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Fastnachtsberichterstattung oder: Wider die närrische Verbalschwulst

Unlängst war ich ja nicht nur in Mommenheim auf der wirklich sehr vergnüglichen Fastnachtssitzung des MKV. Nein ich habe auch über selbige für die AZ geschrieben: „Hausgemachte Narretei mit Pep„. Dabei habe ich mich redlich und wie ich hoffe erfolgreich bemüht, den üblichen, drögen närrischen Verbalschwulst so weit als möglich zu vermeiden. Denn liest man Berichte über Fastnachtssitzungen, dann liest man immer, wie sich die Autoren bemühen, möglichst originelle und verzwirbelte Formulierungen zu kreieren, die – mehr oder minder erfolgreich – humoristisch klingen sollen. Doch das artet manchmal in wahre Verbal-Onanie aus und ein mir bekannter ehemaliger Redaktionsleiter der örtlichen Lokalausgabe der AZ nannte diese Autoren einmal ebenso unwirsch wie zutreffend „Wortwichser“.

In diesen gedrechselten Berichten ist natürlich dauernd alles „vierfarbbunt“. Unerbittlich „stechen Narrenschiffe in die humorige See“ und Sitzungspräsidenten mutieren zu deren „Steuermann“ oder „Kapitän“.  Da werden „Lachmuskeln“ mindestens „massiert“, oder „gequält“, meist jedoch gleich „attackiert“. Da „tob die Narrenschaar im Saale“.  Diverse Tanzgruppen „schwingen das Tanzbei“ (Damenballett) oder „die behaarten Keulen“ (Männerballett). Das Publikum wird permanent bezichtigt „liebe Närrinen und Narrhallesen“ zu sein. Stimmung ist mindestens „furios“ und der Protokoller „hat etwas auf dem närrischen Servierteller“. Ich könnte diese Aufzählung fortführen und wenn Dir noch etwas einfällt, tu‘ Dir keinen Zwang an, wofür gibt es die Kommentarfunktion.

Ich jedenfalls habe mein Möglichstes getan, hier Zurückhaltung zu üben und dennoch einen lesbaren Bericht zu schreiben. Dazu habe ich sogar noch einen „Nebenhandlungsstrang“ eingeflochten, der sich in Mommenheim um Punkt Mitternacht ereignete. Aber leider fiel dieser dann wohl dem Diktat des knappen Platzes zum Opfer. Der Vollständigkeit halber habe ich meinen Artikel so wie ich ihn eingereicht habe unten angehängt. Besagter „Nebenhandlungsstrang“ ist kursiv und farblich hervorgehoben. Lies „Fastnachtsberichterstattung oder: Wider die närrische Verbalschwulst“ weiter

Die fünfte Jahreszeit … geht der Scheiss auch schon wieder los.

Ach stimmt ja! Heute ist der Elfteelfte und um Elfuhrelf geht die fünfte Jahreszeit wieder los. Das wird wieder schön. Bunt verkleidete Leute stürzen sich überdreht ins närrische Getümmel. Auf unzähligen Fastnachtssitzungen weiss man spätestens beim „Bummtääää“ der Kapelle oder dem enervierenden „Uiuiuiuiui auauauauau..“, das man jetzt gefälligst übern nen miesen Gag zu lachen und gute Laune zu haben hat. Da wird diese gute Laune emuliert, indem mit biomechanischen Wechselbewegungen – „Schunkeln“ genannt – versucht wird, die Alkohol-stimmulierte Ausschüttung von Endophinen zu steigern. Und so versucht man, sich über einen in die länge gequälten Abend zu retten.

Manche Jugendliche feiern Fastnacht so, wie sie auch alles andere feiern, es wird ein munteres Komasaufen veranstaltet.  Die Auswirkungen sehen wir dann auf den großen Fastnachtsumzügen wie in Mainz, aber auch den kleinen und feinen wie in Dienheim. Den Sprit bekommen die Kiddies bei Aldi, Lidl & Co, wo die Aussicht auf hohen Umsatz das Auge erblinden lässt, mit dem man Ausweise kontrollieren sollte.

Büttenredner strapazieren uns dann wieder mit gereimten Banalitäten und mancher auf der Bühne organisiert sich vielleicht sogar eine „Fertigrede“ aus dem Internet. Diverse Tanzgruppen werden mal ergötzliches mal erschröckliches darbieten und die mittlerweile obligatorischen Männerballets werden die behaarten Keulen durch die Gegend schmeißen. Ok, mittlerweile gibt es tatsächlich Männerballets die richtig gut und nicht nur peinlich sind.

Und wir von der schreibenden Zunft? Wir müssen wieder die Gratwanderung zwischen närrisch-adäquater Schreibe und Verbalonanie gedeichselt bekommen. Da stechen dann wieder „Narrenschiffe in die Humorsee“, es gibt wieder „Lachmuskeltraining“ bei „vierfarb gute Laune“. Da „tobt die Narrhalla“ und „schäumt die gute Laune über“. Die ärmsten Schweine aber sind die Fotografen der Lokalredaktionen. Ich als freier Schreiberling muss an einem Abend nur auf eine Fastnachtssitzung. Der Bild-Kollege aber muss auf ALLE! Und spätestens nach dem zweiten Tag hat der alle Motive durch und kann nichts neues mehr knipsen.

Zudem sind Fastnachter auch zutiefst humorlos. Schreib im Artikel mal einen Namen falsch oder vergiss eine richtig schlechte, aber für richtig teures Geld eingekaufte Nummer der Sitzung zu erwähnen. Da bricht diese Humorlosigkeit dann ganz schnell telefonisch über die Kollegen in der Redaktion herein. Und wenn Du tatsächlich eine echte Kritik schreiben würdest und nicht alles und jeden Schrott schön heucheln würdest. Oha! Dann wär aber richtig was los.

Liebe Leute, ich freue mich jetzt schon auf den 17. Februar. Das ist Aschermittwoch und da ist bekanntlich alles vorbei! In diesem Sinne: Hellau!

Klappe halten, keine Ahnung,