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Kundenfreundliche Ladenschließungszeiten – Ich glaub es hackt!

Also echt! Das geht mir langsam echt auf die Nerven, das mit den „Ladenöffnungszeiten“. Ich habe mir die Tage eine Konzertkarte für Chris Rea bestellt. Der gibt am 28. Februar 2012 ein Konzert in der Frankfurter Festhalle und den wollte ich schon immer mal sehen. Der Online-Tickethändler hat mir heute das Ticket per Einschreiben zugestellt und damit beginnt das Dilemma!

Wer ist tagsüber wenn der Postbote kommt nicht zu Hause, sondern auf der Arbeit? Ich! Was passiert dann bei einem Einschreiben? Statt dem Brief bekommst Du diesen Abholschein in den Briefkasten, auf dem Dir mitgeteilt wird, dass Du das Einschreiben am nächsten Werktag in der Postfiliale/agentur am Ort abholen kannst und das in sieben Tagen erledigen musst, sonst geht die Sendung zurück.

Noch oder schon wieder geschlossen. Ich glaub es hackt!
Noch oder schon wieder geschlossen. Ich glaub es hackt!

Die Postagentur in Oppenheim öffnet, wenn ich schon längst in Darmstadt in der Redaktion an meinem Arbeitsplatz sitze. Und sie schließt in dem Moment, indem ich dort Feierabend mache und die Heimfahrt antrete. Mit dem „am nächsten Werktag“ ist also nichts. Ok, bliebe also jetzt der Samstag. Aber am Samstag muss ich auf eine Tagung. Die Postagentur öffnet um 9:00 Uhr, da bin ich schon längst mit dem Auto unterwegs zur Tagung, die um 10 Uhr bei Koblenz beginnt. Die Postagentur schließt meines Wissens nach am Samstag um 13 Uhr. Da ist auf der Tagung gerade mal Mittagspause. Aber werktags einen halben Tag Urlaub nehmen, um einen Brief abholen zu können? Ich glaube es hackt! Das würde bedeuten, meine Konzertkarte geht Mitte kommender Woche wieder zurück. Ich glaub es hackt! Also muss ich jetzt meinem Herrn Papa eine Vollmacht schreiben, damit er den Brief morgen für mich abholt und hoffentlich gegen Vorlage ausgehändigt bekommt.

Und solche kundenfreundlichen Ladenschließungszeiten haben viele Geschäfte. Beispiele gefällig? Bitte sehr: Klamotten in die Reinigung geben? Gleiches Spiel! Zum Glück gibt es eine Reinigung in Darmstadt. Ich schleppe dann also morgens einen Anzug im Kleidersack ins Büro, damit ich den in der Mittagspause in die Reinigung bringen kann. Aber wenn es ums Schuhe reparieren geht, sieht es noch düsterer aus, denn einen echten Schuster gibt es garnicht mehr in Oppenheim und Umgebung. Und in der Nähe meines Arbeitsplatzes auch kein Schuster weit und breit. Ok, da brauch ich mich dann auch nicht über die Öffnungszeiten zu ärgern ….

Nächstes Beispiel aus dem Dienstleistungssektor: Der Bezirksschornsteinfeger ruft mich neulich an, wann er denn werktags tagsüber zum Schornstein reinigen und Heizung prüfen kommen kann. Ich: „Jeden Tag ab 18 Uhr“. Er will wissen an welchem Tag er früher kommen kann. Ich: „Garnicht, ich bin tagsüber auf der Arbeit.“ Er will wissen, ob ich das nicht einrichten könne. Ich: „Ich werde mir keinen halben Tag Urlaub nehmen, damit bei mir der Schornstein gereinigt werden kann.“ Er ist Dienstleister und er will die gesetzliche vorgeschrieben „Zwangsdienstleistung“ bei mir verrichten. Aber er will am liebsten, das ich MEINE Arbeitszeiten an ihn anpasse. Ich glaub es hackt! Er ist der Dienstleister. Jetzt will er sehen, dass er Samstags kommen kann.

Arztbesuche sind das gleiche Thema. Da musst Du dir einen halben Tag frei nehmen, denn manchmal kannst Du es dir nicht aussuchen, dass Du zum Arzt musst. Fachgeschäfte? Das gleiche in Grün. Auch die machen erst auf, wenn normale Arbeitnehmer längst auf der Arbeit sind und schließen rechtzeitig, bevor diese wieder heimkommen.

Ok, es gibt auch einige wenige Ausnahmen. Die REWE in Oppenheim hat bis 22 Uhr auf. Dort kann ich dann tatsächlich auch an einem Werktagabend ganz in Ruhe und ausführlich einkaufen. Und das hat einen wesentlichen Vorteil. Abends sitzen bei der REWE immer junge, hübsche und nette Kassiererinnen an der Kasse. Das Auge ißt ja bekanntlich mit 😉

Aber im Großen und Ganzen geht mir das mit diesen kundenfreundliche Ladenschließungszeiten ehrlich gesagt mächtig auf den S…. also auf die Nerven!

Wieso heißt es eigentlich „Öffnungszeiten“??!!

Letzten Donnerstag hatte ich so eine Paketbenachrichtigungskarte im Briefkasten. Die informierte mich, dass der DHL-Paketbote vergeblich versucht hatte, mir ein Paket zuzustellen und das ich es sieben Tage lang in der örtlichen Postagentur abholen kann. Natürlich war der Zustellversuch vergeblich, denn ich bin Werktags tagsüber auf der Arbeit und deshalb nicht da. Jetzt war ich am Wochenende aber auswärts und konnte das Paket auch Samstag nicht abholen. Werktags geht nicht, denn die Postagentur hat noch lange nicht geöffnet, wenn ich morgens zur Arbeit fahre. Dafür hat der Laden aber auch schon lange wieder zu, wenn ich abends wieder heim komme. Also musste ich jemandem eine Vollmacht zur Abholung des Paketes ausstellen, denn nach sieben Tagen geht es zurück zum Absender. Dieses Dilemma gilt aber nicht nur für Paketpost.

Geschlossen (Bild: stock.xchng)
Geschlossen (Bild: stock.xchng)

Will ich zur Bank, gilt das Gleiche. Noch lange geschlossen wenn ich zur Arbeit fahre und schon lange wieder zu, wenn ich wieder heim komme. Arzt, Zahnarzt, Apotheke. Das Gleiche. Behörden und Verwaltung, ebenfalls das Gleiche. Fachgeschäfte, wieder das Gleiche. Ob ich zur Bank, zum Arzt, „aufs Amt“ oder in ein Fachgeschäft will, im Prinzip muss ich für so was einen halben Tag Urlaub nehmen. Ok, Fachgeschäfte haben im Gegensatz zu Ämtern, Banken und Ärzten auch samstags auf, oder ich könnte an der Stätte meiner Arbeit in der Mittagspause hin hetzen. 45 Minuten Zeit für’s Einkaufen inklusive Hin- und Rückfahrt. Na prima!

Nur der Lebensmitteleinzelhandel hat Abends noch auf, sodass wenigstens der normale tägliche Bedarf gedeckt werden kann. Und die REWE in Oppenheim hat nicht nur bis 22 Uhr auf. Nein, dankenswerter Weise sitzt dort Abends an der Kasse fast immer ein bildhübsches und nettes junges Mädel, das sich freut, wenn man ein wenig Smalltalk hält, anstatt schweigend zu bezahlen. Sprich das abendliche Einkaufen ist durchaus vergnüglich. Aber sonst?!

Deshalb werde ich das Wort „Öffnungszeiten“ jetzt ignorieren, und nur noch von „Schließungszeiten“ reden. Viele Geschäfte, alle Banken, Ämter oder Ärzte haben arbeitnehmerfreundlich GESCHLOSSEN. Ich werde Arzt, Amt, Bank oder Postfiliale demnächst nicht mehr fragen, wann sie geöffnet haben, sondern wann sie geschlossen haben und wann es sich lohnt, nicht zu kommen.