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Was trägt der Schotte denn nun drunter?

Mann trägt drunter, was bequem ist...
Mann trägt drunter, was bequem ist...

Eigentlich wollte ich die Frage, was der Schotte unter seinem Rock trägt, ja fotografisch klären. Das hat aber aus mehreren Gründen nicht funktioniert:

1. Die wehren sich dagegen, unter den Rock fotografiert zu bekommen oder dass jeman denselben anhebt. Und wir wollten die Insel weder vorzeitig und unfreiwillig noch massiv beschädigt verlassen.

2. Der Wind hat sich als Verbündeter bei dem Unterfangen blamiert. Schottenröcke sind sehr schwer und windfest.

3. Auch bei anderen Ereignissen wie Highland-Games, wo so ein Rock sich mal lupft, fanden immer dann statt, wenn wir schon wieder weiter zu nächsten Station unserer Reise fuhren oder aber sie waren gerade vorbei, wenn wir ankamen.

4. Plan B – Schottenrock in einem Laden anprobieren und ….. – scheiterte daran, dass in den Läden, die wir besucht haben, keine Umkleiden vorhanden waren und ich dieses typische schottische Kleidungsstück nur „über“ der Jeans anprobieren durfte. Die Dinger sind sehr bequem!

Aber als guter Journalist habe ich die Antwort durch harte Recherche dennoch erfahren und kann mein Wissen hier daher mit Euch teilen.

Der Schotte trägt nix drunter

Also, das Gerücht, dass der Schotte nichts drunter trägt, stimmt. Oder es stimmte einst. Denn als die Schotten im Mittelalter noch ein wildes und rauhes Volk waren, da gab es den Kilt in seiner heutigen Form nicht. Statt dessen wurde ein langes Tuch in den Farben und Mustern des Clans ähnlich wie eine Tunika um die Hüfte und den Körper gewickelt und diente als „Ganzkörperkleidungsstück“. Daraus entwickelte sich der heutige Schottenrock. Und damals trug der Schotte „pretty much nothing“ drunter, höchstens ein einfaches Leinenhemd, aber nix wirklich drunter. Das war auch sehr praktisch, denn da es kaum Toiletten gab und Mann (und auch Frau) daher „machte“ wo Mann gerade war, konnte Mann und auch Frau ohne Unterwäsche einfach unter sich „fallen lassen“, wenn Mann und Frau mal musste. Das sei, so mein schottisch berockter Informant in einem Kilt-Laden in Edinburgh, der wesentlich Grund für das nichts drunter tragen gewesen.

Der Schotte trägt was drunter

Heute, da der Kilt ein einzelnes Kleidungsstück und vor allem ein Wickelrock ist, der um die Hüfte gewickelt und mit Schnallen gürtelähnlich zugezogen wird, trägt der Schotte etwa drunter. „Pretty much what comforts you“, erklärte mein Informant. Es gibt also keine bestimmte Leibwäsche, die der Schotte heutzutage unter dem Rock trägt oder zu tragen hat. Erlaubt ist, was passt und bequem ist. Erlaubt wäre also auch nichts drunter zu tragen.

Tartan als „Stoff-gewordenes Clan-Wappen“

Dennoch gibt es zum Schottenrock einige traditionelle Kleidungsstücke und Zubehöre. Aber zunächst noch ein paar Worte zum Kilt selbst. Der Stoff wird „Tartan“ genannt und ist gewebt. Jeder Clan hat ein eigenes Muster, das wie eine Art Wappen ist und den Clan indentifiziert. Die Rückseite des Kilts ist als Faltenrock ausgebildet, sprich die scharfkantigen Falten sitzen auf dem Gesäß. Dadurch dehnt sich der Stoff, beim Sitzen auch im Sattel. Ein guter hochwertiger Kilt kostet ab 150 Pfund aufwärts, die Grenze nach oben ist weit dehnbar. Einen einfachen und dennoch gut verarbeiteten Kilt bekommt man für 50 Pfund (ich wahr sehr verlockt einen zu kaufen, haben statt dessen aber in Single Malt investiert). Es gibt dann noch den Touristen-Schrott, das sind billigste Karomusterstoffe ohne Innenfutter, Saum und Nähte mit Plastik- oder Kunstlederschnallen. Die kosten rund 20 Pfund und taugen absolut nichts.

Kilts exklusiv für Männer

Der Kilt übrigens ist ein Kleidungsstück ausschließlich für Männer. Frauen tragen kiltähnliche Tartan-Röcke, die „kiltet Skirts“ genannt werden.

Sporrans

Auffälligstes Zubehör ist die handtaschenartige Tasche, die eher unterhalb des Bauches vor dem … ihr wisst schon … hängend getragen wird. Diese Tasche wird „Sporran“ genannt. Einfache Sporrans sind aus Leder, bessere haben Metallschließen. Die aufwändigen festlichen Sporrans sind mit Pferdehaaren, Fell und Zöpfen verziert.

Socks, Flashes und Sgian Dubh

Ein weiteres traditionelles Kleidungsstück sind die dicken Wollsocken, die unterhalb des Knies eine umgeschlagene Stulpe haben. In diesem Bund stecken nach außen zwei „Fähnchen“ des gleichen Tartanstoffes, aus dem der Kilt ist. Diese nennen sich „Flashes“. Der traditionsbewußte Schotte hat in einem der Socken dann auch ein kleines Messer, oder besser einen Dolch stecken, der „Sgian Dubh“ heißt. Wird ein sehr traditionelles schottisches Outfit getragen, hat der Schotte Schnürschuhe an, deren Schnürung über den Schuh hinaus am Bein kreuzweise hochgeführt wird. Richtig geraten, auch diese Schuhe hören auf einen speziellen Namen: „Ghillie Brogues“.

Ledergürten und Kilt-Nadel

Obwohl der Kilt durch seine eigenen Schnallen schon hält und nicht rutscht, wird ein breiter Ledergürten mit sehr dekorativer Schnalle getragen. Außerdem wird der Kilt in der Regel mit einer dekorativen Kilt-Nadel dort verschlossen, wo die Stofflagen des Wickelrockes aufeinander liegen und die offene Kante ist. Die Nadel sitzt dann seitlich unten am Kilt. Einfache Nadeln ähneln eine großen Sicherheitsnadel. Aber meist sind die Nadeln dekorativ gestaltet.

Jacobean-Highlander-Shirt

Als Oberbekleidung wird beim einfachen Outfit ein simples Hemd mit Schnürkragen getragen. Das Jakobiter-Hemd „Jacobean Highlander Shirt“. Soll es festlich sein, kommt ein weißes Oberhemd zum Einsatz, das sehr oft mit einem Rüschenkragen, dem „Jabot Lace“ ausgestattet ist. Passend dazu gibt es Rüschenmanschetten an den Hemdsärmeln. Verzierte Manschettenknöpfe sind ebenfalls zu sehen. Alternativ zum Rüschenkragen wird auch gerne ein Schlips oder eine Fliege getragen.

Argyll-Jackets & Co

Darüber wird dann eine schicke Jacke getragen, von denen es verschiedene gibt. Da wären „Standard-Argyll-Jacket“, „Piper-Argyll-Jacket“ (vor allem von Dudelsackspielern getragen), sowie „Braemar-Jacket“ und „Prince-Charles-Jacket“. Diese Jacken sind oft aufwändig mit Silberknöpfen und Zierrat ausgestattet. Oft trägt der Schotte unter der Jacke auch eine passende Weste.

Plaids

Als Reminiszenz an die Tage des oben erwähnten großen Wickeltuchkleides kann zum traditionellen Schottenanzug auch ein sogenanntes „Plaid“ getragen werden. Das ist ein Schultertuch aus dem gleichen Tartan, wie der Kilt. Das Tuch wird oft mit einer großen schmucken Brosche an der Jacke befestigt und hängt über den Rücken bis hinab auf die Knie. Ein komplettes Schottenoutfit für festliche Anlässe kostet schnell 600 Pfund und auch hier ist die Preisskala nach oben offen. Sehr weit offen!

Glengarries und Balmorals

Als Kopfbedeckung kommen vor allem beim Militär neben der Bärenfellmütze vor allem zwei Mützen oder Kappen in Frage. Die Glengarries sind eine Art Schiffchen mit Bommel, während die Balmorals einer Baskenmütze mit Bommel gleichen.

Dirk

Bei festlich-militärischem Ornat hängt an der Seite des Rockes auch ein Kurzschwert, dass „Dirk“ genannt wird.