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Wort-Wichser des Tages

Also so langsam aber sicher bin ich am grübeln, ob ich nicht wirklich so eine Rubrik „Wort-Wichser des Tages“ hier auf der Stammhirnrinde einführen soll. Denn zu oft stolpere ich über unsägliches zerebrales Verbal-Ejakulat. Heute bekommt diesen Preis eine hier nicht näher benannte PR-Agentur in Frankfurt am Main. Die sucht derzeit einen „Consultant“ und hat in ihrer Stellenausschreibung diesen lächerlichen Wort-Erguss zu bieten:

Unsere Mitarbeiter finden für jedes Kommunikationsproblem eine individuelle Lösung mit optimalem Verhältnis von Strategie, Kreation und Umsetzung – die richtige Hirn-Herz-Hand-Relation. „

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Verbaler Genickbruch

Täglich flattern einem Journalisten Pressemeldungen um die Ohren. Manchmal sind sie gut geschrieben, aber oft nur erträglich. Nicht selten liest man nur nerviges Marketinggeschwurbel. Aber heute wurde mir der nachfolgende verbale Genickbruch zugestellt. Schon der aller erste Satz schießt mich komplett ab.

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(Foto: stock.xchng)

„Notebooks haben die Art und Weise vollkommen verändert, wie User heutzutage Ihr Home Entertainment genießen – Filme, TV-Sendungen und Facebook-Videoclips werden zunehmend im Bett oder auch unterwegs geschaut, nur die Audioqualität konnte dabei bisher nicht so richtig Schritt halten. Deswegen präsentiert Logitech……“

Gesammelte Verbal-Orgasmen

Angesichts des Artikels in der AZ heute über Rüdiger Hoffmann konnte ich mir die Überschrift einfach nicht verkneifen. In dem Text wollte wohl jemand ganz große Verbalkunst schaffen. Aber da wurde deutlich zu übbig in „farbigen Metaphern“ geschwelgt. Man beachte auch die mitunter epische Satzlänge. Die Herkunft der Überschrift ist übrigens dem einstige Redaktionsleiter eben dieser Lokalredaktion geschuldet. Der bezeichnete solche Texte als „Verbal Onanie“. Hier in Auszügen die gesammelten … ihr wisst schon:

  • Dazu der charakteristische Kahlkopf mit viel Esprit drin und der geschliffenen Zunge dran?
  • Während Petrus sich vorzeitig ins Bett verabschiedet hatte und nach ihm die Sintflut vom Himmel rieseln ließ, prasselten im bis auf den letzten Platz gefüllten Sironasaal die Lachsalven und Applausfontänen gegen das Hoffmannsche Humor-Riff.
  • Scharfkantig, trotzig und unverschämt trocken wie eh und je war der schlaksige Gesellschafts-Karikaturist mit der staubtrockenen Zunge in Riesling-City gelandet.
  • Absurd verdreht, gestochen scharf überzogen, angeschmiegt an die Schultern überdimensionierter Neurosen gelingt dem personifizierten „Hallo erstmal“ ein präziser Ausflug in die Wunderwelt menschlicher Gemeinheiten.
  • Überbacken mit einer leckeren Schicht kräftigen trockenen Humors.
  • Herzhaft genossen die mit Wangen- und Zwerchfellmuskelkater geschlagenen Zuschauer Hoffmanns Rolle als Psycho-Folterknecht, der sich teuflisch-lustvoll an einem Vorwerk-Vertreter rächt, seine Verortung Niersteins unter wieherndem Gelächter in der Kategorie der Weltmetropolen, die feucht-fröhliche Zeitreise in seine Jugend in den 80ern, ein ehrlich-freches Selbstporträt und die Liebeserklärung an seine Heimat Ostwestfalen.
  • Allen Unkenrufen zum Trotz, die dem 1964 in Paderborn geborenen Schlafzimmerblick-Humoristen einen platten Abrutsch in schlüpfrige Gefilde unterstellten, zelebriert Hoffmann die ihm ganz eigene Scharade zwischen Offensichtlichkeit und subtiler Handkantenschläge auf die Lachmuskeln.