SchlagwortSchottland

Postkarten sind so wunderschön analog!

Ich bin ja eigentlich schon ein weitgehend digitaler Mensch. Ok, ok, für die ganz peniblen unter Euch, ich als Mensch funktioniere natürlich biologisch-analog. Aber wie ich so lebe und was ich so tue, das ist schon ziemlich digital. Als Online-Redakteur arbeite ich für digitale Medien. Ich habe ein iPhone und ein iPad und schäme mich nicht nur nicht dafür, sondern finde diese digitalen Helferlein richtig geil.  Ich könnte die Beispiele mit DVD gucken und Ähnlichem fortsetzen, aber Ihr wisst sicher, was ich meine.

Postkarten - so richtig old fashioned ...
Postkarten - so richtig old fashioned ...

Aber ich bin kein Web-Junkie oder Internet-süchtig. Im Urlaub in Schottland war ich, von drei Stunden Gratis-WLAN in einem Hotel und der theoretischen Erreichbarkeit via Handy mal abgesehen, zwölf wunderschöne Tage offline. Das tat gut und vermisst habe ich nichts. Mal zwölf Tage ohne Facebook & Co, ich weiß nicht, wie Ihr es ohne mich ausgehalten habt, aber mir ging es prima. Und ich Schottland habe ich etwas wieder entdeckt, was quasi als Sinnbild der guten alten analogen Zeit gelten könnte: Die Postkarte.

... und wirklich absolut analog!
... und wirklich absolut analog!

Gibt es etwas analogeres als eine Postkarte? Jetzt kommt mir bitte nicht mit dem Argument, auch Postkarten würden heute im Digitaldruck hergestellt. Nochmal: Gibt es etwas analogeres als eine Postkarte? Man nimmt einen Kugelschreiber und beschreibt die Postkarte liebevoll mit der eigenen Sauklaue. Was heißt hier lesen? Der gute Wille und die Tatsache, das man an jemanden gedacht hat, das ist es, was zählt. Dann klebt man eine Briefmarke drauf und wirft die Karte in einen Briefkasten. Und dann macht sich das Stückchen Fotokarton auf die lange Reise zum Ziel und nicht selten bist Du als Urlauber schon wieder zu Hause, bevor die Postkarte den Empfänger erreicht.

Ich finde das klasse und entschleunigend, wie der Urlaub selbst es auch sein sollte. E-Mails sind binnen Sekunden um den Globus geflitzt. Die Postkarte tut genau das, was wir selbst heutzutage viel zu selten tun! Sie lässt sich Zeit, reist langsam. Wie ich in Schottland. Sieht man von den schottischen Autofahrern einmal ab, dann ist in Schottland alles etwas langsamer, ruhiger und gemütlicher als hier bei uns. Und das tat sehr gut!

Ich werde ab jetzt wieder Postkarten schicken! Aus jedem Urlaub, vom Kurztrip oder vielleicht einfach von zu Hause. Also nicht wundern, wenn jemand von Euch demnächst mal eine Postkarte von mir bekommt. Macht damit das, was ich mit den Postkarten mache, mit denen mir jemand eine Freude bereitet. Lest sie langsam, genüsslich und analog, so wie sie auch geschrieben werden. Und dann packt sie an eine Pinnwand. Ihr werden sehen, bald habt ihr die halbe Welt auf der Pinnwand beisammen, denn wer Postkarten schreibt, bekommt auch welche.

Ich bin dann mal wieder da!

Deutschland hat uns wieder, wir sind vor rund 45 Minute in Frankfurt gelandet. Zwölf wunderschöne, erholsame und (bis auf rund drei Stunden in einem Hotel mit kostenlosem WLAN abgesehen) völlig offline(ige) Tage liegen hinter uns. In den zwölf Tagen habe ich mich von meiner Kaffeesucht kuriert und bin zum leidenschaftlichen Teetrinker geworden. Morgens ein oder zwei Tassen englischen Tee mit Milch und Zucker, wunderbar. Und ich habe Geschmack an Single Malt-Whisky gefunden und auch meine Marken entdeckt. Gekauft habe ich eine Flasche Glenkinchie, sehr lecker sind auch Blair Atholl, Dalwhinnie und Glen Moray.

Hier den ganzen Urlaub zu beschreiben, würde vermutlich den Server zum platzen und meine Finger zum bluten bringen. Den ausführlichen Reisebericht mit Bildern gibt es vielleicht bald hier zum Download, denn ich habe jeden Abend Tagebuch geschrieben und nur 1542 Fotos gemacht. Deshalb hier im Anschluss in aller Kürze etwas Statistik bezüglich unseres sehr erholsamen Urlaubs.

1. Gefahrene Meilen: 1567,5 das entspricht 2522,6 Kilometern
2. Übernachtungen in sieben Bed & Breakfast-Herbergen
3. dabei zwölf mal schottisches Frühstück genossen.
4. Unterwegs pro Person rund 20-25 Sandwhiches als Wegzehrung verputzt, die es sehr lecker und frisch in jedem Supermarkt gibt.
5. Die Anzahl der getrunkenen Biere und gefutterten Chipstüten geht Euch nix an!
6. Elf Whisky-Destillen besichtigt: Talisker, Glen Ord, Glenmoranchie, Glynelish, Glen Moray, Glenfiddich, Cardhu, Glenlivet, Dalwhinnie, Blair Athol und Glenkinchie.
7. Dabei 16 Whiskys probiert.
8. Vier Burgen ausführlich besichtigt und weitere acht aus der Nähe gesehen, angehalten und fotografiert und viele weiter am Wegesrand liegen gelassen.
9. Ein Wasserkraftwerk in einem Staudamm bei Pitlochry besichtigt.
10. Unzählige Kilometer gelaufen und gewandert und dabei sehr viel schöne Landschaften und Naturschauspiele bewundert.

Zuviel Vollgas – ich bin dann mal weg!

Wer sein Auto die ganze Zeit mit Vollgas über die Straßen drischt und um die Kurven hetzt, der schadet auf Dauer dem Motor. Der überhitzt, verschleißt, geht kaputt. Wer nicht weis, wann er vom Gas gehen sollte, darf sich später nicht beschweren.

Ich bin dann mal weg.
Ich bin dann mal weg.

Ich bin nicht in den letzten Wochen, sondern in den letzten Monaten ziemlich viel Vollgas gefahren und ich meine nicht mein Auto. Viel um die Ohren und auf dem Buckel, viel zu tun in vielerlei Hinsicht. Viele schönes, nur sehr wenig schlimmes. Viel aufregendes im positiven wie im negativen Sinne. Viele Erfolge, fast keine Niederlagen. Viel Freude, und zum Glück nur wenig Frust. Vieles für viele getan und nicht so viel für mich. Mich plötzlich getraut, etwas zu tun, was ich mich bis dahin nie getraut habe. In den Spiegel geschaut und neues entdeckt aber auch vertrautes erblickt. An Gewicht verloren und an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gewonnen. Auch sehr viel Spaß und Vergnügen gehabt und viel unternommen. Aber eben fast immer Vollgas.

Aber die Warnlampe des Drehzahlmessers glimmt schon ein bisschen. Und eh das der Zeiger in den roten Bereich klettert, ist es mal Zeit, ein paar Gänge runter zu schalten und mal ein Weilchen nur mit Standgas gemütlich durch Schottland zu tuckern. Elf Tage Urlaub, elf Tage Pause von mir selbst und elf Tage nur für mich selbst!

Ich bin dann mal weg!