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Es gibt Dinge die kann man einfach nicht verstehen

Gastbeitrag von Kerstin Kehl

Kerstin Kehl (Bild: Kerstin Kehl)
Kerstin Kehl (Bild: Kerstin Kehl)

Ich stelle das im Schnitt alle fünf Wochen fest. Genau dann, wenn ich die neue Planung für unsere Kurse anfange. Ab diesem Zeitpunkt fange ich an zu telefonieren, mailen oder manchmal auch zu trommeln. Letzteres dann aber eher mit meinem Kopf auf der Tischplatte, wenn einigen Eltern auf den letzten Drücker einfällt: Da war doch noch was oder wenn sie ganz überrascht sind, wenn ich höflich nachfrage, ob sie den Platz für ihr Kind im Kurs noch in Anspruch nehmen möchten und wenn ja dann aber bitte „zz“ (ziemlich zügig) die nötigen Unterlagen und Gebühren bei mir abgeben sollten. Ich bin ja noch so nett und frage nach. Eigentlich könnte man ja meinen, dass ein erwachsener Mensch durchaus in der Lage ist, sich einen Termin bzw. einen Anmeldeschluss zu merken und dementsprechend frühzeitig auch die Modalitäten zu erledigen. Lies „Es gibt Dinge die kann man einfach nicht verstehen“ weiter

Von Pianissimo bis Furioso oder wie Kinder ihre Eltern erziehen

Heute Mittag war ich bei Feinkost Albrecht (ALDI). Dort ein Papa mit seinem schätzungsweise zwei bis drei Jahre alten Töchterchen. Die fegte vergnügt durch den Laden grabschte nach diesem und räumte jenes aus dem Regal. Ein kleiner Wirbelwind im Shopping-Rausch. Irgendwann reichte es dem Herrn Papa, vor allem, weil die kleine Madame sich nicht von Worten beeindrucken ließ. Er schnappte die Kleine und packte sie sich auf die Schulter.

Und sofort ging es los. Heulen und Geschrei. „Neiiiiiiin!“ und „Will runter!“ Der Herr Papa setzte zunächst unbeeindruckt den Einkauf fort und das Gezeter der kleinen wechselte bald von Forte zu Piano. Sie gab langsam klein bei und nölte nur noch vor sich hin. Gerade wollte sie kapitulieren und ins Pianissimo wechseln, da sagte der Herr Papa „Jetzt hör doch mal auf!“

Böööööser Fehler! Denn die raffinierte junge Dame merkte sofort: „Mein Gezeter wird doch erhört, es bestehen Aussichten auf Erfolg.“ Schlagartig wechselte sie wieder zum Forte und direkt weiter zum Fortissimo und quäkte mit Macht drauflos. Und der Herr Papa? Laut: „Jetzt hör auf, was sollen denn die Leute von uns denken!!??!!“

Ganz böööööser Fehler! Ob die Kleine das Potential in diesen Worten schon erkannte oder nur instinktiv reagierte, werden wir wohl kaum erfahren. Auf jeden Fall tat sie das Gegenteil von dem, was der taktisch unkluge Erzeuger hoffte. Sie schaltete sofort vom Fortissimo auf Furioso und legte erst richtig los und brüllte den halben Laden zusammen. Die Tränen flossen, ganz großes Showprogramm mit Zugabe eben.

Kaum eine Minute später fegte sie wieder lächelnd und mucksmäuschen still auf den eigenen zwei Beinen durch den Laden und machte die Regale unsicher. Der Herr Papa hatte das Duell verloren. Die Kleine weis eben wie man‘s macht und hat ihren direkten Vorfahren im Griff.

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