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Ozapft is & Oans zwoa g’suffa in Rheinhessen? NEIN DANKE! Das Maß ist voll!

Zwei derbe Schläge und Christian Ude, Oberbürgermeister von München, ruft „Ozapft is“ und eröffnete damit am Samstag Deutschlands größtes Massenbesäufnis — Verzeihung das traditionelle Oktoberfest in München auf der Theresien-Wiese, kurz „Wiesn“ genannt. Dort hat es Tradition, dort gehört es auch hin. DORT!

Aber nein! Das bayerische Literbier-Schlucken wird zur Seuche und breitet sich in ganz Deutschland aus! Auch in Mainz wird das Mainz-Dirndl gesucht, damit die Rheinland-Pfälzische Landeshauptstadt ihre Fahne vom 11. bis 21. Oktober durch die weiß-blauen Raute ersetzen kann. In jedem Kaff wird jetzt ein Oktoberfest gefeiert! In Oppenheim beispielsweise ist es der CVO, dessen Vorsitzender ja ein ganz besonderer „Freund“ von mir ist, der auf einmal auf Bierzeltgaudi schwört. Auf dem Plakat steht übrigens ganz groß in Rot „DJ Ötzi“ und klein darunter „Show – präsentiert von Uwe Engel“. Überall in Rheinhessen grinsen dich von weiß-blau rautierten Plakaten derzeit selten lederbehoste Burschen, meistens großbrüstige Traudels und Zenzis mit einer ganzen Batterie von Maßkrügen in den Händen an und laden dich zur traditionell bayerischen Wiesn-Gaudi ein.

Haut ab mit Euren Maßkrügen und Wiesn-Gaudi!
Haut ab mit Euren Maßkrügen und Wiesn-Gaudi!

Müssen wir hier alles kopieren?! Haben wir hier in unserem schönen Landstrich keine eigene Kultur und keine eigene Tradition?! Können wir nicht selbst herrlich feiern, OHNE bayuwarisches Brauchtum zu kopieren?! Muss man den Anblick hiesiger Bürgermeister in Krachlederner und Gamsbarthut ertragen?! Ich kann ja verstehen, dass diese Herren auch damit um die Gunst der Pressefotografen buhlen, denn nach dem Wahlkrampf ist ja vor dem Wahlkampf und wer in den Kreis-, Landes- oder Bundestag will, der muss sich halt auch öffentlich zum Horst machen. Leute, wir leben am Rhein und die Alpen sind weit weg! Deshalb hier die abgewandelte Weisheit der Cree-Indianer:

Erst wenn das letzte Schoppeglas vom Maßkrug verdrängt wurde

Erst wenn die letzte Portion Spundekäs vor Weißwuascht und Bretz’n geflüchtet ist

Erst wenn der letzte Rheinhesse im maßbekrugten Vollrausch „Jo mei, a Hoch auf die Wies’n“ ruft

Erst dann werdet ihr kapieren, dass wir hier in Rheinhessen und nicht in Bayern leben!

Ich wollte doch nur ’nen scheiß Kaffee!!!!

Zu faul zum Lesen? Dann hör’s Dir als Podcast an!

Warum muss das Leben eigentlich dauernd so unglaublich kompliziert sein?! Das habe ich mich hier ja schon des Öfteren und in verschiedenen Zusammenhängen gefragt. Beispielsweise wenn es um Frauen geht oder besser die Interaktion zwischen Frau und Mann. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass auch Männer kompliziert sein können, aber eben anders als Frauen.

Kaffee ist kompliziert!
Kaffee ist kompliziert! (Foto: stock.xchng)

Aber ich frage mich, warum selbst ganz normale und alltägliche Dinge und eigentlich vollkommen unwichtige Vorgänge so unnötig verkompliziert werden müssen. Ein Beispiel, dass ich vor kurzem selbst erleiden musste. Ich war in München und bin in eine Filiale einer bekannten Kaffeehaus-Kette gegangen. Und wieder eine Frau, die mir das Leben unbedingt kompliziert machen wollte. Sie stand hinter der Theke, war blond, jung, bildhübsch mit einem zuckersüßen Lächeln und wirklich sehr nett.

Sie: „Guten Morgen, was kann ich Ihnen Gutes tun?“

Ich: „Hallo. Ich hätte gerne einen Kaffee.“

Sie: „Ich kann Ihnen heute unseren Chocolate Mocha & White Caffè Mocha mit Double Whipped Cream und Hot Fudge-Topping empfehlen, den haben wir im Angebot.

Ich: „Das ist nett, aber ich möchte einen Kaffee.“

Sie: „Oder möchten Sie mal unserer Caramel Macchiato probieren? Unsere Frapés sind auch klasse.“

Ich: „Nein, wie schon gesagt, ich möchte gerne einen normalen Kaffee!“

Sie: „Ok, einen Caffè Latte, Cappuccino, Caffè Americano oder Espresso?”

Ich: “Nein, bitte einen ganz normalen, einfachen Kaffee!”

Sie: „Gerne. Arabica oder Robusta? Soll es Columbia-, Guatemala-, Sumatra-, Kenya- oder Organic Ethiopia-Kaffee sein? Oder vielleicht einen French Press?“

Ich: „Solange er aus Kaffeebohnen gemacht ist, ist mir der Rest egal.“

Sie: „Ok, probieren wir es mit unserer Hausmarke. Soll es Single-Roast oder Double-Roast sein. Habe ich schon erwähnt, dass wir nur Fair-Trade-Kaffee vom Bio-Röster verwenden?!“

Ich: „Single passt schon…“

Sie: „Mit Milch? Wir haben double-fat, fat, low-fat, no-fat und selbstverständlich auch Laktose-frei oder Soy-Milk, falls sie Veganer sind.“

Ich: „Oh Gott, nein einfach schwarz.“

Sie: „Alles klar. Regular, Tall oder Grande?

Ich: „Was?“

Sie: „Klein, mittel oder groß?“

Ich: „Mittel“

Sie: „In house oder to go?“

Ich: “Was?”

Sie: “Zum hier trinken oder zum mitnehmen?”

Ich: „Zum mitnehmen, hier drin halte ich es nicht länger aus.“

Sie: „Alles klar.“

Ich (leise): „Seufz“

Sie: „Oh Entschuldigung, hab ich vergessen. Brauchen Sie Zucker? Wir haben White Sugar, Brown Sugar oder Sweetener.“

Ich: „Nein, nur schwarz.“

Sie: „Darf’s ein Schuss Aroma sein? Wir haben Hazelnut, Walnut, Macadamia-Nut, Amaretto, Vanilla, Cinamon, Chocolate, White-Chocolate oder Almond. Kostet nur 50 Cent extra.”

ABER ICH WOLLTE DOCH EINFACH NUR EINEN SCHEISS KAFFEE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was passiert, wenn ein Rheinhesse mit dem Bierpapst und einem netten Typ aus Liverpool …

… in München um die Häuser zieht? Na alle drei haben einen sehr schönen Abend! Ich war gestern auf der Fachtagung „Besser Online“ des DJV. Dort habe ich Conrad Seidl kennen gelernt. Ein echtes Original aus Wien sozusagen, denn er war in zünftiger Lederhose und Tracht mit Lodenmantel unterwegs. Er ist Journalist beim Standard und hat ein Fachgebiet: Bier. Ich hätte nie gedacht, das man an einem Abend so viel über Bier lernen und erfahren kann und ich rede nicht vom trinken, sondern wirklich von Know How. Ok, gestern Abend gingen Know-How und Trinken quasi Hand in Hand.

Er hat seinen eigenen Bierdeckel ;-)
Er hat seinen eigenen Bierdeckel 😉

Aber Conrad trägt den Titel Bierpapst völlig zu recht. Und als wir ins Weisse Bräuhaus der Weissbierbrauerei Schneider kamen, wurde er vom Wirt sogleich per Handschlag begrüßt und bekam doch tatsächlich seinen eigenen Bierdeckel, hier im Bild zu sehen. Als wir uns durch die verschiedenen Spezialitäten der Brauerei probierten und diskutierten, fragte ein Engländer, ob an unserem Tisch noch frei wäre. War es. Und kaum drei Minuten später ging der Rest des Abends auf Englisch weiter.

Ein Österreicher, ein Wiener und ein Rheinhesse sitzen in München beim Bier und diskutieren angeregt über die Existenz – also eigentlich die Nichtexistenz – von Gott, die Schwierigkeiten mit Frauen und der Liebe, gutes Essen und Bier aber auch typische und untypische Eigenarten von Deutschen und Engländern, Schotten und Amerikanern.

Der Abend wurde lang und länger und immer lustiger. Nicht mehr wirklich geraden Schrittes sind wir dann noch in ein Irish Pub und haben ein unverschämt teures Guiness als Absacker getrunken. Um 2:45 Uhr war ich dann im Hotel.

Fazit: Wenn man sich auf andere Menschen, auch Fremde, einlässt, kann man einen sehr unterhaltsamen, lehrreichen und kurzweiligen Abend haben und lernt dabei manchmal echt sehr interessante und nette Menschen kennen. Ok, den Typ aus Liverpool werde ich wohl nie wieder sehen und ich hoffe er ist intakt in seinem Hotel angekommen. Aber wenn ich mal nach Wien fahre, dann weiß ich, mit wem ich dort ein Bier trinken gehen werde!