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Was ist Schwachsinn?

Um den Begriff „Schwachsinn“ zu erklären, bieten sich zwei Methoden an.

Man leitet den Begriff von seiner ursprünglichen (medizinischen) Bedeutung her. Dazu liest man in Wikipedia: „Medizinischer „Schwachsinn“ (bei angeborenen Formen wurde der Begriff Oligophrenie synonym gebraucht) galt früher als zusammenfassende Bezeichnung (Oberbegriff) für Debilität, Imbezillität und Idiotie als abgestufte Grade einer Intelligenzminderung. In der psychiatrischen Diagnose entsprach „Schwachsinn“ einer schweren Intelligenzminderung, also einem IQ unter 70.“

(Foto: stock.xchng)
(Foto: stock.xchng)

Ich bin da eher für eine Erklärung, die die heutige Nutzung des Begriffes darlegt. Und ich bin für praktische Beispiele. Deutsche Bürokratie, Politik und Gesetze liefern ein wahres Füllhorn solcher Beispiele und ich möchte eines herausgreifen, mit dem man den Begriff Schwachsinn vortrefflich erklären kann: Den Kauf von Alkohol an Tankstellen!

Unlängst war ich Zeuge des im Fallbeispiel B sinngemäß wiedergegebenen Dialogs.

Fallbeispiel A:

Es ist helllichter Tag. Du kommst ohne Auto mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf eine Tankstelle. Du betrittst den Verkaufsraum derselben und nimmst Chips, Salzstangen, Schokoriegel, ein Sixpack Bier und eine Flasche Wodka und gehst damit an die Kasse. Der Tankwart kassiert wortlos und Du nimmst Deine Einkäufe und machst Dich wieder per Pedes oder pedallierend von dannen. Alles kein Problem.

Fallbeispiel B:

Es ist abends nach 22 Uhr. Du kommst abermals ohne Auto mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf eine Tankstelle. Du betrittst den Verkaufsraum derselben und nimmst Chips, Salzstangen, Schokoriegel, ein Sixpack Bier und eine Flasche Wodka und gehst damit an die Kasse.

Der Tankwart schaut dich an und fragt: „Sind Sie mit dem Auto da?“.

Du: „Nein ich bin zu Fuß da!“ (oder halt mit dem Fahrrad)

Der Tankwart: „Dann darf ich Ihnen das Bier und den Wodka nicht verkaufen.“

Du: „Warum nicht?“

Der Tankwart: „Weil Sie nicht mit dem Auto da sind.“

Du: „Hä? Also man bekommt nur Alkohol verkauft, wenn man mit dem AUTO kommt?“

Der Tankwart: „Ja genau. Ich darf laut Gesetz Alkohol nach 22 Uhr nur an Personen verkaufen, die mit dem Auto kommen.“

Du: „Wieso denn das?“

Der Tankwart: „Der Gesetzgeber erlaubt, dass ich einem Autofahrer alles verkaufen darf, was er zur Weiterfahrt benötigt. Fragen Sie mich bitte nicht, warum dazu auch Alkohol gehört! Aber Personen die ohne Auto kommen, denen darf ich nur bis 22 Uhr Alkohol verkaufen, danach nicht mehr.“

Nachdem ich diesem Dialog gelauscht hatte und der Fußgänger ohne Alkohol von dannen geschmollt war, habe ich mich danach mit dem Tankwart unterhalten. Er sagte, wenn er dabei erwischt wird, dass er nach 22 Uhr Alkohol an Fußgänger oder Personen, die ohne Auto kommen, verkauft, dann wird er bestraft und kann eventuell sogar seine Konzession verlieren. Er könnte dieses Durcheinander nur vermeiden, indem er nach 22 Uhr gar nichts mehr verkauft, außer Sprit. Aber an Kraftstoff verdient er am wenigsten. Um wirtschaftlich überleben zu können, muss er Lebensmittel, Zeitungen und diverse andere Waren verkaufen. Selbst Toilettenpapier und Tampons führt er in seinem Shop. Die Tankstelle hat 24 Stunden an sieben Tagen die Woche geöffnet.

Und schon haben wir ein wunderbares Beispiel für „Schwachsinn“! An einer Tankstelle darf deren Betreiber jedem Kunden ohne Auto nach 22 Uhr alles verkaufen außer Alkohol. Suff darf er indes per Gesetz zu dieser späten Stunde nur einem Autofahrer verkaufen, weil dieser denn wohl ganz legal „zur Weiterfahrt“ benötigt. Das Gesetz verlangt jedoch vom Autofahrer, dass er sein Fahrzeug in nüchternem Zustand steuert und ab 0,5 Promille wird’s teuer, bzw. der Lappen ist schnell weg.

Ich habe mich bemüht, nach einer sinnstiftenden Erklärung für diese Aussagen des Tankwartes zu googlen. Vergeblich!

Was passiert, wenn ein Rheinhesse mit dem Bierpapst und einem netten Typ aus Liverpool …

… in München um die Häuser zieht? Na alle drei haben einen sehr schönen Abend! Ich war gestern auf der Fachtagung „Besser Online“ des DJV. Dort habe ich Conrad Seidl kennen gelernt. Ein echtes Original aus Wien sozusagen, denn er war in zünftiger Lederhose und Tracht mit Lodenmantel unterwegs. Er ist Journalist beim Standard und hat ein Fachgebiet: Bier. Ich hätte nie gedacht, das man an einem Abend so viel über Bier lernen und erfahren kann und ich rede nicht vom trinken, sondern wirklich von Know How. Ok, gestern Abend gingen Know-How und Trinken quasi Hand in Hand.

Er hat seinen eigenen Bierdeckel ;-)
Er hat seinen eigenen Bierdeckel 😉

Aber Conrad trägt den Titel Bierpapst völlig zu recht. Und als wir ins Weisse Bräuhaus der Weissbierbrauerei Schneider kamen, wurde er vom Wirt sogleich per Handschlag begrüßt und bekam doch tatsächlich seinen eigenen Bierdeckel, hier im Bild zu sehen. Als wir uns durch die verschiedenen Spezialitäten der Brauerei probierten und diskutierten, fragte ein Engländer, ob an unserem Tisch noch frei wäre. War es. Und kaum drei Minuten später ging der Rest des Abends auf Englisch weiter.

Ein Österreicher, ein Wiener und ein Rheinhesse sitzen in München beim Bier und diskutieren angeregt über die Existenz – also eigentlich die Nichtexistenz – von Gott, die Schwierigkeiten mit Frauen und der Liebe, gutes Essen und Bier aber auch typische und untypische Eigenarten von Deutschen und Engländern, Schotten und Amerikanern.

Der Abend wurde lang und länger und immer lustiger. Nicht mehr wirklich geraden Schrittes sind wir dann noch in ein Irish Pub und haben ein unverschämt teures Guiness als Absacker getrunken. Um 2:45 Uhr war ich dann im Hotel.

Fazit: Wenn man sich auf andere Menschen, auch Fremde, einlässt, kann man einen sehr unterhaltsamen, lehrreichen und kurzweiligen Abend haben und lernt dabei manchmal echt sehr interessante und nette Menschen kennen. Ok, den Typ aus Liverpool werde ich wohl nie wieder sehen und ich hoffe er ist intakt in seinem Hotel angekommen. Aber wenn ich mal nach Wien fahre, dann weiß ich, mit wem ich dort ein Bier trinken gehen werde!

Was ist „echt krass“?

Echt krass ist, wenn der Wirt einer Kneipe um circa 22:55 Uhr die letzte Runde ausruft, um circa 23:20 schließlich final kassiert … und DANN mit seinen letztem Gästen gemeinsam in eine andere Kneipe geht, um dort noch ordentlich und ausgiebig einen weg zu brennen. Das, liebe Leute, ist echt krass!

Echt krass! Prost!

P.S. Würde bei mir um 6:15 Uhr morgen früh nicht der Wecker bimmeln, glaubt mir, ich wäre mitgegangen! In diesem Sinne wünsche ich Euch den Frieden der Nacht!

🙂