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Don Kosaken Chor Serge Jaroff – Stimmgewaltig von einem Extrem zum anderen

Seit Freitagabend weiss ich genau, wie ein Basso profundo live klingt. Und ich habe auch erstmals in meinem Leben einen Countertenor live gehört. Wo der eine stimmlich quasi ins tiefste Stockwerk der Tiefgarade hinabtaucht, lässt der andere selbst Sopranistinnen Alt aussehen. (Und? Wer hat den Witz verstanden?!) Über diesen Abend und den Auftritt der Don Kosaken Serge Jaroff habe ich auch für die örtliche Zeitung geschrieben und der Einfachheit halber kopiere ich meinen Artikel hier einfach ein. Und wer einmal eine Hörpobe des Don Kosaken Chos genießen will, bitte hier klicken und dabei daran denken, die sehr hohe Stimme ist (auch) ein Mann!

Eintönig klingt hell das Glöcklein

MOMMENHEIM. (ale) In welche abgründigen Tiefen ein Bass-Sänger wie Nikolay Ansimov seine Stimme versenken kann, beeindruckte das Publikum in der Mommenheimer Gemeindehalle sichtlich. Ein Basso profundo ist eine besonders tiefe Bass-Stimme und Ansimov war einer von mehreren an diesem Abend. Doch auch das andere Extrem in Sachen Stimmlage brachte Countertenor Igor Ishchak zu Gehör, der seine Stimme scheinbar mühelos in Höhen schweben lässt, in der sich sonst eigentlich ausschließlich weibliche Sopranistinnen tummeln.

Das der Don Kosaken Chor Serge Jaroff unter der Leitung von Wanja Hlibka auch sämtliche Stimmfacetten zwischen diesen beiden Extremen meisterlich zu Gehör brachte, begeisterte die rund 200 Zuschauer oder besser Zuhörer im Saal. Stimmgewaltig und mit Solisten auch im Bass, Bariton und Tenor bot der weltberühmte Männerchor die russische Seele in gesungener Form dar. Fulminant schon der Auftakt „Tedeum Laudamus“ mit dem die in schwarzen uniformähnlichen Anzügen gekleideten Sänger am Freitagabend ohne jede verstärkende Technik den Saal mit ihren Stimmen fluteten. Doch perfekt beherrschen die Sänger gerade auch die leisen Töne in den besinnlichen Passagen der eher melancholischen Stücken wie „Rette, o Gott, dein Volk“.

Serge Jaroff gründete den original Don Kosaken Chor im Jahr 1921 in türkischer Gefangenschaft und führte ihn in kurzer Zeit zu Weltruhm, gefeiert bei Auftritten rund um den Globus. Im Jahr 1979 übernahm Wanja Hlibka, der 1967 als jüngster Solist zum Ensemble gestoßen war, auf Wunsch Jaroffs und der Sänger die Leitung des Chors.

Der musikalische Abend in der frisch renovierten Mommenheimer Gemeindehalle wurde auch von den Singenden Kellermeistern der Hechtsheimer Dragoner unter der Leitung von Carsten Diener gestaltet, die zu Beginn und nach der Pause jeweils vor den Don Kosaken sangen. Sie begeisterten das Publikum mit Stücken wie „Ihr von Morgen“, Udo Jürgens Hymne an die Zukunft, bei dem Thomas Schleicher den Solopart sang. Nach der Pause intonierten die Don Kosaken bekannte Stücke wie „Schneegestöber“, „Mitternacht in Moskau“ und natürlich „Abendglocken“, dem Stück bei dem die Bässe tiefe Stimmglocken erschallen ließen. Beim letzten Stück „Eintönig klingt hell das Glöcklein“, brillierte dann wieder Countertenor Igor Ishchak. Das begeisterte Publikum forderte völlig zu recht Zugaben ein und bekam sie auch. Die letzte Zugabe „Ich bete an die Macht der Liebe“ sangen die Don Kosaken dann gemeinsam mit den singenden Kellermeistern. Thomas Schleicher, Vorsitzender des gastgebenden Mommenheimer Karneval Vereins 1996, dankte allen Sängern für den stimmgewaltig gelungenen Abend.