SchlagwortPfarrrer

Von Gesang und Abtreibungen am Volkstrauertag

Von guten Mächten.
Von guten Mächten.

So! Eben gerade bin ich vom Friedhof zurückgekommen. Dort hatten wir von der Harmonie einen Auftritt mit zwei Liedern. Wir haben zunächst „Von guten Mächten“ und dann „Da pacem domine“ gesungen. Unsere Darbietung war ganz gut, nicht überwältigend, aber auch nicht schlecht. Unser Chorleiter hat recht, im Freien zu singen ist wirklich sehr schwierig. Es fehlt dort ja im Prinzip jede Akustik, so dass man sich und seine Mitsänger nur sehr schwer hört. Aber gerade das sich gegenseitig hören ist beim Singen sehr wichtig. Aber wie gesagt das ist ganz gut gelaufen.

Der Oberkracher aber war der Pfarrer, der die Predigt gehalten hat. In einer nicht enden wollenden Litanei hat er sich von den Kriegen des 17. Jahrhunderts entlang sämtlicher Kriege seit dem bis nach Afghanistan durchgepredigt. Damit aber nicht genug! Unter dem Leitmotiv Frieden bekam dann auch alles und jeder sein Fett weg. Er prügelte auf die Politiker ein – nicht zu Unrecht – aber auch auf alle Themen von Familie bis hin zur Gesellschaft. In Bezugnahme auf die Kriege und den Frieden schimpfte über Eheleute die sich scheiden lassen, über Kinder die sich im Sandkasten streiten, über Nachbarn die sich wegen herüber wachsender Äste streiten und so weiter und so fort. Richtig peinlich wurde es dann, als er bei der Gelegenheit auch ausgerechnet noch gegen Sachen wie Abtreibung wetterte und fragte: „Wie können wir von Frieden auf der Welt reden, wenn auf diese Weise jedes Jahr zig tausendfach Leben getötet wird.“

All das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, worauf er herumgeritten ist. Und man mag zu den verschiedenen Themen erstehen wie man will! Aber muss man mit dem Leitmotiv des Volkstrauertages wirklich mit allem und jedem abrechnen? Ich persönlich kann es nicht leiden, wenn ein Geistlicher eine Predigt nutzt, um weltliche Politik zu machen oder zumindest Stimmung dagegen. Ein weiterer Punkt war, dass dieser Pfarrer wirklich ewig geredet hat. Und in meiner Umgebung wurde nach etwa einer Viertelstunde immer häufiger geflüstert: „Jetzt reicht es aber langsam!“ „Jetzt kann er aber endlich mal aufhören!“ Oder auch “Wie lang will der denn noch reden?“ Aber er redete noch eine ganze Weile, dann kam das Gebet und dann unser zweites Lied.

Interessant indes war auch die Rede des Bürgermeisters. Es waren vielleicht nicht die gleichen  Worte, aber inhaltlich hat er exakt das gleiche erzählt wie letztes Jahr. ER hat wie letztes Jahr erklärt wie der Volkstrauertag entstanden ist, was die Nazis draus gemacht haben und wie er nach dem Krieg zu dem wurde, was er heute ist. Alles genau so schon letztes Jahr an gleicher Stelle vernommen. Er ist sozusagen ein Wiederholungstäterredner.

[ad#Google Adsense]