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Von Unkräutern, Untieren und Unmenschen

Die große grüne Fläche hinter meinem Haus habe ich eben gerade gemäht. Ich sage große grüne Fläche, weil dort alles mögliche wächst nur nicht gerade viel Rasen. Ich handhabe das so, dass das, was da wächst, gemäht wird. Derzeit wächst dort vor allem Löwenzahn. Reichlich Löwenzahn. Der wird ja gemeinhin als „Unkraut“ bezeichnet.

Aber ist Löwenzahn wirklich Unkraut? Die Vorsilbe „Un“ impliziert ja eine Verneinung. Man könnte also sagen ein Unkraut sei eine „Nichtpflanze“. Komisch. Löwenzahn hat Wurzeln wie eine Pflanze, Blätter in denen Chlorophyll gebildet wird und Blüten die bestäubt werden, Samen bilden und damit der Fortpflanzung dienen. Löwenzahn erfüllt nach meinem Dafürhalten alle Kriterien einer Pflanze. Und das wir Menschen ihn nicht mögen – zumindest nicht in unseren Gärten – da kann doch der Löwenzahn nichts dafür. Zudem ist es ihm sicher auch egal. Er hat sich nicht dazu entschieden uns lästig zu sein. Wir empfinden ihn lediglich so und schmähen ihn mit besagter Vorsilbe. Mein Fazit: Es gibt KEIN Unkraut.

Unkraut? Nicht wirklich!
Unkraut? Nicht wirklich!

Auch im Tierreich diskriminieren wir so manches Geschöpf mit dieser Vorsilbe. So wird der Hai beispielsweise gerne als Untier tituliert. Meist schon wenn er so eine süße kleine Robbe zerlegt und frisst. Aber spätestens wenn er einen Menschen verletzt oder tötet. Aber ist der Hai ein „Nichttier“? Ich erspare mir jetzt die Gegenrede, denn das der Hai ein Tier ist, wird wohl niemand bestreiten wollen. Aber warum verpassen wir ihm dann diese Vorsilbe? Der Hai ist nicht aus Bosheit oder Sadismus – in unseren Augen – grausam. Er muss schlichtweg fressen, um überleben zu können. Und wenn ein Surfer auf seinem Surfbrett von unten wie eine Robbe aussieht, dann kann der Hai diesen Irrtum leider nur durch Trial & Error feststellen. Ok, zugegeben, das ist ziemlich unangenehm für den Surfer. Aber der Hai ist nicht aus freiem Willen ein Raubtier und tötet nicht aus Vergnügen. Mein Fazit: Es gibt KEIN Untier.

Gut, kommen wir zum „Unmensch“. Auch hier wird mir der geneigte Leser zustimmen, dass es rein biologisch keine „Nichtmenschen“ gibt. Aber im Unterschied zum Unkraut und Untier kann der Mensch unmenschliches tun, weil er sich aus freien Stücken und mutwillig dazu entscheidet! Im Gegensatz zu Pflanze und Tier kann der Mensch brutal, grausam, sadistisch, barbarisch und vieles mehr sein. Er kann wieder besseren Wissens und gegen jede Moral Dinge tun, die wir zu Recht als unmenschlich bezeichnen. Er könnte genau diese unmenschlichen Taten problemlos bleiben lassen und tut es dennoch. Beispiele gibt es genug. Historische wie Dschingis Kahn, Hitler oder Stalin. Aber auch aktuelle wie den gestern verhafteten „Schwarzen Mann“ oder Muammar al Gaddafi, der sein Volk ermordet. Mein Fazit: Es gibt in der Tat Unmenschen.

Ok langer philosophischer Rede schlussendlicher Unsinn: Wenn man gewillt ist, Löwenzahn, Gänseblümchen & Co nicht als Unkraut, sondern als eine schöne Pflanzen zu betrachen – vor allem in der Blüte – dann habe ich einen wirklich schönen Garten!