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Endlich „Radio machen“

Am Ende meines Studiums hatte ich eigentlich nur einen Wunsch, ich wollte Journalist werden und zwar am allerliebsten beim Radio oder beim Fernsehen. Beworben habe ich mich um Volontariate bei allen Sendern, aber natürlich auch bei Zeitungsverlagen. Aber gerade bei Radio und TV waren die knappen Volontariate damals nur mit sehr viel Vitamin B zu bekommen. Das Primärziel hat geklappt, ich bin Journalist und ich liebe meinen Beruf! Nur aus der Sache mit dem „Radio oder Fernsehen machen“ wurde nichts.

Ich mach bald Radio bei Radio Rheinwelle.
Ich mach bald Radio bei Radio Rheinwelle.

Jetzt aber bietet sich die Chance, bald regelmäßig doch noch „Radio zu machen“! Manche Träume gehen nie in Erfüllung und manche lassen sich eben einfach nur Zeit. Vielleicht wird ja eines Tages auch noch ein anderer Traum wahr, aber ich will beim Thema bleiben. In Wiesbaden gibt es das Bürgerradio Radio Rheinwelle, das auf 92,5 MHz sendet und auch über Werbradio zu bekommen ist. Zu empfangen ist der Sender in Wiesbaden, Mainz und Umgebung und sauber bis etwa Bodenheim, verrauscht noch bis Nackenheim. Dort arbeitet ehrenamtlich eine Sängerin aus dem Chor „Harmonie in Takt“, in dem ich singe in der Programmplanung. Nachdem ich bei zwei unserer Chorkonzerte zusammen mit einer anderen „Sangesschwester“ unsere Stücke angesagt und moderiert hatte, fragte mich Lydie Anfang Juli, ob ich nicht Lust hätte, dort mal zu moderieren. Das würde mir doch sicher Spaß machen. Und wie mir das Spaß machen würde! Also sofort Kontakt aufgenommen und einen Termin zum Kennenlernen gemacht. Der Termin war heute.

Nach der Arbeit bin ich also nach Wiesbaden gedüst. Zunächst einmal haben wir uns unterhalten. Die Leute vom Sender haben informiert, was Radio Rheinwelle ist und macht. Es ist ein nicht kommerzieller Bürgerfunksender mit Bildungsauftrag. Nichtkommerziell bedeutet, keinerlei Werbung, nur pures Programm. Nach dem Kennenlernen habe ich mit einem Kollegen eines der beiden Studios besichtigt. Die haben sogenannte „Selbstfahrerstudios“. Das bedeutet, der Moderator sitzt nicht in einer Sprecherkabine und vor einer Scheibe sitzt draußen ein Techniker und bedient das Mischpult. Nein der „selbstfahrende“ Moderator macht alles selbst. Sehr spannend, wie ich finde, denn ich bin bekennender Technikfreak. Die Technik ist schon etwas älter, richtig was für Handwerker. Die Musik kommt von CD-Playern und nicht von einem gigantischen Musik-Server. Man „legt also noch auf“, wobei auch Plattenspieler zur Verfügung stehen. Auch sonst ist alles da, was Du brauchst, bis hin zum Hybriden für Telefonschalten.

Nach der Besichtigung bot sich auch gleich die Gelegenheit, bei Moderator Olaf in der Sendung „Sunset“ life dabei zu sitzen und etwasmit ihm live über den Sender zu plaudern. Hat viel Spaß gemacht. Die Sendung „Sunset“ fasst quasi am Abend den Tag zusammen und gibt einen Ausblick auf Veransaltungen. Echtes Talkradio, indem die Musik „nur“ Beiwerk ist. also kein Dudelfunk.

Wenn man dort ehrenamtlich mitmachen möchte – und ich möchte und werde – kann man dort ein bis zweimal im Monat eine ein- oder zweistündige Sendung machen, frei nach eigenem Konzept. Ich gehe also bald nach einer gründlichen Einweisung in die Technik an Wochenenden oder Abends auf Sendung.

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus

Auf Stefan Niggemeiers Blog habe ich abermals einen Beleg für meine Theorie „Die Schnellen fressen die Guten“ gefunden. Im Journalismus gilt ja nicht zuletzt dank des Internet und der beinahen Echtzeitberichterstattung leider die Maxime: „Die Schnellen fressen die Langsamen“, wo mir das Leitbild „Die Guten fressen die Schlechten“ viel lieber wäre.

Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)
Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. (Bild: stock.xchng)

Doch genau diese Hetze, dieses „Wir müssen damit als erstes raus, egal wie…“, sorgt für Einbußen bei der Qualität. Gründlichkeit und Schnelligkeit sind ein Anachronismus. Deshalb sage ich, dass Geschwindigkeit zu massiven Lasten der Qualität geht.  Deshalb ist die Wahrheit: „Die Schnellen fressen die Guten“! Der von Kollegen Niggemeier geschilderte Fall zeigt genau das. Hier werfen Medien, einem Journalisten die Verletzung der Sorgfaltspflicht vor, die sie selbst beim berichten über den Fall an den Tag legen, wie Niggemeier ausführlich aufdröselt. Lies „Eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus“ weiter