Schlagwortlächerlich

Der Pimmel-Prolet

Sozialwissenschaftler und Empiriker würden das Leben wohl als unterbrechungsfreie „teilnehmende Beobachtung“ kennzeichnen. Für uns Journalisten ist dieser Umstand quasi eine permanente Recherche. Über die verschiedenen Arten von Tänzern hatte ich mich ja schon zur Genüge ausgelassen. Heute habe ich mir nach dem 11,1 Kilometer Maarauelauf abends noch eine Runde Relaxen in der Sauna im Rheinhessenbad in Nieder-Olm gegönnt. Und nach dieser teilnehmenden oder eher mitschwitzenden Bebobachtung möchte ich hier die verschiedenen Arten von Saunagängern beschreiben. Das wird recht einfach, denn es gibt nur zwei unterschiedliche Arten. Übrigens, dem zur Prüderie neigenden Leser möchte ich an dieser Stelle von der weiteren Lektüre abraten!

Der normale und anständige Saunagast

Er und Sie ist ein ganz normaler Mensch, befolgt die Regel „Kein Schweiß aufs Holz“ und hüllt sich nach dem Verlassen der Schwitzkabine in einen bequemen Bademantel oder wickelt sich ein großes Handtuch um die Hüfte während die Damen sich ein noch größeres um die Schultern legen. Dann wird eine Liege oder ein Sitz gesucht und sich bequem hingesetzt und geruht oder sich mit anderen Gästen unterhalten. Der normale und anständige Saunagast ist angenehm, nett, kommunikativ und unauffällig.

Der gemeine Pimmel-Prolet

Meine wertgeschätzte Leserschaft möge mir die Wortwahl verzeihen und mir weiter wohlgesonnen bleiben. Aber Pimmel-Prolet ist der einzig passende Ausdruck für das Verhalten, was ich hier kurz darstellen möchte. Dieser eher auffällige bis unangenehme Saunagast ist männlich, denn mir sind bisher noch keine Frauen aufgefallen, die ein ähnlich schlechtes Benehmen an den Tag legen.

Wäre der Pimmel-Prolet nur ein Adonis .... Isser aber nicht.
Wäre der Pimmel-Prolet nur ein Adonis .... Isser aber nicht. (Foto: stock.xchng)

Der gemeine Pimmel-Prolet hält sich zwar auch an die Regel „Kein Schweiß aufs Holz“. Aber das ist auch schon fast das einzige, wofür er mitgeführte Frotierwaren einsetzt. Kaum aus der Schwitzkabine entschlüpft rennt der Pimmel-Prolet grundsätzlich splitterfaser-nackig umher. Dabei achtet er auf einen breitbeinigen und federnden Gang der einzig dem Zweck dient, das, was er für groß und wichtig hält, in leichte Schwingungen zu versetzen und dann gut sichtbar umher zu tragen. Heute waren in der Sauna gleich mehrere dieser Zeitgenossen vertreten.

Auffallend, dass diese Typen zunächst einmal eine Weile umher stolzieren und zwar meist dort wo viele andere Gäste und auch Frauen sind. Läuft der Pimmel-Prolet vor dem Publikum mit seinem Schwing-Dein-Ding-Gang auf, legt er gerne immer wieder mal zuuuufällig die Hände in den Nacken, streckt sich und schiebt Brust und auch Hüfte vor, damit sein Publikum die zur Schaustellung des Gemächts auch besser „genießen“ kann. Ich saß draußen im Freien und zwei Damen verließen bei diesem Aufmarsch sehr zügig das Freigelände.

Legt sich der Pimmel-Prolet dann auf eine der Ruheliegen, dann wird das Handtuch nur unten drunter gelegt. Dann legt sich der Kerl zur Gänze unverhüllt auf die Liege und das breitbeinig und mit nach außen gedrehten Knien. Das nur, damit der Anhang auch gut belüftet wird und – Sie haben richtig befürchtet – wie auf der Präsentier-Lende gut sichtbar ist.

Ich finde dieses Verhalten albern und unanständig – gut mag man mich für prüde halten. Und ich finde es auch lästig, wenn dir und anderen dauernd irgend so ein Heini sein Genital vor Augen führt. Jetzt könnte man ja meinen, dass wenigstens die Damen Freude daran hätten, wenn die besagten Kerle eine sportlich durchtrainierte Figur hätten und lecker aussehen würden. Aber meist ist das Gegenteil der Fall! Meist sind diese zeigefreudigen Typen älter, nicht selten korpulent und längst nicht (mehr) ansehnlich.

Auch heute in Nieder-Olm! Einer der umher stolzierenden Pimmel-Proleten hätte wahrlich gut daran getan, das gewisse Etwas unter seiner Gürtellinie gut zu verstecken oder aber eine Lupe zur Verfügung zu stellen. Aber sein Bauch hat eh schon als Sichtschutz gewirkt. Die Krönung war aber ein strohblondiertes älteres Exemplar mit Nickelbrille, der sich dort um Beachtung bemühte. Seine „Bestückung“ fiel gar nicht ins Auge, da er eine Oberweite hatte, die locker in Körbchengröße C passt und beim Umherlaufen deutlich mehr in Schwingungen geriet als … Sie wissen schon. Wenn etwas die Blicke auf sich lenkte, dann war es diese maskuline Oberweite. Dabei wären dort zwei junge und gut gebaute sportliche Männer gewesen, aber die hielten sich anständig verhüllt.

Fazit: Mit sind nette und diskrete Saunagäste, die sich mit Anstand außerhalb der Kabine in Frotierwaren hüllen und mit denen man sich angenehm unterhalten kann, deutlich lieber, als diese Pimmel-Proleten. Denn die sind nicht nur wie beschrieben unangenehm auffällig sondern meist auch recht wortkarg. Das vor allem auch deshalb, weil die normalen Saunagäste diese Typen meiden. Wie gesagt, zwei Damen flüchteten beim Auflaufen eines dieser Herren in dem Moment, als der die Hände in den Nacken legte und sich kaum zwei Meter weg reckte und streckte.