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Lass die doch schreien. Sind doch nur alte Leute, die sterben eh bald.

„Haalllllooooooo, haaaaaaallllloooooooooo!!! Hiiiilfeeeee. Hört mich jemaaaaaand. Holt mich rauuuuussss. Haalllllooooooo!!“

Es ist die Stimme einer alten Frau die da ruft. Verzweifelt ruft. Sehr laut ruft. Sie rief gestern Abend! Sie rief die GANZE Nacht! Sie rief heute Morgen, als ich das Auto aus der Garage holte, um zur Arbeit zu fahren! Sie ruft seit mindestens drei Tagen!! Sie ruft aus ihrem Zimmer im Altenzentrum „Stiftung Zivilhospiltal“ Oppenheim. Und was passiert? Nichts! NICHTS!!!! Das Personal in diesem Altenheim lässt die Frau rufen. Stundenlang! Tagelang!

Die Würde des alten Menschen ist ... irrelevant? (Symbolfoto: stock.xchng)
Die Würde des alten Menschen ist ... irrelevant? (Symbolfoto: stock.xchng)

Und so geht es, seit ich da in der unmittelbaren Nachbarschaft wohne. Alle paar Monate hört man wieder alte Menschen rufen und schreien. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die Fenster offen stehen. Letztes Jahr im Sommer eine Männerstimme: „Hiiiiiiillllffeeeeeeeee!!“ Immer wieder. Nächtelanges Schreien. Dann wählst Du die Nummer, die auf deren Webseite steht. Eine Bandansage gibt die Bürozeiten durch und nennt eine Nummer, die in Notfällen außerhalb der Bürozeiten anzurufen ist. Dann rufst Du die an. Es geht keiner dran. Vor Jahren, als wieder ein alter Mensch tagelang schrie, habe ich schließlich mal die Polizei gerufen und das Ganze gemeldet. „Wir fahren mal hin“, sagten die Beamten.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Dies ist der erste Satz im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Aber wenn ich wieder dieses Schreien höre, dann scheint es eher so, dass die Würde des Menschen, dieser Menschen im Oppenheimer Altenheim, nicht unantastbar ist, sondern irrelevant!! Warum sonst sagt so mancher in Oppenheim: „Wenn Du zu alt und klapprig wirst, kannst Du froh sein, wenn Du stirbst, bevor Du da rein kommst.“ Warum sagen manche zu dieser Einrichtung „Altersknast“. Und ein Freund von mir sagte mir: „Mein Opa kam da auch rein und zwei Monate später war er tot.“ Ich bin selten so zynisch, aber nachdem alle Jahre wieder dort alte Menschen schreien und schreien gelassen werden, kommt man beinahe zwangsläufig zu dem Fazit, dass ich als Überschrift für diesen Blog-Eintrag gewählt habe. Man hat den Eindruck, dass genau das dort das Credo für den Umgang mit den alten Menschen ist. Man lässt sie liegen und schreien. Man lässt sie mit ihren Ängsten und Nöten alleine. Schaltet die Ohren auf Durchzug. Irgendwann wird das Zimmer dann frei für den Nächsten, der in diese letzte Station vor der Gruft ausgelagert wird. Vielleicht schreit der oder die ja dann nicht oder zumindest leiser.

Und das Problem ist ja nicht auf dieses Altenheim beschränkt und auch systembedingt. Wenig Personal, das wenig verdient. Hohe Kosten. Rigide Minutenvorgaben der Pflegeversicherungen für „Pflegeverrichtungen“ lassen eben keinen Platz für Menschliches und Menschenwürdiges. Das Problem wird sich in vielen Altenheimen wiederfinden lassen. Aber ich wohne nun mal direkt neben dem Altenzentrum „Stiftung Zivilhospiltal“ Oppenheim. Und ich bin mir sicher: Heute Nacht schreit die alte Frau wieder. Und ich bin mir sicher, sie lassen sie wieder schreien!

Die Fressmaschine

Gestern Abend nach dem Schwimmen – wir haben eben schnell die 1000 Meter (40 Bahnen a 25 Meter) für’s Sportabzeichen weggekloppt – sind wir von der Not und Hunger getrieben zum McDonalds gefahren. Leider waren wir zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen, da durch diverse Heldentaten unsere Stammkneipe direkt im Hallenbad zugemacht hat. Das war schon praktisch da beim Rüdiger. Du konnest quasi direkt aus der Dusche in die Kneipe gehen. Da war’s gemütlich und immer lecker und wir haben dort viele schöne Abende verbracht. Aber seit letzter Woche…. Aber ich schweife ab.

Fressmaschine-1
Die Fressmaschine.

Also wie gesagt, wir waren beim Mäckes. Schwimmen macht natürlich hungrig. Aber wie es scheint macht Schwimmen auch dann hungrig, wenn man anderen dabei zuschaut. Denn einer der Youngsters in der Gruppe hatte den Abend wie immer als Trainer am Beckenrand verbracht und auch nach 20 Uhr nicht eine Bahn gezogen. Er hat dann bei McDonalds einen Big Mac gegessen. Nachdem er den verputzt hatte, rückte er dem zweiten Big Mac zu Leibe, den er sich gleich zu Beginn geholt hatte. Parallel zu den beiden Big Macs hat er noch eine 20er Packung Chicken Mac Nuggets vertilgt. Muss ich erwähnen, dass auch Pommes und Cola den Weg in den nimmersatten Schlund fanden.

Die Fressmaschine.
Die Fressmaschine.

Und was sagt der Kerl, nachdem er sich geschätzte 10.000 Kalorien reingehauen hat?!?! „Ich hab noch Hunger!“ Ja aber wenn Sie wertgeschätzte Leser jetzt glauben, dass der zweite Vornamen dieses jungen Mannes „Adipositas“ lautet, er Klamotten im XXXXL-Maß trägt und nur quer durch die Eingangstür der Burger-Braterei passt, dann irren Sie sich auf das aller Gewaltigste. Der Kerl ist spindeldürr!!! Der muss bei stärkerem Wind schwere Schuhe anziehen, dass er nicht weggeweht wird. Und wir haben noch so einen im Verein, bei dem man auch die Knochen klappern hört, wenn er sich bewegt. Der kann auch (fast) soviel (fr)essen. Also ich würde soviel Zeugs nicht vertilgen können. Nicht nur wegen der Menge. Der Fraß beim McDonalds schmeckt mir auch nicht. Ich hab gestern einen dieser neuen McWraps gegessen, die sind halbwegs genießbar. Aber die beim Mäckes in Oppenheim bringen es sogar fertig, Pommes zu versauen und Fritten frittieren ist doch echt nicht schwer.

Darf ich Sie einladen, an meiner Paranoia teilzuhaben

Ja seit gestern, da sollen wir Technikfreaks und selbstbestimmte Datenbürger wieder paranoid sein, zumindest Leute wie ich die ein iPhone und sogar noch ein iPad haben. Denn beide zeichnen Bewegungsdaten dauerhaft auf! Ja mein iPhone weiss ganz genau, wann ich wo war. Und deshalb müssen wir uns jetzt ganz schlimm echauffieren und schimpfen. Böses iPhone! Böse Firma Apple! Ok liebe Leser, dann darf ich Sie jetzt einmal einladen, an meiner Paranoia teilzuhaben. Die nebenstehende Karte ist mein Bewegungsprofil, aufgezeichnet ab dem Zeitpunkt, ab dem ich das iPhone 4 bekommen und aktiviert habe. Na dann schauen wir doch mal, wo der Kerl sich so rumtreibt!

Bitte schön: Das iPhone sagt, hier treibt sich Andreas Lerg herum.
Bitte schön: Das iPhone sagt, hier treibt sich Andreas Lerg herum.

Aha! Andreas war in Paris! Stimmt. War ich. Und es war und ist dort wunder wunder schön. Ich war dort letztes Jahr im September. Und außer mir selbst hatte ich nur noch meinen Hund dabei und ich bin an zwei Tagen 30 Kilometer durch die Seine-Metropole spaziert. Sollte jeder mal machen. Tut gut. Und wer tatsächlich mehr über meinen Egotrip nach Paris wissen will, sil vou plais: Le Egoiste-cest bon.

Soso. In Paris war er also!
Soso. In Paris war er also!

Der Kerl ist aber verdächtig oft in Darmstadt! Na klar bin ich das, denn ich arbeite dort. Sie wissen schon. Job, Geld verdienen, morgens fahr ich hin und abends fahr ich heim und das Montags bis Freitags. Das kann man auch ohne das iPhone wissen.

Was macht der denn so oft in Darmstadt?
Was macht der denn so oft in Darmstadt?

Gut, schauen wir weiter. Moment mal! Ich bin quasi NIE zu Hause! Glaubt man dem Bewegungsprofil und schaut Oppenheim an, dann bin ich quasi überhaupt nicht dort anzutreffen. Oder schalte ich etwa immer außerhalb von Oppenheim mein iPhone komplett aus, damit keiner merkt, wenn ich daheim bin. Wer mich als bekennenden Nerd kennt, der weiss, das mein iPhone quasi immer angeschaltet ist. Und ich bin auch TÄGLICH zu Hause – außer wenn ich in Paris oder für ein paar Tage auswärts bin – denn ich wohne hier. Und nun? Erkenntnis: So perfekt ist die Standortprotokollierung scheinbar doch nicht. Ui! Sollte das iPhone tatsächlich „fehlbar“ sein?

Also sowas! Der Kerl ist ja nie zu hause!
Also sowas! Der Kerl ist ja nie zu hause!

Aber es geht noch besser! Laut der Karte mit meinem Bewegungsprofil war ich durchaus oft in und um Herford. Dort sind viele Ortsmarken zu finden, die mein iPhone gespeichert hat. Einige dieser Ortsmarken sind dick dargestellt. Laut meinem iPhone war ich theoretisch also öfter oder länger in Herford als zu Hause in Oppenheim. Die Sache hat nur einen Haken. Ich war seit ich das iPhone 4 habe KEIN EINZIGES MAL in Herford oder auch nur in der Nähe. Ich bin auch nicht die Autobahn A2 an Herford vorbei gefahren, wobei es ja dann entlang der A2 weitere Ortsmarken geben müsste.

Ich war definitiv nicht in Herford!
Ich war definitiv nicht in Herford!

Fazit: Dass das iPhone ohne mich zu fragen meine Standorte aufzeichnet und damit ein Bewegungsprofil ermöglicht, finde ich nicht gut. Gar nicht gut! Ich würde gerne gefragt und dann selbst entscheiden. Aber deshalb jetzt ein riesen Geschrei anfangen? Echt nicht! Ich bin ein Technikfreak und Nerd! Ich starte einen Sport-Tracker wenn ich Laufen gehe und die Leute die es interessiert, können mir im Internet live zuschauen. Ich bin mir sicher KEINER guckt zu. Ich bin jemand der auf Facebook nicht die Klappe halten kann und dauernd postet und die Leute mit seiner Meinung behelligt. Und jetzt soll ich mich künstlich aufregen und Zeter und Mordeo schreien? Nö!!

Aber vor allem: Auch Dein Smartphone weiss was Du wann tust!! Oder glaubt ernsthaft jemand, diese Technik sei nur im iPhone vorhanden und wird nur von Apple verwendet?! Und eine Dreieckspeilung über Mobilfunkmasten funktioniert schon seit es Handys gibt und die „nur“ zum telefonieren taugten!

Fanpost für die Stammhirnrinde

FanpostHab ich die Tage doch tatsächlich sowas wie Fanpost bekommen! Mit Erlaubnis des Absenders darf ich die hier abdrucken.

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Hallo Herr Lerg,
ein Freund hat mir heute den Link zu Ihrem Dschungelcamp-Artikel geschickt. Darüber bin ich dann über den Katzenberger-Beitrag gestolpert, und dort hat mich dann der Satz „wie man bei uns in Rheinhessen sagt“ aufmerken lassen.

Kurz und gut, ich bin entzückt, daß sowas genial Unterhaltsames wie Ihre Website aus unserem schönen Oppenheim kommt!!! Ich bin vor einem Jahr berufsbedingt in den Harz ausgewandert, hänge aber immer noch sehr an unserem buckligen Städtchen (und hab nebenbei noch eine Wohnung in der Steckengasse – falls Sie also jemanden kennen, der eine 114 qm-Bleibe in der Altstadt sucht, MIT STELLPLATZ!!!!….).

Weiter so!!

Viele Grüsse in die alte Heimat,

Hä? Wo ist der Hund?

Allmorgendlich, wenn ich zur Arbeit fahre, bringe ich Giacomo, meinen Hund, zu meinen Eltern nach Nierstein, die ihn tagsüber versorgen. Dann fahre ich mit der Fähre ins Hessenland nach Darmstadt.

Ich halte also heute morgen so um 7:15 Uhr bei meinen Eltern vor dem Haus, steige aus, mache den Kofferraum auf. Kein Hund drin! Ich denke mir: „Hä? Wo ist der Hund?“ Der lag nach wie vor daheim in Oppenheim vor der Haustür auf der Treppe und hat sich vermutlich kurz und knapp gewundert, warum sein Herrchen ohne ihn davon gedüst ist.

Giacomo, oder "48 Kilo gute Laune"
Giacomo, oder "48 Kilo gute Laune"

Das übliche morgendliche Ritual

Ich hab eigentlich das getan, was ich jeden Werktagmorgen tue. Ich habe mit Giacomo an der Leine das Haus verlassen, die Tür hinter mir abgeschlossen und den Hund auf der Haustürtreppe „geparkt“. Dann habe ich wie immer die Allgemeine Zeitung aus dem Zeituntsrohr genommen, bin zur Garage, habe diese aufgeschlossen, das Auto rausgefahren und die Garage wieder abgeschlossen. Normaler weise hole ich dann den Hund von der Haustürtreppe, mach den Kofferraum auf, Giacomo hüpft rein und los gehts nach Nierstein. Nun, diesen letzten Teil des allmorgendlichen Rituals habe ich diesmal vergessen und bin doch tatsächlich ohne Hund einfach losgefahren. Und ich hab es erst, wie oben beschrieben, in Nierstein gemerkt. Also zurück gedüst nach Oppenheim den Hund holen. Und Giacomo guckte mich an als wollte er sagen „Na, auch schon wach, Du Nachtkapp!?“

Das kommt davon, wenn der Kopf schon längst mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt ist, denn daran lags. Ich hab weder gestern gesoffen wie ein Elch, noch heute Nacht schlecht geschlafen. Ich war einfach mit dem Kopf schon einige Aufgaben weiter.

Public Viewing Deutschland gegen England mit russischem Vorspiel

Was war den heute mit unserer Fußballnationalmannschaft los? Die haben plötzlich so gut gespielt, als hätten sie ein BIOS-Update verpasst bekommen. Haben England 4 zu 1 vom Platz geputzt. Eigentlich 4 zu 2 wenn der Schiedsrichter das zweite Tor der Engländer gegeben hätte. Der war drin! Was soll’s, richtig gut gespielt und verdient gewonnen.

Public Viewing im Kreise der DLRG-Familie.
Public Viewing im Kreise der DLRG-Familie.

Diesmal haben wir selbst Public Viewing veranstaltet. Wir machen ja seitens der DLRG Sonntags bei gutem Wetter Wachdienst am Strandbad. Also auch heute waren wir vor Ort. Aber ohne Fußball schauen? Neee! Diesmal habe ich Beamer, Boxen etc. hin gebracht. Max  hatte sein Notebook mit DVB-T-Stick dabei und wir haben die Leinwand in die Garage gestellt, denn draußen hätten wir sonst wegen der Sonne garnix gesehen. Und dann haben wir gemütlich im Kreis der DLRG-Familie und mit einigen wenigen Badegästen das Spiel Deutschland gegen England genossen. Nach den Toren haben wir über die Lautsprecheranlage jeweils den Zwischenstand über das Oppenheimer Strand beschallt.

Und wir hatten sogar noch „Kundschaft“ vor dem Spiel. Während wir sonst während des Wachdiensten vor allem mit Erster Hilfe Schnittverletzungen an Füßen (heute auch) oder Insektenstiche und Sonnenbrände verarzten, wurde es diesmal ernst! Eine – sagen wir es mal höflich – sehr stark alkoholisierte Russin (vielleicht auch Polin), die kaum noch gerade aus laufen konnte, wankte oben von der Wiese zieltstrebig in Schlangenlinien ins Wasser des Rheins und war nach wenigen Augenblicken hilflos in der Strömung unterwegs. Zum Glück hatten das zwei unserer Mädels mit wachem Auge beobachtet und direkt geahnt, was kommt. Daher konnte die Dame im schwimmerischen Einsatz gerettet werden. Gut gemacht Ulla und Steffi! Die gute Frau war so massiv betrunken, dass sie sich selbst nicht hätte retten können und wer weiß wie schnell dass dann sehr fatal ausgegangen wäre.

Damit nicht genug, denn wir waren heute auch noch im Medieneinsatz. Ein Kamerateam von Gutenberg TV war vor Ort um über Gefahren an fließenden Gewässern zu berichten. In dem Interview, dass ich in meiner Funktion als Leiter der Verbandskommunikation des DLRG Landesverbandes Rheinland-Pfalz geben durfte, hatte ich unter anderem auch genau diese Probleme mit betrunkenen Badegästen angesprochen.  Die Redakteurin war sichtlich beeindruckt, als sie kaum 20 Minuten später genau die beschrieben Situation „live und in echt“ miterleben konnte. Das Fernsehteam ist dann auch direkt geblieben und hat die erste Halbzeit des Fußballspiels mit uns geschaut. Hmmm …. also die Kamerafrau war echt sehr nett, fand ich!
😉

Zwei Kirchen zwei Chöre ein einziger Genuss

Am Samstag war ich quasi weitestgehend in Sachen Chormusik unterwegs. Um elf Uhr hat sich unser Chor Harmonie im Takt in der katholischen St. Bartholomäus-Kirche in Oppenheim getroffen. Tobias und Nicola, zwei Mitglieder unseres Chors, haben geheiratet und wir haben für Sie „Kein Feuer, keine Kohle“ und „Von guten Mächten“ gesungen. Beides ist uns ausgesprochen gut gelungen, darf ich mal voller Stolz sagen. Das erste Stück haben wir zu Instrumentalbegleitung aus der Konserve (CD) gesungen. Das zweite dann begleitet von der Orgel. Es hat viel Spaß gemacht.

Katharinenkirche
Katharinenkirche

Abends um 19 Uhr bin ich dann in die St. Katharinen-Kirche gepilgert, wo der Malone University Chorale aus Canton Ohio ein Konzert gegeben hat. Ich hatte meine kleine Videokamera mitgenommen und habe drauf gehalten. Der Film ist nichts besonderes, denn bei schlechtem Licht macht die Kamera auch nur schlechte Aufnahmen und die Audioqualität ist auch mehr als bescheiden. Zudem musste ich die Kamera am halb ausgestreckten Arm am Kopf des Typs vor mir vorbei halten. Deshalb ist das Ganze auch ziemlich verwackelt. Aber schaut Euch das Video an! Ich glaube es vermittelt dennoch einen Eindruck, was für ein tolles Erlebnis dieses Konzert war.

Dieser Chors der Malone Universität widmet sich ausschließlich christlichem Liedgut. Sinn und Zweck des Ganzen ist die Lobpreisung des Herrn, um es mal frei übersetzt von deren Webseite zu sagen. Daher hörten wie viele Choräle, Spirituals und Gospel. Die Stimmen dieser 60 jungen Männer und Frauen in der Katharinenkirche. Das war ein faszinierendes Klangerlebnis. Vor zehn Jahren hätte man mich mit solcher Musik jagen können, aber jetzt saß ich da in der Kirche und hatte fast Tränen in den Augen, so schön war dieser Gesang.

Der Chor macht eine kleine Tour durch Europa und das Konzert in der Katharinen-Kirche war das erste Gastspiel auf dieser Tour. Ich bin am Freitag zufällig bei der Allgemeinen Zeitung über die Ankündigung des Termins gestolpert. Leider stand in der Ankündigung weder wann noch wo das Konzert in Oppenheim stattfindet. Aber dank Google hatte ich schnell die Internetseite des Chors und dort den Tourplan gefunden. Und Samstags stand es dann in der Druckausgabe. Hier der Artikel aus der AZ über das Konzert. Dieses Konzert hätte sich sicher auch für einen Videobeitrag bei der AZ angeboten. Die VJs der AZ hätte sicher einen um ein vielfaches besseren Film produziert, als ich da zusammen gestümpert habe. Geld für eine gescheite Ausrüstung müsste man haben …

Public Viewing fast wie im Altersheim und die Deppen mit dem Möööööööp

Während der WM 2006 habe ich mich einem Phänomen noch entzogen, welches ich gestern dann aber doch erstmals genossen habe: Public Viewing. Auch wenn darunter in den USA tatsächlich die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen verstanden wird, so ist unter diesem Begriff in Deutschland das zu verstehen, was man auch als „Rudelgucken“ bezeichnen könnte. Es rottet sich eine größere Menge Menschen zusammen, um gemeinsam die TV-Übertragung eines wichtigen Ereignisses als gruppendynamisches Erlebnis zu genießen. Ich war gestern also erstmals beim Public Viewing und habe das Spiel Deutschland gegen Australien geschaut, äh pardon public geviewet.

Rudelgucken während der Fußball WM 2010
Rudelgucken während der Fußball WM 2010

Als absoluter Fußball-Nixwisser will ich auf das Spiel nur sehr kurz eingehen. Wir haben 4:0 gegen Australien gewonnen. Wie titelten die Medien doch, nachdem Boateng unseren Michael Ballack aus der WM-Aufstellung getreten hatte? Da hieß es, das ohne unseren El Capitano alles aus und vorbei und die WM quasi schon verloren wäre. Na dann war das gestern doch wohl mal eine ganz klare Ansage, oder? Im Radio sagte ein Fußballexperte heute Morgen: „Wir haben eine überraschend starke deutsche Mannschaft gegen einen überraschend schwachen Gegner gesehen.“ Damit will ich es mit meinen Kommentaren zum Spiel bewenden lassen, denn wie schon erwähnt, ich habe keine Ahnung von Fußball. Kommen wir zurück zu meinem eigentlichen Thema, dem Public Viewing.

Public Viewing ist, betrachtet man die Berichterstattung darüber in Fernsehen, eine Ansammlung zigtausender fanatischer Fans, die schreien, jubeln, lärmen. Zu tausenden stehen sie engst gedrängt auf Plätzen zusammen, um auf gigantischen Leinwänden dem Spiel zu folgen und sich Leib an Leib gegenseitig im Schweiß der Umstehenden zu suhlen. Hitze, Schwitzen, Leiber reiben aneinander. Fällt ein Tor, folgt minutenlanger ohrenbetäubender Jubel, synchrones Hüpfen und Winken. Anders als synchron geht es dank der drangvollen Enge sowieso nicht. Wildfremde Menschen umarmen sich im Freudentaumel. Eine nicht enden wollende orgiastische Fußballparty.

Nicht ganz so in Oppenheim in der Emondshalle. Die Halle war mit Stühlen in „Kino-Bestuhlung“ ausgestattet und alle saßen schön brav auf ihren Hintern. Alle? Nein, Denn @seeber76, @wasserulla, @mduckwitz und @stockibaby (meine Wenigkeit), blieben mit kaum einer Handvoll anderen Standhaften standhaft am Stehtisch stehen, während die restlichen 99 Prozent der Besucher schön brav auf ihren Gesäßen saßen. Ab und an stand mal einer auf, um Getränke zu holen, die es zu erfreulich vernünftigen Preisen gab. So stelle ich mir Public Viewing im Altersheim von Opa Abe Simpson aus der gleichnamigen Comic-TV-Serie vor.

So würde Opa Simpson Public Viewing machen.
So würde Opa Simpson Public Viewing machen.

Singen ist etwas wunderbares, spaßiges und freudvolles, wie @wasserulla es hier in ihrer Kolumne bei der AZ nicht besser und treffender hätte beschreiben können. Ich weiß wovon Sie redet, denn ich singe auch nicht nur gerne, sondern „organisiert“ im Chor. Aber gestern, beim Public Viewing kam in dem Moment, in dem die Nationalhymne abgesungen wurde wieder ein Wunsch in mir auf: Warum können Leute, die absolut nicht singen können, es nicht auch einfach bleiben lassen. So wie es Nichtschwimmer gibt (Leute die nicht schwimmen können) sollte man auch Nichtsänger sagen dürfen. Aber genau diese Nichtsänger brüllen und blöken erst recht und am lautesten drauflos. Es ist erstaunlich zu welch unglaublichen Disharmonien mancher dieser Zeitgenossen – ob Alcalde oder Ciudadanos vulgares – fähig sind. Da lag mancher dieser „Sänger“ tonal nicht etwas, sondern meilenweit daneben. Ok, auch dieses Gegröle gehört wohl zum Public Viewing.

Apropos Lärm, kommen wir zum Thema Vuvuzelas. In der Emondshalle gestern waren doch tatsächlich nur magere vier dieser plastilienen Klangkörper im Einsatz! Das waren meine, die von @seeber76, @mduckwitz und dann hatte noch einer von Sitzguckern vorne in der ersten Reihe ein solches Blasrohr. Aber die krassen Mega-Deppen in der Hinsicht standen zwei Stehtische weiter rechts von uns. Zwei junge Typen hatten kein entsprechendes Instrument dabei. Doch das hielt sie nicht davon ab, alle paar Minuten erst „Vuvuzelaaaaaaa“ zu brüllen, sich dann die hohle Faust vor den Mund zu halten und ein verzweifeltes „Möööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööp“ durch selbige zu rufen. Das Demenz in so jungen Jahren einsetzen kann, ist erschreckend.

Ich hatte ja schon angedeutet, dass mich das gestrige Rudelgucken an „Public Viewing fast wie im Altersheim“ erinnert. Aber warum? Das mit dem Sitzgucken habe ich ja schon ausreichend dargestellt. Ich hätte mir das ganze deutlich emotionaler, lauter und infernalischer vorgestellt. Die ersten echten Emotionen brandeten auf, als sich am Eingang jemand ärschlings an den Lichtschalter lehnte und die Neonlampen im Saal aufflammten. „Äääääääiiiiiihhhhh Lischd auuuuuussssss!“

Bei jedem Tor sprangen alle auf. Es wurde laut gejubelt und gejohlt. Es wurde „Doitschlaaaaaaand Doitschlaaaaaaaaaaaaaaand“ nein nicht gesungen, sondern natürlich gebrüllt. Und dann? Nach relativ kurzer Zeit saß der ganze Saal dann auch wieder brav auf’m Hintern. Heee Leute, was ist mit ausuferndem Enthusiasmus, frenetischem Freudentaumel. Auch nach dem dritten Tor das gleiche Spiel, ganz fix war wieder Ruhe im Saal und nur @seeber76, @wasserulla, @mduckwitz und @stockibaby sowie die zwei Oral-Vuvuzela-Deppen zwei Stehtische weiter rechts mühten sich hüpfend und johlend um Stimmung.

Wir – also unsere Mannschaft – haben Australien 4 zu 0 aber so was von vom Platz geputzt. Ein richtig fetter Auftakt für die WM, den sogar die britschen Medien wie The Guardian wohlwollend anerkennen. Aber was passierte nach dem Schlusspfiff in der Emondshalle? Nein keine ausgelassenes „Public partying“! Statt dessen „Public Homegoning“! Nach kaum 30 Minuten war der Saal nicht nur komplett leer sondern dunkel und abgesperrt.

Hier und da noch ein kleiner Autocorso...
Hier und da noch ein kleiner Autokorso...

Haaaaaalllllloooooo? Wir haben gewonnen und die Sitzgucker stehen auf und gehen einfach heim? Ich musste heute auch um 6:00 Uhr aufstehen, aber trotzdem muss man so einen Sieg doch wenigstens mal ein Stündchen feiern! Hier und da noch der eine oder andere Autokorso aber @seeber76, @mduckwitz und @stockibaby hocken nach kürzester Zeit schließlich allein zu dritt vor der Halle und mühen sich verzweifelt, noch irgendjemanden wenigstens ein bisschen mit ihren Vuvuzelas zu nerven. Vergeblich! Liebe Oppenheimer Mitbürger, dass muss besser werden! Mit so wenig Enthusiasmus werden wir Jogis Jungs nicht bis ins Finale und dort zum Sieg brüllen können! Aber so wie sich unsere Nationalmannschaft noch steigern muss, so müssen wir das eben auch…

Harmonie Oppenheim lädt ein zum „Sing in“ am 23. Februar

Die Harmonie in Takt.
Die Harmonie in Takt.

Wie bin ich zum Singen im Chor gekommen? Ich sang schon immer gerne unter der Dusche oder auch unterwegs im Auto. Ich sang bisher immer unter Ausschluss der Öffentlichtkeit, es könnte ja einer zuhören 😉 Aber ich hatte und habe dabei immer viel Spaß!

Irgend wann letztes Jahr dachte ich mir: „Das was Du da singst klingt vielleicht nicht gut, aber doch mindestens brauchbar. Der Hund rennt auch nicht panikartig weg, sobald ich losträller. Also warum nicht mal das Singen im Chor ausprobieren?“ Also bin ich einfach mal hingegangen. Und siehe da, die Harmonie in Oppenheim hat mich nicht wieder fort geschickt, ich durfte bleiben und singe seit dem mit. Ok diese schwarze „Duppe“ auf dem Papier sind mit immer noch zum Teil ein Rätsel, aber man hat ja Ohren! Das Singen im Chor macht einen heiden Spaß, nicht zuletzt, weil wir eine lustige vielleicht auch leicht verrückte Gruppe sind. Ich kann es nur jedem empfehlen. Wer Lust hat, kommt einfach vorbei. Oder: Lies „Harmonie Oppenheim lädt ein zum „Sing in“ am 23. Februar“ weiter