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Ein moppeliger Lachsack, Cellulite unter der Dusche und anderer telegener Ekel – fertig ist das RTL Dschungel-Camp

Letztes Jahr schrieb ich „Der Untergang des Abendlandes ist blond, blöd und hat viel zu dicke Möpse“. Aber wenn ich derzeit so im Fernsehen zappe, dann ist der schlimmste Trash zweifelsohne das Dschungel-Camp: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, das mittlerweile in der fünften Staffel läuft. Der Scheiß muss ja wohl Quote bringen, sonst würde dieses „Big Brother im Grünen“, diese Show, die eine billige Mischung aus Schadenfreude, Sadismus und Voyeurismus ist, ja nicht schon wieder gesendet.

Hilfe ich bin kein Star holt mich aus der Versenkung
Hilfe ich bin kein Star holt mich aus der Versenkung

Wieder einmal treiben sich da Möchtegern-Promis im RTL-TV-Dschungel herum und dürfen sich zum Ergötzen der Zuschauer allerlei Unsäglichkeiten unterwerfen und vor allem zum telegenen Deppen machen. Es sind wie immer die C-Promis oder eher D-Promis, die mit der Teilnahme verzweifelt gegen die Irrelevanz und Unprominenz ankämpfen. Und andere Medien holen sich mit Berichterstattung über diesen TV-Trash auch noch ein paar Quoten, Klicks oder Auflagen ab.

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, dass ich keine Ahnung habe, wer „Wedding Planner“ Froonck Matthée, Sänger Jay Kahn oder Model Sarah Knappik ist? Echt?! Macht nix, ich will auch gar nicht wissen, wer das ist! Sogar eine von den Jacob Sisters ist ohne Pudel in die australische Hölle gezogen.

Aber wieso funktioniert dieses Format? RTL bedient wie schon erwähnt die Schadenfreude und den Spanner im Publikum. Die Fans der Sendung sehen gerne zu, wenn sich jemand auf erniedrigende Weise zum Depp macht. Zudem dürfen die Zuschauer auch selbst ein bisschen ihrem Sadismus frönen, indem sie mitbestimmen, wer die nächste Ekelhaftigkeit als „Dschungelprüfung“ über sich ergehen lassen muss. Da darf Alt-68er Rainer Langhans wie „Schneewittchen im Kakerlaken-Sarg“ liegen. Wir erfahren „Sarah schluckt fast alles“ und „Indira & Mathieu nehmen den Mund voll“ während Jay fragt „Wo kann ich jetzt k…?“

Vom Knackarsch bis zur Cellulite - die Zuschauer dürfen sogar beim Duschen zusschauen.
Vom Knackarsch bis zur Cellulite - die Zuschauer dürfen sogar beim Duschen zuschauen.

Zwischendurch dürfen wir Zuschauer den Kandidaten beim Duschen unter einem Wasserfall zugucken. Toll! Mal ein Knackarsch mal eine Ansammlung von Cellulite und es läuft Wasser drüber. Wer bitte will das sehen? Die „Mitwirkendenverträge“ sind indes ziemlich hart, denn sie regulieren sogar, wie die Teilnehmer aufs Klo dürfen.  Wer zu früh aufgibt, verliert zudem Geld.  Vor zwei Jahren hat die ZDF-Sendung Frontal 21  mal einiges entlarvendes zu diesem gefährlichen, wilden und urwüchsigen Dschungel-Camp gezeigt und hinter die ach so authentischen Kulissen geblickt.

Und dann die beiden Moderatoren! Da wäre zunächst ein zu kurz geratener, massiv adipöser Lachsack, dessen Garderobe quasi den multiplen Orgasmus des schlechten Geschmacks darstellt. Dirk Bach kann außerhalb dieses unsäglichen Dschungel-Camps beinahe gut sein. Aber das da? Ja und dann die verbale Massenvernichtungswaffe Sonja Zietlow, die sich einst bei Sat 1 durch nachmittäglichen Talkshow-Terror laberte. Diese beiden sind die wahre Dschungelprüfung und zwar für den Zuschauer, denn dieses Duo ist ja wohl kaum zu ertragen.

Adipöser Lachsack und blonde Nervensäge.
Adipöser Lachsack und blonde Nervensäge.

Immer wenn ich beim Zappen über diese Fernsehkloake stolpere, fällt mir prompt wieder Hermann van Veens Lied „Und wenn die ganze Erde bebt“ ein. Hier der Text:

Herman van Veen – Und wenn die ganze Erde bebt

Jeden Abend denk ich beim Spazierengehn:
Warum ist hier draußen kein Mensch zu sehn?
Doch die Nachbarn interessiert kein Abendstern;
alle sehen, wie ein Blick durchs Fenster zeigt, nur fern.
Ausgezehrt und ausgelaugt und ausgebrannt;
Haus für Haus starrt alles wie gebannt.
Und beweisen die Bilder auch das Gegenteil:
In den Zimmern ist und bleibt die Welt noch heil.

Und wenn die ganze Erde bebt,
das Fernsehvolk bleibt unberührt,
weil der, der nur am Bilschirm klebt,
die Wirklichkeit nicht mehr spürt.

Jede Wohnung ist ein isolierter Raum,
und durch die vier Wände dringt kaum ein Traum.
Man man sieht und sieht, und was man sah, vergißt man prompt.
Es wird alles aufgesehn, was auf den Bildschirm kommt.
Da ist kein Platz mehr für Liebe und Begeisterung,
da stirbt jede Diskussion bei Alt und Jung.
Das einzig Frische hier ist höchstens noch das Bier,
und die Phantasie bleibt draußen vor der Tür.

Und wenn die ganze Erde bebt,
das Fernsehvolk bleibt unberührt,
weil der, der nur am Bilschirm klebt,
die Wirklichkeit nicht mehr spürt.

Eines abends kommt das Fernsehpublikum,
ohne das es etwas merkt, plötzlich um.
Nicht durch Langeweile oder Ungeduld;
es wird von einer fremden Macht ganz einfach eingelullt.
Durch gezielte ständige Berieselung
mit Pessimismus schwindet schnell der letzte Schwung.
Ein Schuß Rassismus; wenn der noch was übrig läßt:
Ein Schuß Zynismus gibt allen dann den Rest.

Und wenn die ganze Erde bebt,
das Fernsehvolk bleibt unberührt,
weil der, der nur am Bilschirm klebt,
die Wirklichkeit nicht mehr spürt.