Hab durch einen Kommentar hier auf der Stammhirnrinde auf meinen Beitrag “Bouldern: Klettern mit ohne ganz nach oben” noch ein recht cooles Kletter-Blog gefunden. Nennt sich Kletterfieber und beschäftigt sich neben dem Klettern & Bouldern auch mit Slackline. Die Sammlung cooler Kletter-Videos ist üppig. Darin dann ein weiteres Blog zum Thema entdeckt. Nennt sich Climbr.
So sehen die Finger nach zwei Stunden Bouldern aus.
Nein nicht im märchenhaften und damit klassischen Sinne des Sprichworts. Es geht mehr um die Kreide, die Kletterer so gerne „Chalk“ nennen, die eigentlich “Magnesia” heist und in den bereits erwähnten Chalkbags einsatzbereit bevorratet wird. Ich war gestern wieder zwei Stunden Bouldern im Blockwerk. Ich habe meine brandneuen Kletterschuhe eingeweiht und meinen brandneuen Chalkbag ganz cool und dennoch völlig unbemerkt zur Schau getragen. Und in Sachen Kreide fressen folgende Frage: Warum schraubt jemand seine Füße in knallenge und unbequeme Schuhe, pudert sich die Hände mit Magnesia ein um sich diese dann zu zerschinden, während er künstliche Wände hinauf kraxelt und manchmal spektakulär abschmiert? Na weil es nicht nur sau anstrengend ist, sondern auch gehörig Spaß macht!
Diesmal als Routen-Gänger unterwegs nach oben
Den Schwierigkeistgrad der Routen erkennt man an den Farben.
Beim ersten Besuch im Blockwerk habe ich (und Max) nur ausprobiert und bin einfach drauflos geklettert, um Bewegungen zu probieren und ein Gefühl für Tritte und Griffe zu bekommen. Es ging darum mit dem Bouldern überhaupt erst mal warm zu werden. Gestern habe ich mich dann erstmals ganz gezielt auf Routen konzentriert. Ok, ich habe die orangen Routen genommen, dass sind die leichten. Aber ich war ja auch erst das zweite mal da und bin in Sachen Klettern und Bouldern noch ein absoluter Anfänger. Die Routen werden ja mit farbigen Griffen geschraubt und so sind auf einer einzigen Wand diverse Routen mit diversen Schwierigkeitsgraden.
Du bist oben und glücklich
Aber es ist schon ein tolles Gefühl, wenn ich die eine oder andere (für mich) kniffelige Route tatsächlich nach mehreren Anläufen erfolgreich bis zum Schlussgriff durchgestiegen bin. Du schwitzt, keuchst und bist glücklich. Da war eine schmale enge Route dabei, die hatte recht wenige Griffe und ging recht hoch. Nach dem dritten Versuch endlich kurz oben am Schlussgriff zu baumeln war klasse. Natürlich schaffte ich nicht alle Routen. Wenn nicht diesmal dann ein anderes mal, warum sich verrückt machen. Schließlich muss ich noch viel lernen und trainieren.
Du scheiß Ding ich krieg dich noch!
Die neuen Kletterschuhe sind eingeweiht.
Aber es ist schon interessant, wie andere Freaks mit dem Erfolg und vor allem dem Scheitern umgehen. Da war einer, ein schlanker blonder und durchtrainierter Kerl, der sich immer mühte, eine Route so kompliziert und verrenkt wie möglich zu klettern. Und vor allem: Der hat sich die Wände rauf und runter geflucht. Das verbale Repertoire war wirklich faszinierend, vor allem wenn er scheiterte und abschmierte. Beim Klettern schreien manche vor Anstrengung bei schweren Bewegungen. Der aber brüllte Sachen wie „Scheiiiiißäääää!“ oder „Fuck!“ Richtig zum schieflachen wurde es wenn er die Route vergeigt hatte auf die Matte krachte. Da hat er die Wand dann geduzt und angebrüllt: „Ich hasse Dich Du Sau!“ oder „Du scheiß Ding ich krieg dich noch.“ Eine riesige Show, die vor allem immer dann aufflammte, wenn er sich sicher war, Zuschauer zu haben. Aber der Typ war andererseits auch echt gut. Apropos Show. Natürlich hat der selbstverliebte Typ sich zum Schluss mitten in der Halle teilweise umgezogen und das T-Shirt aus- und den Pullover angezogen, damit auch jede( r ) seinen drahtigen Oberkörper bestaunen möge.
Das Klettervolk ist freaky, nett und hilfsbereit
Tja das Klettervolk ist schon ein witziges, mit unter selbstverliebtes und wohl kaum introvertiertes Völkchen. Aber was ich sehr gut finde ist, dass die Leute alle nett, freundlich, hilfsbereit und tolerant sind. Das ist heutzutage sehr selten geworden und ich kenne diese Eigenschaften eigentlich vor allem aus der DLRG, aber nicht in unserer Ellenbogen-Gesellschaft insgesamt. Keiner lacht sich über dich schief, wenn Du als Anfänger durch die Route stümperst. Im Gegenteil, die Leute helfen, geben Tipps und verraten Kniffe, wie Du eine schwierige Stelle schaffst. Also ich hab echt Kreide gefressen, sprich Spaß an der Kletterei gefunden.
Wo ich’s unlängst erstmals in die vertikale probiert habe, bin ich ja neugierig geworden und surfe so durch die virtuelle Gegend. Eben hab ich das RokBlog entdeckt. In dem Blog von Marc Stellbogen geht’s ums klettern. Darin beispielsweise ausführliche Testberichte von Ausrüstung. Auch etliche coole Kletter-Videos sind zu finden. Nützlich sind weiterhin die Gebietsinfos, wobei auch unsere Region ganz gut berücksichtigt ist. Auch das Bewegungsforum und das Blockwerk sind drin.
Das Blockwerk hab ich mir übrigens am Samstag auch mal angeschaut. Coole Boulder-Halle in einer alten Fabrikhalle ganz nahe der Phönixhalle in Mainz. Groß, abwechslungsreich und die machen einen wirklich saugeilen Latte Machiato. Im Blockwerk werde ich blutiger Anfänger dann wohl bald mal ordentlich abfratzen gehen
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