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Amoklauf Memmingen – Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!!

Was in Memmingen passiert ist, ist schlimm. Dass es „gut“ ausgegangen ist – also keine Menschen getötet oder verletzt wurden – ist gut. Aber prompt lese ich dazu heute Morgen auf Facebook:

„Bayern 2 fragt: Muss man das Waffenrecht verschärfen nach dem Memminger Amok-Alarm? – Nö, verbietet doch ein paar Computerspiele, ihr Affen!“

Ich kann diese gequirlte Grütze Scheiße echt nicht mehr hören! Diese strunz dummen Schublade-auf-Schublade-zu-Forderungen. Einfach alle Gewalt-haltigen Computerspiele verbieten und schon wird alles gut?! Stammtischparolen von Deppen, die von Themen ganz wenig Ahnung haben, aber trotzdem ganz viel dazu sagen, bevor sie sich das nächste Bier in den Hals schütten! Das gleiche gilt für die Knallköppe, die jetzt wieder fordern, dass man privaten Waffenbesitz komplett verbieten und natürlich sofort alle Sportschützenvereine platt machen sollte. Genau die gleiche scheuklappige Denkweise. Irgendwas irgendwie verbieten, das wird schon helfen. Hier gilt der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das wollen diese Stammtischpragmatiker ja nicht.

Aber nicht nur an Stammtischen hören wir diese Parolen. Nein, denn jetzt treten natürlich auch wieder die Politiker auf den Plan. Beispiel: „Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen“, sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth am Mittwoch in Berlin. (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3067281) Und laut Welt kann die gute Grüne Rot noch markigere Sprüche raushauen: „Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen.“ (http://www.welt.de/newsticker/news3/article106368978/Memminger-Schuetze-knackte-Waffentresor-des-Vaters.html)

Nicht nur Claudia Roth nutzt solche Ereignisse wie in Memmingen, um sich mal wieder in Populismus und Populismen zu suhlen. Mit solchen Sprüchen kommt man ja auch direkt in die Presse und kann wieder Popularitäts-Bonuspunkte einkassieren. Wieder wird die Forderung laut: „Wenn Mitglieder von Schützenvereinen zur Ausübung ihres Sports schon Waffen benötigen, dann müssen die Waffen nebst Munition zentral in den Vereinsräumen sicher verschlossen und bewacht werden.“ (Grünenpolitiker Ströbele in der Süddeutschen).“ Experten unter anderem von der Gewerkschaft der Polizei warnen, dass dadurch riesige Waffenarsenale und Munitionsdepots entstehen. Die seien dann auch oft leicht auszunehmen, weil Schützenheime oft außerhalb liegen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber die Politiker werden nicht müde, wie die Parolenschreier an den Stammtischen, sich mit markigen Sprächen vor Kameras zu stellen. Hier gilt abermals der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das können diese Politiker ja nicht.

Und wieder wird bei der Schuldfrage ganz fix nach schwarzen Schafen gesucht. Neben den Universalschuldigen Computerspiele und öffentlicher Waffenbesitz, schnell noch den Vater…. Obwohl. So ein Mist, der hat doch diesmal tatsächlich alles richtig gemacht und die Waffen, wie es das – jaja viel zu lasche – Waffengesetz fordert, korrekt weggesperrt. Nur war der Junge fähig, das Schloss zu knacken. Gut, also einfach wieder das Waffengesetz verschärfen, anstatt mal gründlich nach den Ursachen für solche psychischen Ausnahmezustände bei Jugendlichen zu suchen – ja ich rede von den jungen Menschen, die da durchdrehen und Amok laufen. Bloß das Thema nicht gründlich aufarbeiten sondern schnell-schnell banale Pseudopatentrezepte aus dem Hut zaubern. Hier gilt erneut der Ratschlag: Bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten!! Aber das will unsere Gesellschaft ja nicht. Lieber die einfache und bequeme Lösung, statt der Suche nach unbequemen Wahrheiten und eine ganzheitliche Betrachtung des Problems.

Nicht nur die Stammtischpragmatiker und Politpropagandisten drücken sich bei diesem Thema um die unbequemen Fragen. Also stellen wir diese doch mal an dieser Stelle!

Leitfrage: Was treibt einen jungen Menschen so weit, dass er derart ausrastet und zu solchen Taten fähig wird?

1. Sind es gewaltverherrlichende Computerspiele und TV-Sendungen oder Filme?

Wenn es die alleine wären, würden über all zigtausend schwerst bewaffnete Kindern und Jugendliche durch die Gegend meucheln!

2. Warum kümmert sich niemand um Jugendliche, die anderen mobben, quälen, „abziehen“, ausgrenzen und fertig machen?

Ach ja. Da müssten Schulen, soziales Umfeld und Gesellschaft ja genauer hinsehen, sich einmischen, handeln.

3. Warum hilft niemand überforderten Eltern, die Kinder vor dem Fernseher parken, weil beispielsweise beide Elternteile arbeiten müssen, um die Familie überhaupt über Wasser halten zu können.

4. Warum weisen alle an der Entwicklung eines jungen Menschen beteiligten, die Schuld immer anderen zu?

Na die Schulen sind doch schuld, äh nein die Eltern, äh nein die Medien, äh nein das soziale Umfeld, äh nein die Gesellschaft, äh nein die Kirche, äh nein die Politik, äh nein die Schulen, äh nein die Eltern ….

5. Warum gibt es kaum Hilfe für überforderte Eltern, die vielleicht ihr Kind vor der Glotze parken, weil beide arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann.

Die sollen halt kommen und fragen, wenn sie Hilfe brauchen. Das Leben ist kein Ponyhof!

6. Warum lebt unsere Gesellschaft jungen Menschen immer wieder live und auch in den Medien vor, das man mit Ellenbogeneinsatz, Rücksichtslosigkeit und zur Not Brutalität prima ans Ziel kommt und erfolgreich ist?

Tja, so ist halt das Leben, was will man machen. Und die Medien, ja die halten der Gesellschaft ja nur den Spiegel vor.

6. Warum lernen Kinder und Jugendliche beispielsweise von Spitzenpolitikern, dass Fehler und Verfehlungen keine echten Konsequenzen haben?

Das Guttenberg sich seine Doktorabreit erschummelt hat, sich dann mal eine Weile nach USA absetzt, dann ein Buch dazu schreibt und seine nicht mehr gegelte Frisur in eine Talkshow hält, ist ja wohl nicht so dramatisch. Ja und das mit dem Wulff, das war ja eine Kampagne der Bild-Zeitung.

Ich könnte diesen Fragenkatalog weiter treiben. Aber ich will zum Fazit kommen. Das solche Dinge wie in Memmingen passieren, liegt am Zusammenspiel vieler Faktoren, Wirkungen und Probleme. Nur sind alle beteiligten zu feige, zu bequem und zu ignorant, sich zusammen an einen Tisch zu setzen und das Problem gesamtheitlich in Angriff zu nehmen. Nein, viel bequemer sind die Stammtischparolen und das Eigen-PR-Getrommel der Politiker.

 

Und für alle, die sich jetzt über den Text aufregen wollen. Euch sei gesagt, das in diesem Blog der Blick auf die Welt oft ein satirischer ist!

Hygiene-Ampel? Wie wärs mit einer Politik-Ampel!

Als ich heute morgen zur Arbeit fuhr, hörte ich bei Radio SWR 3, dass jetzt die „Hygiene-Ampel“ für die Gastronomie kommen soll. Restaurants, Imbissbuden und andere Lebensmittelbetriebe werden nach dem Willen der Verbraucherschutzminister der Länder mit einer Ampel gekennzeichnet, die den Hygienezustand anzeigt. Grün steht für „keine Mängel“, Gelb für „mittlere Beanstandungen“ und Rot für „Gravierende Beanstandungen“.

Was für ein Schwachsinn! Würde ein Betrieb, bei dem die rote Lampe leuchtet, nicht einfach bis zur Beseitigung der Mängel zu gemacht? Wenn nicht sollte man das eben tun. Anstatt Mängel per Ampel anzuzeigen, sollten diese auf Anordnung der Kontrollinstitution einfach sofort abgestellt werden müssen.

Politik-Ampel.
Politik-Ampel.

Aber wenn wir schon bei solchen Ampeln sind, die dem Bürger über Zustände oder Qualitäten informieren sollen, dann fordere ich die „Politik-Ampel“. Nein ich rede nicht von Ampel- oder Jameika-Koalition. Ich rede von so einer Qualitätsampel für politische Entscheidungen und auch für die politische Akteure.

Grün steht dabei für „Alles ok, kein Schwachsinn“. Gelb steht dann für „Ziemlicher Unfug, demnächst neu wählen.“ Und Rot steht natürlich für „Gemeingefährlicher Irrsinn, sofort zurücktreten.“

Vergeben wird diese Bewertung von uns Bürgern. Aber ich glaube, diese Ampel würde wenig Sinn machen, denn vieler Orten würde dabei nur eine „Dauer-Rot-Phase“ bei rauskommen. Und die Politiker würden dann einfach ungeniert bei Rot über die Ampel fahren.

Berlusconis unschöner Kontakt mit dem Mailänder Dom

Manchmal hinterläßt der Unmut des Volkes oder einzelner Personen aus eben diesem bei einem Politiker – ganz im sarkatsischen Sinne des Wortes – einen bleibenden Eindruck. Auf offener Straße hat ein vermutlich geistig verwirrter Mann dem italienischen  Staatschef Silvio Berlusconi ein Modell des Mailänder Doms ins Gesicht geschlagen und ihn damit übel zugerichtet. Nase zumindest angebrochen, zwei Zähne ausgeschlagen und die dicke Lippe, die Berlusconi immer wieder so liebend gerne riskiert, ist gerissen.

Wenn man sieht, wie Berlusconi danach in seinem Auto sitzt, dann wirkt er nicht mehr arrogant, selbstverliebt, unantastbar, aalglatt und großspurig.  Hier sehen wir aufeinmal einen alten Mann, verletzlich und verletzt, müde und verzweifelt. Man sieht, hinter der immer wieder medienwirksam zur Schau getragenen, glatt polierten Fassade, steckt ein ganz normaler Mensch.

Verletzt und verletzlich wirkt Berlusconi nach dem Anschlag. (Bild: Videoausschnitt)
Verletzt und verletzlich wirkt Berlusconi nach dem Anschlag. (Bild: Videoausschnitt)

So unsympatisch, wie ich diesen Kerl sonst auch finde, er tut mir in diesem Moment leid. Der Anschlag erinnert an die Attentate auf Lafontaine und Schäuble.  Gerne werden solche Attentäter als geisteskrank, irre und nicht zurechnungsfähig bewertet.  Aber stimmt das immer? Ist sowas nicht manchmal auch eine Verzweiflungstat von jemandem, der sich anders kein Gehör verschaffen kann, der ignoriert und überhört wird? Viele politische Attentate in der Geschichte hatten ihre Ursache in der Unzufriedenheit mit dem Politiker oder der Politik, beziehungsweise dem Wunsch, einen radikalen Wandel herbeizuzwingen.

Schauen wir doch mal in den Spiegel. Haben wir nicht selbst manchmal das Gefühl, ja fast das Bedürfnis, einem Politiker mal wenigstens eine Ohrfeige zu verpassen. Ich kann mich davon nicht frei sprechen, ganz ehrlich. Es gäbe da den einen oder anderem, dem ich meine Meinung manchmal gerne mal auf biomechanische Art sehr deutlich machen würde.  Dort wo Worte sinnlos geworden sind, wo die Allmachtsphantasie eines Politikers – und sei es auf regionaler oder lokaler Ebene – jede vernuftbasierte Diskussion ad absurdum führt und sich jemand in den Medien feiert. Da kommt manchmal still und heimlich der Wunsch auf, vergeblichen Worten erhelbliche Taten folgen zu lassen.

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