SchlagwortArbeit

… und ich bin stolz drauf!

Als am Freitag dieses riesige rote Boot an mir vorbei fuhr und auf unseren Hof (der DLRG Oppenheim) rollte, war das der mit Abstand schönste Augenblick in diesem Jahr für mich und man konnte mich ziemlich laut jubeln hören. Und als ich die vor Staunen und Faszination leuchtenden Augen meiner Vereinskameraden (altbackenes Wort ich weiß, aber mir fällt kein besseres ein) sah, die das Boot zum ersten Mal in natura gesehen haben und bewunderten, da lachte mir das Herz im Leibe. Und als dann alle drum und drauf herum krabbelten, sich alles ansahen, anfassten und ausprobierten und von Adler Merian restlos begeistert waren, da habe ich es richtig genossen, erwachsene Menschen zu sehen, die sich benahmen wie ein Kind, das Weihnachtsgeschenke auspackt. Ok, (vor allem) der eine oder andere hatte wohl auch ein bisschen damit zu kämpfen, dass etwas so riesiges, tolles – sagen wir es ehrlich GEILES – und auch durchaus teures wirklich uns gehört. Wenn man es als Verein gewohnt ist, sich mit Bescheidenheit und kleinen Schritten zu begnügen, dann hat es mancher schwer, wenn man ein mal, ein einziges mal, richtig aus dem Vollen schöpfen darf.

Ich-002-2Ich bin ein emotionaler Mensch und als solcher geht man/gehe ich durch Höhen und Tiefen. Prallt an manchen Mensch Vieles scheinbar einfach ab, als hätten die kein Gefühl im Leib und wären seelisch mit Teflon beschichtet, so gehen mir Dinge zu Herzen, an die Nieren und manchmal auch gewaltig auf den Sack. Ich kann mich irrsinnig freuen, abgrundtief traurig sein, mich schwarz ärgern oder auch sehr glücklich sein. Eine frühere Chefin von mir sagte mir im Mitarbeitergespräch einmal, Emotionalität sei (m)eine Schwäche. Liebe Conny, ich habe es Ihnen damals gesagt und ich bin auch heute überzeugt davon, ich halte es für (m)eine Stärke! Am Freitag war definitiv ein sehr emotionaler Tag und zwar ein Tag der Freude und des Glücks!

Bis es soweit war, das wir unser Boot geliefert bekommen, sind mit dem Projekt drei Jahre ins Land gegangen. Denn im Dezember 2007 hat sich die Projektgruppe erstmals zusammen gesetzt, um zu überlegen, ob wir die Chance der Ehrenamtsförderung des Landkreises nutzen und ein neues Boot anschaffen sollen. Diese drei Jahre, vor allem die letzten beiden, waren nicht nur sehr arbeitsreich, sondern auch sehr anstrengend vor allem auch für mich. Voller Höhen und Tiefen. Der absolute Tiefpunkt war im Mai 2009. Damals sorgte ein hier nicht näher zu nennender Mensch durch sein wenig heldenhaftes Verhalten dafür, dass das Projekt zu scheitern drohte. Ich will die unschönen Details hier nicht breit treten, aber damals wusste ich nicht ob ich heulen oder kotzen sollte und hätte fast beides getan. Nachdem wir also unseren Traum vom neuen Boot platzen sahen und das Projekt abgeschrieben hatten, keimte dann dank positiver Signale aus Ingelheim doch wieder Hoffnung auf. Und irgendwann wurde klar, dass es mit „leicht“ geänderten Rahmenbedingungen doch noch klappen könnte.

Damit ging die Arbeit dann erst richtig los. Ich will hier bezüglich der Planungen, Verhandlungen, Diskussionen und auch der unzähligen E-Mails, Telefonate und sonstigen Dinge nicht ins Detail gehen. Dann, als der Bau unseres Bootes tatsächlich los ging, schlossen sich diverse Besuche auf der Werft an und noch viel mehr Telefonate und E-Mails zur Abstimmung von Details. Hunderte Stunden Arbeit, alles ehrenamtlich und neben dem restliche Alltag zu stemmen.

Aber als am Freitag dieses riesige knallrote Boot auf den Hof rollte, wusste ich, die Plackerei und der ganze Stress haben sich absolut gelohnt! Seit Freitag war ich schon drei vier mal in unserem Vereinsheim, um den Anblick des Bootes in unserer Halle zu genießen, mich daran satt zu sehen und auch um zu kapieren, dass es wirklich da steht und uns gehört. Und ehrlich gesagt, ich kann von dem Anblick gar nicht genug kriegen!

Ihr könnt mich gerne für unbescheiden, großkotzig und angeberisch oder was auch immer halten, wenn ich behaupte, dass ich einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu geleistet habe, dass aus einem Traum unserer DLRG Ortsgruppe der reale Adler Merian in unserer Halle geworden ist. Und wisst ihr was! Ich bin stolz drauf!

Hä? Wo ist der Hund?

Allmorgendlich, wenn ich zur Arbeit fahre, bringe ich Giacomo, meinen Hund, zu meinen Eltern nach Nierstein, die ihn tagsüber versorgen. Dann fahre ich mit der Fähre ins Hessenland nach Darmstadt.

Ich halte also heute morgen so um 7:15 Uhr bei meinen Eltern vor dem Haus, steige aus, mache den Kofferraum auf. Kein Hund drin! Ich denke mir: „Hä? Wo ist der Hund?“ Der lag nach wie vor daheim in Oppenheim vor der Haustür auf der Treppe und hat sich vermutlich kurz und knapp gewundert, warum sein Herrchen ohne ihn davon gedüst ist.

Giacomo, oder "48 Kilo gute Laune"
Giacomo, oder "48 Kilo gute Laune"

Das übliche morgendliche Ritual

Ich hab eigentlich das getan, was ich jeden Werktagmorgen tue. Ich habe mit Giacomo an der Leine das Haus verlassen, die Tür hinter mir abgeschlossen und den Hund auf der Haustürtreppe „geparkt“. Dann habe ich wie immer die Allgemeine Zeitung aus dem Zeituntsrohr genommen, bin zur Garage, habe diese aufgeschlossen, das Auto rausgefahren und die Garage wieder abgeschlossen. Normaler weise hole ich dann den Hund von der Haustürtreppe, mach den Kofferraum auf, Giacomo hüpft rein und los gehts nach Nierstein. Nun, diesen letzten Teil des allmorgendlichen Rituals habe ich diesmal vergessen und bin doch tatsächlich ohne Hund einfach losgefahren. Und ich hab es erst, wie oben beschrieben, in Nierstein gemerkt. Also zurück gedüst nach Oppenheim den Hund holen. Und Giacomo guckte mich an als wollte er sagen „Na, auch schon wach, Du Nachtkapp!?“

Das kommt davon, wenn der Kopf schon längst mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt ist, denn daran lags. Ich hab weder gestern gesoffen wie ein Elch, noch heute Nacht schlecht geschlafen. Ich war einfach mit dem Kopf schon einige Aufgaben weiter.