausschnitt an der Seite und ganz viel wenig Stoff um die Hüften. Und leider hingen in dieser Läuferhose die Hoden lose und beugten sich der Schwerkraft. Alles, wirklich ALLES, was einen Mann von einer Frau unterscheidet, hing unten aus der Hose raus. Und beim Laufen schlug das Gehänge heftig, fast hörbar klatschend heftig hin und her. Während sich immer mehr Leute unter massivsten Anstrengungen das Lachen und mit dem Finger drauf zeigen verkniffen, lief der Eierläufer unbeirrt in hohem Tempo weiter.

Insomnia ….

Faithless Insomnia

Kennt Ihr das?! Euch geht etwas oder jemand im Kopf herum. Es rumort dergestalt heftig im Denkstübchen, dass Du nachts nicht wirklich schlafen kannst. Und nachdem Du irgendwann doch noch weggeratzt bist treibts dich morgens noch vor dem Wecker aus den Träumen und aus den Federn. Und Du bist trotz einer wenig erholsamen Nacht hellwach? Zum Glück gibt es auch dafür ein passendes Musikstück. Guten Morgen allerseits und einen schönen Tag!

Hä? Was ist Knigge?

Das wurde ich vor längerem von einem Jugendlichen gefragt, dem ich ob seines besch…eidenen Benehmens sagte, dass ich ihm zum Geburtstag einen Knigge schenken würde. Dieser Kenntnismangel mag eine Ursache für das schlechte Benehmen sein. Erziehung ist vermutlich meist die wesentliche Ursache.

Freiherr von Knigge
Freiherr von Knigge

Aber mittlerweile frage ich mich, ob ich in Sachen Benehmen, Umgang miteinander und Höflichkeit vielleicht altmodische Vorstellungen habe und von meinen Mitmenschen in der heutigen hektischen Ellenbogengesellschaft einfach zu viel erwarte.

Aber wenn ich genauer drüber nachdenke, dann weiß ich, dass dem nicht so ist und ich zum einen von meinen Wertevorstellungen in dieser Hinsicht keinen Deut abweichen werde und mich zum anderen zu Recht ärgere. Ich ärgere mich in letzter Zeit mal wieder vermehrt in dieser Richtung, deshalb hier mal ein paar Beispiele.

Die Sache mit dem Grüßen

Es gibt Zeitgenossen, die scheinen zu glauben, dass ihr Erscheinen und ihre Anwesenheit bereits als Gruß völlig ausreichen. Nein! Reicht nicht! Wenn jemand irgendwo rein oder dazu kommt, kann der- oder diejenige kurz grüßen. Nein es muss nichts Formvollendetes mit bestimmten Pflichtfloskeln sein. Ein einfaches „Hallo“ oder „Hi“ mit einem netten Lächeln genügt mir vollkommen. Und übrigens, der auf diese Weise Grüßende hat auch absolut ein Recht darauf, dass sein Gruß von den Anwesenden erwidert und er oder sie damit in der Runde willkommen geheißen wird. Auch da haperts oft.

Gleiches gilt auch „am anderen Ende“. Wenn man geht, sagt man „Tschüss“, „Bis bald“ oder „Auf widersehen“ und hat auch hier das Recht, aus der Runde beispielsweise ein „Tschüss mach‘s gut“ oder ähnliches mit auf den Weg zu bekommen. Und wenn es tatsächlich etwas förmlicher sein soll, beispielsweise im beruflichen Umfeld, dann darf man sich durchaus auch einmal die Hand geben.

Darf ich vorstellen …

Du gehst mit jemandem, den Du gut kennst durch die Gegend und triffst jemanden, den Du selbst nicht kennst, aber Deine Begleitung. Die beiden sprechen eine Weile miteinander. Du stehst wie der Ochs vorm Berg daneben dumm und stumm herum und starrst in den Himmel oder auf Deine Schuhe. Nach einer Weile trennt man sich und Du gehst mit Deiner Begleitung weiter. Das mag eine grenzwertige Sache sein, aber ich finde es in solchen Situationen gut, wenn man vorgestellt und „bekannt gemacht“ wird.

Aber dass dann jemand sagt „Darf ich vorstellen, das ist ….“, passiert heute auch sehr selten. Ich ergreife bei solchen Situationen dann oft die Initiative und stelle mich einfach selbst vor. Noch schräger finde ich es, wenn später nach der Begegnung die Begleitung plötzlich erläutert: „Das war übrigens ….“.

Dieses kurze Vorstellen macht die Situation für alle entspannter. Du als Begleiter fühlst dich nicht mehr ganz so überflüssig oder als Störfaktor und dem Fremden geht es anders herum garantiert ähnlich. Er fragt sich nicht mehr, wer das ist, den sein Bekannter da im Schlepptau hat.

Wie heißt das magische Wort?

Hände hoch, wer diesen Spruch als Kind oft von seinen Eltern gehört hat?! Ich hab das gehört und von meinen Eltern gelernt, dass man Danke und Bitte sagt. Was ich häufig beobachte ist, dass Kinder mit dieser Übung keine Probleme haben und völlig selbstverständlich Danke und Bitte sagen. Aber ab Jugendlichen wird’s schon eng und viele Erwachsene gehen heutzutage mit schlechtem Beispiel voran. Scheinbar ist es zu viel verlangt, für das Mühen eines anderen mit einer so kleinen Geste Anerkennung und Freude zu zeigen.

Kommunikative Höflichkeit

Auch in der Kommunikation gibt es eine Art unausgesprochene Höflichkeit. Unausgesprochen deshalb, weil es hier weniger um bestimmte Worte als um ein Verhalten geht. Was meine ich? Ich meine, dass ich es beispielsweise ätzend finde, wenn man auf eine gestellte Frage einfach keine Antwort bekommt. Keine ausführliche Antwort, kein Ja, kein Nein, kein Vielleicht, sondern einfach gar keine Reaktion. Gut man könnte ja jetzt die Regel „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ bemühen.

Aber ich finde es einfach unhöflich Fragen offen im Raum stehen zu lassen. Ich finde wer eine Frage stellt, darf eine Antwort erwarten. Da fragt man jemanden z.B. auf digitalem Wege „Wie geht es Dir?“ Und es kommt kein „Gut“, „nicht so gut“ oder „Nerv mich nicht“, sondern einfach nix. Find‘ ich doof und unhöflich. Ok, wenn man sich um das Wohlergehen eines anderen sorgt und „Nerv mich nicht“ zu hören bekommt, ist das auch grenzwertig, aber mir ist das immer noch lieber als Schweigen im Walde.

Sozial-inkompatibles Benehmen

Dann möchte ich hier noch einige Beispiel für Unhöflichkeiten im „öffentlichen Benehmen“ nennen, die ich fast täglich beobachte. Beispielsweise wenn Du bei uns im Bürogebäude mit dem Fahrstuhl im Erdgeschoss ankommst. Da gibt es Spezis, die stehen direkt vor der Tür und machen keinen Deut Platz, damit Du ungehindert aussteigen kannst. Und die ganz krassen Typen drängen in den Fahrstuhl hinein, noch während Du versuchst, diesen zu verlassen. Das Leute im Erdgeschoss aussteigen wollen und keine Rundreise im Fahrstuhl gebucht haben, sollte klar sein. Aber das gleiche Szenario geschieht tagein tagaus.

Oder Du gehst über den Bürgersteig und dir kommen mehrere Leute nebeneinander entgegen. Keiner macht mal ein bisschen Platz und Du musst auf die Straße um auszuweichen. Heute ist es außer Mode gekommen aufeinander Rücksicht zu nehmen. Es wird drauf gehalten, umgerannt, sich durchgeboxt. Und vom Autoverkehr will ich in dieser Hinsicht gar nicht erst anfangen.

Manchmal wird Höflichkeit auch missverstanden

Mag ja sein, dass ich jetzt wieder als konservativ abgekanzelt werde, aber ich habe noch gelernt, dass man anderen Menschen und vor allem Damen die Tür aufhält. Auch das ist für mich höflich. Aber manche kriegen Höflichkeit auch in den falschen Hals.
Es mag vielleicht zwei Jahre her sein, da habe ich einer (fremden) Dame, die hinter mir ging, die Tür zu einem Geschäft aufgehalten. Prompt wurde ich recht unwirsch angeranzt: „Ich bin emanzipiert, ich kann mir die Tür selbst aufmachen!“ Bitte, wer nicht will der hat schon, trotzdem halte ich anderen Menschen weiterhin die Tür auf.

Schade …

… das man sich überhaupt über so etwas ärgern muss. Manchmal könnte ich Leuten sozusagen ins Gesäß treten, auch denen, die ich kenne und sehr mag. Das lasse ich dann aber (meistens) weil auch das nicht höflich wäre. Und weil niemand perfekt ist und selbstverständlich auch ich natürlich (nicht nur) in dieser Hinsicht Fehler mache, würde ich mir wünschen, dass das mit dem Gesäß treten auf Gegenseitigkeit beruht. Also im übertragenen Sinne. Menschen, die nicht erfahren, dass sie Fehler machen, können daraus auch nicht lernen.

Aber noch viel mehr würde ich mir wünschen, dass Menschen einfach grundsätzlich netter und höflicher miteinander umgehen. Ein nettes Lächeln und ein paar liebe Worte sind ein so schönes Geschenk, das man jemand anderem täglich machen kann. Wir können uns alle gegenseitig den Tag so verschönern, wenn wir freundlich sind.

Wer Du ein Gesicht machst, als ob Du kotzen könntest, dann siehst Du auch für andere zum Kotzen aus. Das wirkt sich auf den Umgang miteinander aus. Was passiert wohl, wenn Du anderen mit einem Lächeln und strahlenden Augen begegnest und ihnen einen schönen Tag wünschst?! Es gibt Menschen die können das! Die nette hübsche Kassiererin hier in Darmstadt bei T-Online im Kiosk schenkt mir und jedem anderen Kunden morgens ein Lächeln und wünscht einen schönen Tag. Was für ein wunderbarer Start in einen Arbeitstag!

Und wer mich wegen meinem Wunsch nach mehr Höflichkeit und „Nettigkeit“ in der Welt für einen konservativen Spießer hält, dem sage ich „Danke, damit kann ich prima leben. Und Dir noch einen schönen Tag!“

Danke, aber ich muss mal Tempo rausnehmen …

… sagte gestern eine Bekannte von mir auf die Frage, ob wir heute Vormittag laufen gehen sollen. Klang nach Stress beziehungsweise nach Maßnahmen dagegen. Ob das damit gemeint war, weiß ich nicht, vielleicht ging es auch nur ums Laufen. Aber das brachte mich zum Nachdenken und ich komm nicht umhin, euch die Ergebnisse der Denkerei mitzuteilen. Wer’s nicht wissen will, bitte hier an dieser Stelle das Lesen einstellen und die Seite schließen.

Entschleunigen ist wichtig und wenn man merkt, dass es nötig ist sollte man es tun! Ich weiß wovon ich rede und ihr kennt dieses Gefühl garantiert auch alle. Obwohl ich es ja mag, wenn das Leben mit ein paar Umdrehungen mehr läuft.  Wenn morgens so um 9:20 ein Kollege oder auch ich aus der frühen Redaktionskonferenz kommt/e, und es heißt „Bis zehn Uhr das Thema für die Top Box 4 am besten noch mit einer kleinen Fotoshow“ und es ist noch kein Wort geschrieben, dann geht’s rund. Ich mag diese hektische Betriebsamkeit, dieses Arbeiten unter gesundem Zeitdruck durchaus und das treibt mich auch an und verleiht mir mehr Energie als Kaffee.

Entschleunigen...
Entschleunigen...

Manchmal wundern sich auch Leute über mein wöchentliches Pensum und sagen: „Was Du so alles machst! Der Job, dann die ganzen Sachen und Ämter bei der DLRG, Singen im Gesangverein und zwischendurch noch der ganze Sport. Jetzt auch noch Spanisch lernen und so weiter. Ist dir das nicht zu viel?“ Nein ist es nicht, sonst würde ich es ja nicht tun. Was soll ich abends daheim alleine vor der Glotze sitzen und selbige leer gucken?!

Mir tut diese Action gut! Aber dennoch gibt es Zeiten, in denen ich merke, dass ich mal entschleunigen muss. Mal ein bisschen in Zeitlupe fliegen oder ganz abschalten. Und deshalb, wertgeschätzte Leserschaft, hier meine persönlichen Empfehlungen zum Entschleunigen:

’n bisschen vom Gas gehen

Das ist dann fällig, wenn Du einen anstrengenden Tag hattest oder wenn Dir irgendeine Kleinigkeit durch den Kopf geht.  Hier empfehle ich zwei mögliche Maßnahmen.

1. Gas geben! Hä?! Entschleunigen durch Beschleunigen? Klingt paradox, ist aber so! Geh, mach Sport und power dich aus! Wenn ich laufen oder schwimmen gehe oder Krafttraining mache und mich körperlich fordere, kann ich mental sehr gut entspannen und abschalten! Klingt nach Klischee, ist mir aber egal, denn es funktioniert! Ich kann mir den Kopf leer oder frei laufen oder schwimmen. Ich fühle mich danach matt und entspannt.

2. Ein kleiner Genuss. Nimm ein Glas guten Whisky und setze dich Abends im Dunklen auf Deine Terrasse. Das funktioniert bei mir wunderbar. Nach einem anstrengenden Tag mit einem guten Single Malt auf meiner Terrasse im Dunklen sitzen – Kerzen sind erlaubt, elektrischen Licht nicht – ein bisschen leise Musik hören, die zum Whisky passt, und in die Nacht hinein schauen. Ich empfehle jetzt im Sommer einen leichten sommerlichen Single Malt, wie beispielsweise einen Glengoyne 10 Years old oder einen Glen Grant Majors Reserve.  Im Herbst und Winter dürfen es gerne richtig rauchige Single Malts sein wie ein Talisker oder Lagavulin. Ok Du darfst hier natürlich einen Genuss Deiner Wahl genießen. Wenn es bei Dir Schokolade oder Gummibärchen sind, hau rein.

Gang raus und rollen lassen

So was ist fällig, wenn man mehrere anstrengende Tage hinter sich hat oder sonst irgendwie den Kopf zu oder das Herz schwer hat. Dann muss man sich schon eine mehrstündige Entschleunigung gönnen! Hab ich gestern erst gemacht. Ich war im Bäderhaus in Bad-Kreuznach und hab es mir während der „langen Sauna-Nacht“ bis ein Uhr nachts gut gehen lassen. Beim Schwitzen tritt nicht nur Schweiß aus dem Körper aus, auch so manche mentale Schlacke löst sich und verschwindet. Die indische Ölmassage war wunderbar entspannend und der nette Masseur hat auch dieses Stück Beton in meiner linken Schulter wieder zu einem beweglichen und funktionstüchtigen Muskel geknetet. Dann einfach noch auf einer der Liegen liegen, ein Buch lesen und die Zeit verstreichen lassen. Der Mitternachtsaufguss in der 90-Grad-Sauna (nein nicht Winkel-Grade!!!!) hat nochmal richtig aufgeheizt und entspannt. Hätte da um ein Uhr nachts nicht noch die Heimfahrt angestanden, hätte ich sofort ins Bett fallen können. Also ein paar Stunden Wellness eignen sich bestens für’s „Gang raus und rollen lassen“.

Vollbremsung, anhalten, abschnallen und aussteigen

Ja es gibt auch so Momente, wo man mal richtig die Faxen dicke hat. Wo einem nicht nur alles zu viel wird, sondern einem etwas oder jemand so richtig zum Hals raus hängt, ankotzt, auf die Nüsse geht etc. Das sind so Momente, wo man nicht nur entschleunigen, sondern mal einen Moment richtig anhalten muss. War bei mir letztes Jahr im September so weit. Durch einige nicht nette Dinge (und in dem Moment auch nicht nette Menschen), hatte ich genug.

Also Mittwochs ein Hotelzimmer in Paris reserviert und Freitagnachts mit Gepäck und Hund im Auto los gedüst in die Stadt an der Seine. Dann Samstag und Sonntag bei aller bestem Bilderbuchwetter mit meinem Hund durch die Stadt gelatscht. Insgesamt 30 Kilometer. Keine konkreten Ziele, einfach nur spazieren gehen. Stunden lang. Vollkommener Tapetenwechsel und damit Abstand zu sich selbst, um mal ein paar Sachen vom Tisch zu grübeln. Quasi das mentale Betriebssystem neu booten, die eine oder andere Sache deinstallieren, um mal in meinem Metier als IT-Journalist zu bleiben.

Damit das klappt, musst du aber eine ganz wichtige Regel beachten!! Sag niemandem Bescheid! NIEMANDEM! Hau einfach ab! Sonst klappt das nicht! Denn wenn Du Leuten Bescheid sagst, wird ein Teil Dir diese Spontanität warum auch immer auszureden versuchen. Andere werden Dir sagen was Du in Paris – oder wohin auch immer Du abhaust – alles tun sollst. Sachen wie: „Ja in Paris, da musst Du Dir aber unbedingt DIESUNDDAS anschauen und bei XY essen. Und das Museum BLABLA solltest Du dir nicht entgehen lassen.“ Mit anderen Worten Du kriegst schon wieder mentales Gepäck aufgeladen, das bei diesem wichtigen und gesunden Egotripp als unnötiger Ballast nur hinderlich ist. In so einer Situation hast Du sowieso genug Lasten im Kopf. Fahr nur mit Dir selbst und nimm niemand anderen mit, auch nicht im Kopf. Ok, im Kopf schon, wenn der oder diejenige(n) Ursache für den Egotripp ist(sind) und auch mit vergrübelt werden muss(müssen).

Ich rede hier nicht von einem Urlaub. Nichts lang geplantes über zig Tage mit Programm und so weiter. Ich rede davon, spontan mal ein paar Stunden oder ein bis zwei Tage abzuhauen. Gerade so lange, dass es die Leute, denen Du es NICHT sagst, auch nicht merken (solange sie nicht auf deinem Handy anrufen). Wenn Dein Kopf Dir sagt „Du hälst es nicht mehr aus, Du musst hier (mal) raus!“, dann tue genau das! Davon rede ich.

So, diese meine Tipps sind zur Nachahmung – gerne auch auf den eigenen Geschmack oder Bedarf adaptiert – empfohlen.

Fit am Arbeitsplatz oder 3000 Schritte und Treppen für’n Knackarsch

Unlängst habe ich in einer Männerzeitung – nein nicht Playboy sondern Gentlemans Quarterly (GQ) – über Fitnesstipps für den Alltag gelesen. Da stand, dass Mann (Frau auch) jeden Tag mindestens 3000 Schritte tun soll. Und es wurden diverse kleine Fitnessübungen vorgeschlagen, die auch am Arbeitsplatz funktionierten. Beispielsweise Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren. Dort stand dazu zu lesen, dass Mann immer zwei bis drei Stufen auf einmal nehmen solle, denn das sei ein prima Training für einen knackigen Po. Unlängst habe ich (mal wieder) festgestellt, dass Frauen absolut Gefallen an einem hübschen Männerpo finden. Ok in diesem speziellen Falle war es vor allem Missfallen an einer schlaffen und hässlichen maskulinen Kehrseite.

Auch Frauen finden einen knackigen Po schön.
Auch Frauen finden einen knackigen Po schön.

Also habe ich mir gedacht, dass ich mal meine übliche Mittagspause auf ihren Fintesswert hin überprüfe. Bitte schön, hier der Verlauf des Experiments.

Ich habe mir die iPhone-App „Step Cal“ installiert. Das ist ein Schrittzähler. Dann habe ich die Schrittlänge über „Nach Körpergröße schätzen“ festgelegt und noch mein Körpergerwicht eingegeben. Als ich dann in die Mittagspause bin, habe ich den Schrittzähler in dem Moment gestartet, als ich mich aus dem Bürostuhl erhoben habe und erst gestoppt, als ich mich nach 45 Minuten wieder in selbigen gesetzt habe. Ich habe mit Step Cal alles getrackt, also auch sechs Stockwerke Treppen hinab steigen und später das selbe wieder rauf. Ihr wisst schon, wegen dem Knackarsch!! Ich benutze vor allem auf dem Weg nach unten meistens nicht den Fahrstuhl.

Ich habe das Gleiche gemacht, dass ich jede Mittagspause mache. Ich bin zunächst runter in die Kantine und habe zu Mittag gegessen. Dann habe ich meinen üblichen Spaziergang um den Block gemacht. Das sind meist zwei bis drei Runden in zügigem Spaziertempo. Diesmal zweieinhalb. Und hier hier das Ergebnis:

Der Beweis. Meine Mittagspause ist fit!
Der Beweis. Meine Mittagspause ist fit!

Ich habe 3271 Schritte gemacht, damit also das in der GQ vorgschlagene Tagespensum bereits erfüllt. Ich war 39,52 Minuten in Bewegung inklusive der knapp acht Minuten Mittagessen im Sitzen. Beim Sitzen bewegt man sich auch ein bisschen und da hat der Tracker wohl die Zeit teilweise weiter laufen lassen. Ich habe 2289 Meter zurück gelegt, das sind 2,28 Kilometer! Dabei waren außerdem auch Höhenmeter vom Treppensteigen. Ihr wisst schon, Stichwort Knackarsch. Und dabei habe ich 216 Kcal verbrannt. Ich darf also mit Fug und Recht behaupten, meine Mittagspause ist ziemlich fit. Ok ich hab natürlich zu Mittag gegessen, also auch Kalorien aufgenommen. Und wie immer habe ich mir ein Eis am Stiel gekauft für meine Runde um den Block. Kleine Genüsse sind erlaubt und wichtig. Aber wenn ich an so manche Kollegen denke: Mit dem Fahrtstuhl runter, Essen in der Kantine und 40 Minuten hocken bleiben. Dann mit dem Fahrtsuhl wieder rauf. Ok, ich fahre auch öfters mit dem Fahrstuhl, aber solange es nicht regnet macht ich IMMER meine Runden um den Block. Denn wenn ich acht und mehr Stunden nur sitzen müsste, dann würde ich ziemlich hibbelig werden.

Werd gefälligst endlich schwanger!!!

Heute Morgen beim Warten auf der Fähre tat ich das, was ich morgens immer beim Warten auf die Fähre tue. Ich habe die Allgemeine Zeitung gelesen. Dort bin ich dann über folgende Schlagzeile gestolpert:

Baby-Botschaft im schwedischen Königshaus

Im dazugehörigen Artikel stand dann folgendes zu lesen: „Die Schweden wetten schon auf Name und Geschlecht: Thronfolgerin Victoria ist schwanger. Das Land ist begeistert. Und das Königshaus hat gute Nachrichten nötig. Der Blick der Monarchiefans richtet sich jetzt schon auf William und Kate sowie Charlene und Albert.“

Wenn Majestät nicht schwanger würde .......
Wenn Majestät nicht schwanger würde .......

Ein junges Prinzenpaar zu sein muss echt ätzend sein. Noch nicht richtig vom Traualtar entschwebt, fragt nicht nur die ganze royale Sippe: „Ist sie schon schwanger?“ Und wehe der hoheitliche Bauch wird nicht binnen kürzester Zeit dick, schon lästern Volk und Boulevardpresse und fordern die Produktion von königlichem Nachwuchs ein.

Ich habe in meiner Verwandtschaft schon vor etlichen Jahren einigen Tanten Sprüche wie „Wann kriegt deine Mama denn endlich eine Schwiegertochter und Enkelchen?“ oder „Wann suchst Du Dir endlich eine schöne Frau?“ recht barsch (ging nicht anders) aber wirkungsvoll ausgetrieben*. Nicht das ich etwas gegen eine schöne Frau an meiner Seite hätte, im Gegenteil. Aber mein familiärer Status steht hier heute nun mal nicht zur Debatte. Zurück zu Königs.

Soso. Victoria und Daniel haben es also geschafft und mit fleißigem blaublütigem Beischlaf endlich Nachwuchs auf Kiel gelegt. Aber was passiert denn, wenn der guten Victoria der Fauxpax passiert und sie eine Tochter bekommt? Sagt dann Sippe und Nation – statt sich über das Kind zu freuen – etwa: „Wiiieeee? Kein Thronfolger?! Ok, nächster Versuch!“ Oder sieht man das bei Monarchien heute nicht mehr so verbissen? Aber dennoch haben Victoria und Daniel es geschafft, die Nachwuchs-Arschkarte an William und Kate sowie Charlene und Albert weiterzureichen, wie wir in der AZ lesen können.

Ich kann mir das schon richtig vorstellen, wie das bald in Großbritannien laufen wird. William und Kate mühen sich allnächtens auf das Fleißigste. Und immer wenn Kate dann mit dem B-Test auf dem königlichen Klo verschwindet und wieder raus kommt, fragt William: „Und?“ Dann wird ein Palastscherge das Testergebnis sogleich an Oma Elisabeth weitermelden. Ist dieses negativ, muss das bedauernswerte Prinzenpaar sogleich den nächsten Staatstermin absagen und den nächsten Zeugungsversuch starten.

Hofft auch Themse-Ellie auf ein positives Ergebnis bei Kate?
Hofft auch Themse-Ellie auf ein positives Ergebnis bei Kate?

Und wenn sich da binnen der nächsten 12 bis 24 Monate nichts tut, wird Themse-Ellie vermutlich die beiden zur Audienz bitten, um ihnen zu sagen, dass sie ganz und gar nicht „amused“ ist. Und dann wird sie vermutlich drohen: „Ich mach so lange weiter, bis ich Uroma werde und ihr einen Thronfolger zu Wege bringt?“ Der arme Charlie darf sowieso nicht mehr auf den goldenen Stuhl, bei dem Standvermögen seiner Frau Mutter! Und sollten die beiden die Frechheit besitzen, vorerst mal keine Kinder zu wollen und deshalb zu verhüten …. Nicht auszudenken! Da würden die bestimmt des Landes verwiesen.

Aber wie gesagt, die „Monarchiefans“ haben ja jetzt erst mal in Schweden Babyglück zu bejubeln. Bald wird uns in der Boulevardpresse dann wieder der gephotoshopte Babybauch von Vicroria präsentiert. Und die Fotomonteure werden bestimmt auch bald adäquate Säuglinge in die königlichen Arme drapieren, damit wir schon mal „vorkucken“ können, wie die glücklichen Eltern mit dem königlichen Nachwuchs ……

…. Neee. Prinzenpaar zu sein ist echt ziemlich ätzend. Du bist öffentlich verliebt, verlobt und verheiratet. Du wirst öffentlich schwanger, dann öffentlich Mama und Papa. Deine Kinder wachsen öffentlich auf und die halbe Nation und alle Medien mischen sich in dein Privatlebe ein. Und gestorben wird eines Tages auch sowas von öffentlich.

* Kennt ihr das auch? Dieses Gedrängel von Verwandten und Bekannten, wenn ihr a. längere Zeit solo oder b. längere Zeit verheiratet aber noch keine Eltern seid. All diese Sprüche, die dann immer kommen: „Wäre der/die nix für dich?“ „Los geh doch mal rüber und sprich sie an!“ „Und, wann habt ihr Nachwuchs geplant.“ „Du musst mal tanzen gehen, da lernste auch jemanden kennen.“ „Hey ich dachte Du wärst längst Mama.“ Was sind Eure meist gehassten Sprüche, die ihr da schon verpasst bekommen habt?

Komm Matroschka, einer geht noch… oder: Zwei Russinnen beim israelischen Büffet

Letzte Woche waren wir zu Dritt in Prag und haben uns die goldene Stadt an der Moldau angesehen. Ich will jetzt nicht erzählen wie wunderschön diese Stadt ist und wie viel Kultur dort geboten wird, denn das würde die Länge eines üblichen Blogeintrages um ein Vielfaches sprengen. Ich will jetzt nicht berichten, dass das Bier dort nicht nur sehr lecker, sondern auch so günstig ist, das man sich für ganz wenig Geld massiv aus der Umlaufbahn schießen könnte.  Letzteres haben wir nicht getan und wenn ginge Euch das auch garnix an. Nur ein Tipp: Krusovice ist echt lecker! Nein ich will mal wieder von einer teilnehmenden Beobachtung berichten. Von einer Szene, die sich allmorgendlich in unserem wunderschönen Hotel, dem Amigo City Center, im Frühstücksraum wiederholte.

Unser schönes Hotel "Amigo" in Prag.
Unser schönes Hotel „Amigo“ in Prag.

Wenn wir drei Hübschen zum Frühstück kamen, waren sie meist schon da. Zwei Russinnen – vermutlich, von der Sprache her beurteilt – geschätzt Mitte Zwanzig. Die eine wurde schon in der Bibel erwähnt, denn dort steht doch „eine lange Dürre wird kommen“. Die andere hatte eher das Format einer dieser Matroschka-Puppen. Wisst ihr, diese hohlen Puppen, die man ineinander stecken kann. Du machst eine auf, in der steckt eine etwas kleinere in der eine etwas kleinere steckt in der eine etwas kleinere steckt in der eine etwas kleinere steckt….. Und diese Russin hatte die Form der äußersten runden bauchigen Puppe.

Die Matroschka-Puppe.
Die Matroschka-Puppe.

Die unglaubliche Kalorienmenge, die diese beiden allmorgendlich der Vernichtung anheim fallen ließen, war mindestens eines, wenn nicht sogar zwei Sumoringern würdig. Diese beiden Mädels haben sich Quantitäten eingefahren, als gäbe es den ganzen restlichen Tag nichts mehr zu futtern. Gut, vielleicht war das ja Sinn und Zweck der Übung. Getreu dem Motto, das Frühstück im Hotel ist umsonst, also fressen wir da bis zur Refluxösophagitis (bitte googeln!!) und legen dann noch was nach. Dann müssen wir tagsüber nichts mehr zu Essen kaufen. Dabei ist das Essen in Prag nicht nur lecker sondern auch günstig, solange man nicht spät um Nachts im Touristenzentrum in einen Laden einkehrt, bei dem man sogar das BESTECK BEZAHLEN MUSS!

Die Schlacht am Büffet

Ok. Zurück zu Matroschka und der Dürren. Von mir aus darf sich ja jeder so ins Koma fressen, wie es ihm oder in diesem Falle ihr beliebt. Aber die Art und Weise, wie die beiden Komsomolski-Schwestern das taten, war sehr unfein und unhöflich. Nicht dass sie das Essen irgendwie unflätig mit den Finger in den Mund gestopft hätten oder gekrümelt, getropft oder gekleckert hätten. Nein es geht mir um die Art, wie sie sich am Büffet benommen haben. Ich will das mal szenisch beschreiben:

Stell Dir vor, Du stehst am Frühstücksbüffet. Und möchtest so eine leckere gegrillte Tomate haben. Die Servicekraft aus der Küche hat eben gerade den Warmhaltebehälter mit einer frischen Ladung gegrillter Tomaten gefüllt, so etwa zehn bis zwölf Stück an der Zahl. Vor Dir steht die lange Dürre, schnappt sich die Vorlegezange und lädt sich damit alle Tomaten auf den Teller. Ja Du hast richtig gelesen:  ALLE! Hinter ihr stehen Leute an und sie kann nicht so doof sein, dass sie denkt, die Leute stehen da nur zum zuschauen. Aber sie nimmt ALLE Tomaten. Sie geht und es sind KEINE Tomaten mehr da. Und so ging es mit allem. Alles wurde in gigantischen Mengen auf Teller geladen und an den eigenen Platz geschleppt. Da gab es beispielsweise immer so leckere Kaffeestückchen mit Mohnfüllung oder Apfelmuss. Auch kleine Schokokuchen. Auch die wurden auf einen Teller geladen und wenn der bedeckt war, ja dann wurde einfach eine zweite Schicht drauf gepackt.  Spiegeleier das gleiche, Teller rand voll. Speck und diese kleinen Würstchen auch das gleiche, soviel wie auf den Teller passt und dann noch zwei mehr.

Ziemlich schnell ziemlich leer, wenn unsere beiden Russinen in Aktion traten.
Ziemlich schnell ziemlich leer, wenn unsere beiden Russinen in Aktion traten.

Wie in Israel

Meine Mitreisende erläuterte bei dem sich immer wieder wiederholenden Schauspiel: „Das ist wie in Israel. Da machen die das auch so. Da wird quasi auf dem eigenen Tisch ein separates kleines Büffet aufgebaut. Und was nicht gegessen wird, wird einfach liegen gelassen. Auf den Tischen sieht es dann total chaotisch und unordentlich aus.“ Und seit dem sprachen wir nur noch von den beiden Russinnen mit dem israelischen Büffet. Das die immer schon da waren, wenn wir kamen, hatte ich erwähnt. Muss ich erwähnen, dass die auch immer noch da waren UND aßen, wenn wir wieder gingen?! Das Personal im Frühstückraum erlag bei dem Anblick der Ladeorgien von Matroschka und der Dürren ihrer höflichen Erziehung und schritten nicht ein. Aber die Blicke sprachen die sprichwörtlichen Bände

Und dann habe ich zugeschlagen

Am Freitag, dem Tag unserer Abreise, war es dann soweit. Ich konnte diesem unverschämten Treiben nicht mehr länger zusehen. Matroschka stand beim Brot an, und die Dürre nahm wieder einmal ALLE gegrillten Tomaten, die kaum eine Minute zuvor in den Warmhaltebehälter gelegt worden waren.  Sie brachte den überladenen Teller an ihren Tisch. Dann ging die Dürre zu Matroschka und beiden begannen Kaffeestückchen zu laden. Da habe ich zugeschlagen! Ich habe mir meine Teetasse geschnappt, bin an dem Tisch von Matroschka und der Dürren vorbei und habe mir den Tomatenteller gegriffen und den auf einen anderen Tisch in einer Nische gestellt, die lustiger weise direkt neben der Nische war, in der die beiden Büffet-Hyänen saßen und aßen. Dann habe ich mir frischen Tee geholt.

Vor allem auf die Tomaten hatten sie es abgesehen.
Vor allem auf die Tomaten hatten sie es abgesehen.

Die eine Bedienung im Frühstücksraum  hat mich bei meinem Angriff auf das Tomatenlager von Matroschka und der Dürren genau beobachtet. Aber sie hat nichts unternommen. Sie hat nur gegrinst und ich konnte sehen, dass sie sehr mit sich kämpfen musste um nicht laut zu lachen oder vielleicht Beifall zu klatschen.

Ja und dann kamen Matroschka und die Dürre an ihren Tisch zurück und bemerktem sofort die Abwesenheit des Tomatentellers. Ihr hättet sie sehen sollen!  Wie zwei KGB-Offiziere/innen patroulierten sie durch alle Räume und äugten wenig unauffällig auf allen Tischen, um zu sehen, wo ihr Tomatenteller abgeblieben ist.  Das der direkt in der Nische neben der ihren stand, haben sie nicht gerafft. Eine Servicekraft kommt aus der Küche und bringt wieder eine große Ladung frische gegrillte Tomaten. Wir drei haben uns sofort mit Blicken verständigt und sind ans Büffet gegangen und haben uns jeder eine gegrillte Tomate geholt. Auch andere Gäste nutzen die Gunst der Tatsache, dass Matroschka und die Dürre ihre Suche gerade außer Sichtweite des Büffets durchführten und bedienten sich.  Eine einzige gegrillte Tomate konnte Matroschka dann noch erbeuten. Und wieder das sehr zufriedene Grinsen der einen Bedienung.

Übrigens ist es mir ein Rätsel, wie es die Dürre bei diesen Fressorgien schafft, so anorektisch zu bleiben. Aber Essstörungen wie die Fress-Kotz-Sucht sind vielleicht auch in Russland durchaus existent. Denn die Dürre war wirklich beängstigend dürr, schlug aber genauso zu wie Matroschka.

Tja, das war ein Erlebnis aus unserem wunderbaren Urlaub in Prag, das wir so schnell nicht vergessen werden, und dem hiermit das satirisch-humoristische Denkmal gesetzt sei.

Wichtige Anmerkung: Dieser Text sei bitte nicht so misszuverstehen, dass ich etwas gegen Russen, Israelis oder irgendwelche anderen Volksgruppen habe. Das Ganze ist lediglich eine satirisch-kritische Beschreibung tatsächlich live beobachteter Geschehnisse.

Spam? Aber doch nicht so Du Stümper!!! ¡Qué imbécil!

Heute bekam ich mal wieder eine Spam-Nachricht. Diesmal aber nicht per E-Mail sondern innerhalb von www.babbel.com, einem Online-Sprachkurs-System, mit dem ich mir derzeit Spanisch beizubringen versuche. Innerhalb dieser Seite gibt es auch ein Nachrichtensystem. Schaut selbst, was ich da bekommen habe:

Hallo
Guten Tag, mein Name ist begünstigen.
Ich bin ein junges Mädchen, Einzel nie verheiratet und ich werde gerne wissen, you.I lesen Ihr Profil heute an (www.babbel.com) und ich wurde interessiert in Ihnen, ich werde wie uns zu halten kommunizieren, schreiben Sie mir bitte durch meine E-Mail-Adresse (nfavour22@yahoo.com), so dass ich Ihnen mein Bild für Sie zu wissen, wer ich bin.
(Denken Sie daran, dass das Alter, Entfernung oder die Farbe spielt keine Rolle)
Ich werde glücklich sein zu sehen, eine gute Antwort von Ihnen
Vielen Dank und weiterhin gesegnet.
Mit freundlichen Grüßen zugunsten

¡Qué imbécil! Es el idiota del día!

Depp des Tages (Symbolbild: stock.xchng)
Depp des Tages (Symbolbild: stock.xchng)

Lass die doch schreien. Sind doch nur alte Leute, die sterben eh bald.

„Haalllllooooooo, haaaaaaallllloooooooooo!!! Hiiiilfeeeee. Hört mich jemaaaaaand. Holt mich rauuuuussss. Haalllllooooooo!!“

Es ist die Stimme einer alten Frau die da ruft. Verzweifelt ruft. Sehr laut ruft. Sie rief gestern Abend! Sie rief die GANZE Nacht! Sie rief heute Morgen, als ich das Auto aus der Garage holte, um zur Arbeit zu fahren! Sie ruft seit mindestens drei Tagen!! Sie ruft aus ihrem Zimmer im Altenzentrum „Stiftung Zivilhospiltal“ Oppenheim. Und was passiert? Nichts! NICHTS!!!! Das Personal in diesem Altenheim lässt die Frau rufen. Stundenlang! Tagelang!

Die Würde des alten Menschen ist ... irrelevant? (Symbolfoto: stock.xchng)
Die Würde des alten Menschen ist ... irrelevant? (Symbolfoto: stock.xchng)

Und so geht es, seit ich da in der unmittelbaren Nachbarschaft wohne. Alle paar Monate hört man wieder alte Menschen rufen und schreien. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Fenster offen stehen. Letztes Jahr im Sommer eine Männerstimme: „Hiiiiiiillllffeeeeeeeee!!“ Immer wieder. Nächtelanges Schreien. Dann wählst Du die Nummer, die auf deren Webseite steht. Eine Bandansage gibt die Bürozeiten durch und nennt eine Nummer, die in Notfällen außerhalb der Bürozeiten anzurufen ist. Dann rufst Du die an. Es geht keiner dran. Vor Jahren, als wieder ein alter Mensch tagelang schrie, habe ich schließlich mal die Polizei gerufen und das Ganze gemeldet. „Wir fahren mal hin“, sagten die Beamten.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Dies ist der erste Satz im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Aber wenn ich wieder dieses Schreien höre, dann scheint es eher so, dass die Würde des Menschen, dieser Menschen im Oppenheimer Altenheim, nicht unantastbar ist, sondern irrelevant!! Warum sonst sagt so mancher in Oppenheim: „Wenn Du zu alt und klapprig wirst, kannst Du froh sein, wenn Du stirbst, bevor Du da rein kommst.“ Warum sagen manche zu dieser Einrichtung „Altersknast“. Und ein Freund von mir sagte mir: „Mein Opa kam da auch rein und zwei Monate später war er tot.“ Ich bin selten so zynisch, aber nachdem alle Jahre wieder dort alte Menschen schreien und schreien gelassen werden, kommt man beinahe zwangsläufig zu dem Fazit, dass ich als Überschrift für diesen Blog-Eintrag gewählt habe. Man hat den Eindruck, dass genau das dort das Credo für den Umgang mit den alten Menschen ist. Man lässt sie liegen und schreien. Man lässt sie mit ihren Ängsten und Nöten alleine. Schaltet die Ohren auf Durchzug. Irgendwann wird das Zimmer dann frei für den Nächsten, der in diese letzte Station vor der Gruft ausgelagert wird. Vielleicht schreit der oder die ja dann nicht oder zumindest leiser.

Und das Problem ist ja nicht auf dieses Altenheim beschränkt und auch systembedingt. Wenig Personal, das wenig verdient. Hohe Kosten. Rigide Minutenvorgaben der Pflegeversicherungen für „Pflegeverrichtungen“ lassen eben keinen Platz für Menschliches und Menschenwürdiges. Das Problem wird sich in vielen Altenheimen wiederfinden lassen. Aber ich wohne nun mal direkt neben dem Altenzentrum „Stiftung Zivilhospiltal“ Oppenheim. Und ich bin mir sicher: Heute Nacht schreit die alte Frau wieder. Und ich bin mir sicher, sie lassen sie wieder schreien!