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Danke, aber ich muss mal Tempo rausnehmen …

… sagte gestern eine Bekannte von mir auf die Frage, ob wir heute Vormittag laufen gehen sollen. Klang nach Stress beziehungsweise nach Maßnahmen dagegen. Ob das damit gemeint war, weiß ich nicht, vielleicht ging es auch nur ums Laufen. Aber das brachte mich zum Nachdenken und ich komm nicht umhin, euch die Ergebnisse der Denkerei mitzuteilen. Wer’s nicht wissen will, bitte hier an dieser Stelle das Lesen einstellen und die Seite schließen.

Entschleunigen ist wichtig und wenn man merkt, dass es nötig ist sollte man es tun! Ich weiß wovon ich rede und ihr kennt dieses Gefühl garantiert auch alle. Obwohl ich es ja mag, wenn das Leben mit ein paar Umdrehungen mehr läuft.  Wenn morgens so um 9:20 ein Kollege oder auch ich aus der frühen Redaktionskonferenz kommt/e, und es heißt „Bis zehn Uhr das Thema für die Top Box 4 am besten noch mit einer kleinen Fotoshow“ und es ist noch kein Wort geschrieben, dann geht’s rund. Ich mag diese hektische Betriebsamkeit, dieses Arbeiten unter gesundem Zeitdruck durchaus und das treibt mich auch an und verleiht mir mehr Energie als Kaffee.

Entschleunigen...
Entschleunigen...

Manchmal wundern sich auch Leute über mein wöchentliches Pensum und sagen: „Was Du so alles machst! Der Job, dann die ganzen Sachen und Ämter bei der DLRG, Singen im Gesangverein und zwischendurch noch der ganze Sport. Jetzt auch noch Spanisch lernen und so weiter. Ist dir das nicht zu viel?“ Nein ist es nicht, sonst würde ich es ja nicht tun. Was soll ich abends daheim alleine vor der Glotze sitzen und selbige leer gucken?!

Mir tut diese Action gut! Aber dennoch gibt es Zeiten, in denen ich merke, dass ich mal entschleunigen muss. Mal ein bisschen in Zeitlupe fliegen oder ganz abschalten. Und deshalb, wertgeschätzte Leserschaft, hier meine persönlichen Empfehlungen zum Entschleunigen:

’n bisschen vom Gas gehen

Das ist dann fällig, wenn Du einen anstrengenden Tag hattest oder wenn Dir irgendeine Kleinigkeit durch den Kopf geht.  Hier empfehle ich zwei mögliche Maßnahmen.

1. Gas geben! Hä?! Entschleunigen durch Beschleunigen? Klingt paradox, ist aber so! Geh, mach Sport und power dich aus! Wenn ich laufen oder schwimmen gehe oder Krafttraining mache und mich körperlich fordere, kann ich mental sehr gut entspannen und abschalten! Klingt nach Klischee, ist mir aber egal, denn es funktioniert! Ich kann mir den Kopf leer oder frei laufen oder schwimmen. Ich fühle mich danach matt und entspannt.

2. Ein kleiner Genuss. Nimm ein Glas guten Whisky und setze dich Abends im Dunklen auf Deine Terrasse. Das funktioniert bei mir wunderbar. Nach einem anstrengenden Tag mit einem guten Single Malt auf meiner Terrasse im Dunklen sitzen – Kerzen sind erlaubt, elektrischen Licht nicht – ein bisschen leise Musik hören, die zum Whisky passt, und in die Nacht hinein schauen. Ich empfehle jetzt im Sommer einen leichten sommerlichen Single Malt, wie beispielsweise einen Glengoyne 10 Years old oder einen Glen Grant Majors Reserve.  Im Herbst und Winter dürfen es gerne richtig rauchige Single Malts sein wie ein Talisker oder Lagavulin. Ok Du darfst hier natürlich einen Genuss Deiner Wahl genießen. Wenn es bei Dir Schokolade oder Gummibärchen sind, hau rein.

Gang raus und rollen lassen

So was ist fällig, wenn man mehrere anstrengende Tage hinter sich hat oder sonst irgendwie den Kopf zu oder das Herz schwer hat. Dann muss man sich schon eine mehrstündige Entschleunigung gönnen! Hab ich gestern erst gemacht. Ich war im Bäderhaus in Bad-Kreuznach und hab es mir während der „langen Sauna-Nacht“ bis ein Uhr nachts gut gehen lassen. Beim Schwitzen tritt nicht nur Schweiß aus dem Körper aus, auch so manche mentale Schlacke löst sich und verschwindet. Die indische Ölmassage war wunderbar entspannend und der nette Masseur hat auch dieses Stück Beton in meiner linken Schulter wieder zu einem beweglichen und funktionstüchtigen Muskel geknetet. Dann einfach noch auf einer der Liegen liegen, ein Buch lesen und die Zeit verstreichen lassen. Der Mitternachtsaufguss in der 90-Grad-Sauna (nein nicht Winkel-Grade!!!!) hat nochmal richtig aufgeheizt und entspannt. Hätte da um ein Uhr nachts nicht noch die Heimfahrt angestanden, hätte ich sofort ins Bett fallen können. Also ein paar Stunden Wellness eignen sich bestens für’s „Gang raus und rollen lassen“.

Vollbremsung, anhalten, abschnallen und aussteigen

Ja es gibt auch so Momente, wo man mal richtig die Faxen dicke hat. Wo einem nicht nur alles zu viel wird, sondern einem etwas oder jemand so richtig zum Hals raus hängt, ankotzt, auf die Nüsse geht etc. Das sind so Momente, wo man nicht nur entschleunigen, sondern mal einen Moment richtig anhalten muss. War bei mir letztes Jahr im September so weit. Durch einige nicht nette Dinge (und in dem Moment auch nicht nette Menschen), hatte ich genug.

Also Mittwochs ein Hotelzimmer in Paris reserviert und Freitagnachts mit Gepäck und Hund im Auto los gedüst in die Stadt an der Seine. Dann Samstag und Sonntag bei aller bestem Bilderbuchwetter mit meinem Hund durch die Stadt gelatscht. Insgesamt 30 Kilometer. Keine konkreten Ziele, einfach nur spazieren gehen. Stunden lang. Vollkommener Tapetenwechsel und damit Abstand zu sich selbst, um mal ein paar Sachen vom Tisch zu grübeln. Quasi das mentale Betriebssystem neu booten, die eine oder andere Sache deinstallieren, um mal in meinem Metier als IT-Journalist zu bleiben.

Damit das klappt, musst du aber eine ganz wichtige Regel beachten!! Sag niemandem Bescheid! NIEMANDEM! Hau einfach ab! Sonst klappt das nicht! Denn wenn Du Leuten Bescheid sagst, wird ein Teil Dir diese Spontanität warum auch immer auszureden versuchen. Andere werden Dir sagen was Du in Paris – oder wohin auch immer Du abhaust – alles tun sollst. Sachen wie: „Ja in Paris, da musst Du Dir aber unbedingt DIESUNDDAS anschauen und bei XY essen. Und das Museum BLABLA solltest Du dir nicht entgehen lassen.“ Mit anderen Worten Du kriegst schon wieder mentales Gepäck aufgeladen, das bei diesem wichtigen und gesunden Egotripp als unnötiger Ballast nur hinderlich ist. In so einer Situation hast Du sowieso genug Lasten im Kopf. Fahr nur mit Dir selbst und nimm niemand anderen mit, auch nicht im Kopf. Ok, im Kopf schon, wenn der oder diejenige(n) Ursache für den Egotripp ist(sind) und auch mit vergrübelt werden muss(müssen).

Ich rede hier nicht von einem Urlaub. Nichts lang geplantes über zig Tage mit Programm und so weiter. Ich rede davon, spontan mal ein paar Stunden oder ein bis zwei Tage abzuhauen. Gerade so lange, dass es die Leute, denen Du es NICHT sagst, auch nicht merken (solange sie nicht auf deinem Handy anrufen). Wenn Dein Kopf Dir sagt „Du hälst es nicht mehr aus, Du musst hier (mal) raus!“, dann tue genau das! Davon rede ich.

So, diese meine Tipps sind zur Nachahmung – gerne auch auf den eigenen Geschmack oder Bedarf adaptiert – empfohlen.

Der Pimmel-Prolet

Sozialwissenschaftler und Empiriker würden das Leben wohl als unterbrechungsfreie „teilnehmende Beobachtung“ kennzeichnen. Für uns Journalisten ist dieser Umstand quasi eine permanente Recherche. Über die verschiedenen Arten von Tänzern hatte ich mich ja schon zur Genüge ausgelassen. Heute habe ich mir nach dem 11,1 Kilometer Maarauelauf abends noch eine Runde Relaxen in der Sauna im Rheinhessenbad in Nieder-Olm gegönnt. Und nach dieser teilnehmenden oder eher mitschwitzenden Bebobachtung möchte ich hier die verschiedenen Arten von Saunagängern beschreiben. Das wird recht einfach, denn es gibt nur zwei unterschiedliche Arten. Übrigens, dem zur Prüderie neigenden Leser möchte ich an dieser Stelle von der weiteren Lektüre abraten!

Der normale und anständige Saunagast

Er und Sie ist ein ganz normaler Mensch, befolgt die Regel „Kein Schweiß aufs Holz“ und hüllt sich nach dem Verlassen der Schwitzkabine in einen bequemen Bademantel oder wickelt sich ein großes Handtuch um die Hüfte während die Damen sich ein noch größeres um die Schultern legen. Dann wird eine Liege oder ein Sitz gesucht und sich bequem hingesetzt und geruht oder sich mit anderen Gästen unterhalten. Der normale und anständige Saunagast ist angenehm, nett, kommunikativ und unauffällig.

Der gemeine Pimmel-Prolet

Meine wertgeschätzte Leserschaft möge mir die Wortwahl verzeihen und mir weiter wohlgesonnen bleiben. Aber Pimmel-Prolet ist der einzig passende Ausdruck für das Verhalten, was ich hier kurz darstellen möchte. Dieser eher auffällige bis unangenehme Saunagast ist männlich, denn mir sind bisher noch keine Frauen aufgefallen, die ein ähnlich schlechtes Benehmen an den Tag legen.

Wäre der Pimmel-Prolet nur ein Adonis .... Isser aber nicht.
Wäre der Pimmel-Prolet nur ein Adonis .... Isser aber nicht. (Foto: stock.xchng)

Der gemeine Pimmel-Prolet hält sich zwar auch an die Regel „Kein Schweiß aufs Holz“. Aber das ist auch schon fast das einzige, wofür er mitgeführte Frotierwaren einsetzt. Kaum aus der Schwitzkabine entschlüpft rennt der Pimmel-Prolet grundsätzlich splitterfaser-nackig umher. Dabei achtet er auf einen breitbeinigen und federnden Gang der einzig dem Zweck dient, das, was er für groß und wichtig hält, in leichte Schwingungen zu versetzen und dann gut sichtbar umher zu tragen. Heute waren in der Sauna gleich mehrere dieser Zeitgenossen vertreten.

Auffallend, dass diese Typen zunächst einmal eine Weile umher stolzieren und zwar meist dort wo viele andere Gäste und auch Frauen sind. Läuft der Pimmel-Prolet vor dem Publikum mit seinem Schwing-Dein-Ding-Gang auf, legt er gerne immer wieder mal zuuuufällig die Hände in den Nacken, streckt sich und schiebt Brust und auch Hüfte vor, damit sein Publikum die zur Schaustellung des Gemächts auch besser „genießen“ kann. Ich saß draußen im Freien und zwei Damen verließen bei diesem Aufmarsch sehr zügig das Freigelände.

Legt sich der Pimmel-Prolet dann auf eine der Ruheliegen, dann wird das Handtuch nur unten drunter gelegt. Dann legt sich der Kerl zur Gänze unverhüllt auf die Liege und das breitbeinig und mit nach außen gedrehten Knien. Das nur, damit der Anhang auch gut belüftet wird und – Sie haben richtig befürchtet – wie auf der Präsentier-Lende gut sichtbar ist.

Ich finde dieses Verhalten albern und unanständig – gut mag man mich für prüde halten. Und ich finde es auch lästig, wenn dir und anderen dauernd irgend so ein Heini sein Genital vor Augen führt. Jetzt könnte man ja meinen, dass wenigstens die Damen Freude daran hätten, wenn die besagten Kerle eine sportlich durchtrainierte Figur hätten und lecker aussehen würden. Aber meist ist das Gegenteil der Fall! Meist sind diese zeigefreudigen Typen älter, nicht selten korpulent und längst nicht (mehr) ansehnlich.

Auch heute in Nieder-Olm! Einer der umher stolzierenden Pimmel-Proleten hätte wahrlich gut daran getan, das gewisse Etwas unter seiner Gürtellinie gut zu verstecken oder aber eine Lupe zur Verfügung zu stellen. Aber sein Bauch hat eh schon als Sichtschutz gewirkt. Die Krönung war aber ein strohblondiertes älteres Exemplar mit Nickelbrille, der sich dort um Beachtung bemühte. Seine „Bestückung“ fiel gar nicht ins Auge, da er eine Oberweite hatte, die locker in Körbchengröße C passt und beim Umherlaufen deutlich mehr in Schwingungen geriet als … Sie wissen schon. Wenn etwas die Blicke auf sich lenkte, dann war es diese maskuline Oberweite. Dabei wären dort zwei junge und gut gebaute sportliche Männer gewesen, aber die hielten sich anständig verhüllt.

Fazit: Mit sind nette und diskrete Saunagäste, die sich mit Anstand außerhalb der Kabine in Frotierwaren hüllen und mit denen man sich angenehm unterhalten kann, deutlich lieber, als diese Pimmel-Proleten. Denn die sind nicht nur wie beschrieben unangenehm auffällig sondern meist auch recht wortkarg. Das vor allem auch deshalb, weil die normalen Saunagäste diese Typen meiden. Wie gesagt, zwei Damen flüchteten beim Auflaufen eines dieser Herren in dem Moment, als der die Hände in den Nacken legte und sich kaum zwei Meter weg reckte und streckte.